Höherer Verlust erwartet – Paderborn verliert an Einfluss – Aktie stürzt ab Diebold Nixdorf in Turbulenzen

Paderborn (WB). Der amerikanisch-deutsche Zahlungssystemhersteller Diebold Nixdorf mit Europazentrale in Paderborn rechnet nach einem schwachen ersten Quartal mit einem höheren Jahresverlust . Der neue Konzernchef Gerrard Schmid hat am Mittwoch Veränderungen angekündigt, die den Einfluss der deutschen Tochter weiter schwächen dürften.

Von Oliver Horst
Ein Mitarbeiter von Diebold Nixdorf testet im Gerätewerk in Paderborn einen Geldautomaten. Der Konzern kämpft vor allem im Geschäft mit Banken mit Rückgängen.
Ein Mitarbeiter von Diebold Nixdorf testet im Gerätewerk in Paderborn einen Geldautomaten. Der Konzern kämpft vor allem im Geschäft mit Banken mit Rückgängen. Foto: dpa

Für das Gesamtjahr erwartet Diebold Nixdorf nun unter dem Strich einen Jahresverlust von 75 bis 95 Millionen Dollar (62,5 bis 79 Millionen Euro) statt bislang 40 bis 65 Millionen. Das teilte der Konzern mit und begründete dies mit Steuereffekten. Das Umsatzziel liegt weiter bei 4,5 bis 4,7 Milliarden Dollar.

Für das erste Quartal vermeldete der Konzern derweil ein Umsatzminus und einen gestiegenen Fehlbetrag. Die Erlöse sanken von Januar bis Ende März im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar. Um Währungseinflüsse bereinigt lag das Minus sogar bei 10,7 Prozent. Der Quartalsverlust erhöhte sich von 52,2 auf 63,3 Millionen Dollar.

Geschäft mit Geldautomaten schwächelt

Vor allem das Geschäft mit Geldautomaten schwächelt weiter und sorgte in der Gerätesparte für einen Umsatzeinbruch von fast 16 Prozent auf 352,5 Millionen Dollar. Ohne Wechselkurseffekt büßte Diebold Nixdorf im Hardewaregeschäft sogar 23 Prozent ein. Bei Software (119,5 Millionen) und Serviceleistungen (592,2 Millionen) gab es indes nominal Zuwächse. Das erste Quartal habe die bekannten Herausforderungen gerade im Gerätegeschäft mit Banken und unter Druck stehender Profitabilität bestätigt, sagte Finanzvorstand Chris Chapman.

Um die mit einer Nettoverschuldung von 1,4 Milliarden Dollar angespannte Finanzlage zu verbessern, streicht der US-Konzern die Dividende. Die deutsche Aktiengesellschaft muss ihren Eigentümern derweil weiter die Garantiedividende zahlen. Die Aktie des US-Mutterkonzerns stürzte in New York gestern in der Spitze um 18 Prozent ab auf ein 25-Jahrestief.

Der seit Ende Februar amtierende Konzernchef Schmid kündigte eine Neuausrichtung an. Diebold Nixdorf sei bislang zu komplex und ineffizient aufgestellt. Im ersten Schritt werden die bisherigen drei Segmente Services, Software und Systeme (Geräte) abgelöst durch die nach Kundengruppen orientierten Sparten Handel und Banking. Verantwortet wird das weltweite Geschäft mit dem Handel vom gebürtigen Briten Mark Brewer, der vom Hauptsitz des Konzerns in North Canton im US-Bundesstaat Ohio aus agiert.

Bankinggeschäft wird regional neu aufgeteilt

Das Bankinggeschäft wird regional neu aufgeteilt: Bislang führte Christian Weisser von Paderborn aus die Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Dieses Geschäft geht in der neuen Region Eurasia auf. Sie wird von Neil Emerson, dem bisherigen Leiter Asien/Pazifik verantwortet, Weisser soll ihm zuarbeiten. Das Banking-Geschäft in Amerika wird von Octavio Marquez ebenfalls aus den USA geleitet. Die bisherigen Sparten Service und Geräte hatten in Olaf Heyden und Dr. Ulrich Näher zwei Manager aus Paderborn geleitet. Damit verliert die frühere Wincor Nixdorf AG weiter an Einfluss, nachdem zuletzt der l angjährige Vorstand Jürgen Wunram sein Ausscheiden zu Ende Mai bekanntgab.

Die Mitarbeiter waren über die internen Umstrukturierungen bereits vergangene Woche informiert worden. In Paderborn, wo Diebold Nixdorf derzeit rund 1700 Menschen beschäftigt, seien die Veränderungen mit vielen Fragen und Besorgnis aufgenommen worden, heißt es.

Konkrete Maßnahmen zur Effizienzsteigerung sollen in den kommenden Wochen von den neuen Verantwortlichen erarbeitet werden. »Es gibt zu weiterführenden Überlegungen auch hinsichtlich eines Personalabbaus zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Planungen«, sagte Pressesprecher Andreas Bruck. Auszuschließen sei dies nicht. Geplant ist bislang eine Reduzierung der Belegschaft in Paderborn bis 2020 auf 1500 Mitarbeiter. Konzernweit beschäftigt Diebold Nixdorf 23.000 Menschen. Zum Zeitpunkt der Fusion im August 2016 waren es noch 25.000 Mitarbeiter.

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