Handelspräsident Beverungen fordert Unterstützung für den Mittelstand
Gegen die »Amazonisierung«

Lemgo (WB). In vielen Branchen gibt es nach Ansicht von Johannes Beverungen weltweit keinen echten Wettbewerb mehr. Es sei Aufgabe der Politik, der Konzen­tration auch im Handel Grenzen zu setzen, fordert der Präsident des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe.

Donnerstag, 07.02.2019, 15:00 Uhr
Johannes Beverungen führt seit 2018 als Nachfolger von Ferdinand Klingenthal den OWL-Handelsverband. Beim Neujahrsempfang in Lemgo hielt er eine Grundsatzrede. Foto: Jörn Hannemann

Kaum ein Verbraucher könne und wolle sich im Internet den großen Fünf – Apple, Google, Microsoft, Facebook und Amazon – entziehen, meinte Beverungen gestern vor 150 Gästen beim Neujahrsempfang des Verbandes in Schloss Brake in Lemgo. Der Handel spüre in besonderer Weise die Auswirkungen der Mo­no­po­li­sie­rung. Beverungen sprach in diesem Zusammenhang von der »Amazonisierung des Konsums«.

Gefahr für kleine Händler

Für die kleinen Händler berge sie große Gefahr, dass ihnen wichtige Kundendaten verloren gingen. Es sei bemerkenswert, wie sehr »Alexa« auch in Deutschland, wo der Datenschutz doch groß geschrieben werde, bis ins Schlafzimmer vorgedrungen sei. Datenschutzverordnung, neues Verpackungsgesetz und Steuerlast bedrückten nicht die internationalen Konzerne, sondern den lokalen Handel: »Denn er kann nicht weglaufen.«

Den Händlern riet Beverungen, sich von Amazon Anregungen für das eigene Internetgeschäft und die Verzahnung mit ihrem stationären Laden zu holen. Dafür bräuchten sie Unterstützung – etwa bei der Sonntagsöffnung. Die Klagen von Verdi bewirkten vielerorts aber das Gegenteil.

Positiv äußerte sich der Präsident des OWL-Handelsverbandes über Investitionen, die Innenstädte attraktiver machten. Dazu gehörten beispielsweise in Lemgo nicht nur der Umbau der Fußgängerzone, sondern auch das Projekt »Lemgo digital«. In Paderborn sei die Neugestaltung der »Königsplätze« abgeschlossen. Höxter investiere im Vorfeld der Landesgartenschau 2023 einen zweistelligen Millionenbetrag in den Umbau des Marktplatzes Ost.

Fokus auf die Innenstadt

Weitere positive Beispiele gebe es in Bielefeld mit dem Neubau des »Loom«, in Gütersloh und Herford. »Trotz der vielen positiven Beispiele gilt es immer am Ball zu bleiben.« Richtig sei es, sich auf die Innenstadt zu fokussieren. »Alle Städte, die das beherzigen, werden auch zukünftig davon profitieren«, erklärte Beverungen. Dagegen gefährdeten Dieselfahrverbote, Baustellen und der Rückbau von Hauptverkehrsstraßen die Erreichbarkeit – und damit den innerstädtischen Einzelhandel. Dabei könne niemand eine Rückkehr zu den Einkaufszentren auf der »Grünen Wiese« wirklich wollen.

Als Gastredner nutzte der Paderborner Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung Carsten Linnemann die Gelegenheit zur Kritik an dem von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegten Industriepapier: »Anstatt sich als Staat an Unternehmen zu beteiligen, müssen wir ein Umfeld schaffen, indem sich gute Ideen entwickeln können.« Energiekosten, Sozialabgaben und Steuern seien die höchsten der Welt. »Hier müssen wir ran«, forderte Linnemann.

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