Tochter mit Werk in Rheda geht an spanisch-deutsches Unternehmen Tönnies verkauft Pharmasparte

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Fleischkonzern Tönnies trennt sich von seinen vor fünf Jahren mit großen Erwartungen gestarteten Pharma-Aktivitäten. Die Tochter »Pharma Action«, die aus dem Darmschleim von Schweinen gewonnenes Heparin produziert und vertreibt, ist für eine zweistellige Millionensumme an den spanischen Heparin-Spezialisten Bioiberica verkauft worden.

Von Oliver Horst
Ein »Pharma Action«-Mitarbeiter begutachtet im Werk in Rheda-Wiedenbrück gewonnenen Heparin-Grundstoff. Der Tönnies-Konzern hat die Pharma-Tochter verkauft.
Ein »Pharma Action«-Mitarbeiter begutachtet im Werk in Rheda-Wiedenbrück gewonnenen Heparin-Grundstoff. Der Tönnies-Konzern hat die Pharma-Tochter verkauft. Foto: Oliver Horst

Die Veredelung weiterer Schlachtreste für Gelatine oder Nahrungsergänzungsmittel will Tönnies derweil unter dem eigenen Dach weiter ausbauen. Einst hatte der Firmenchef von einem ganzen »Veredelungspark« mit bis zu 400 Arbeitsplätzen im »Aurea«-Areal gesprochen.

Das Gewerbegebiet könnte künftig auch ein neues Logistikzentrum mit Tiefkühllager beheimaten. Der Konzern hat einen Bauantrag für ein entsprechendes Vorhaben gestellt. Es gebe aber noch keine abschließende Entscheidung für den Bau und auch keinen Kosten- oder Zeitplan, sagte ein Sprecher.

Rohheparin-Werk kostete fast 25 Millionen Euro

Von einem »denkwürdigen Tag« in der Geschichte des Milliarden-Unternehmens hatte Konzernchef Clemens Tönnies gesprochen, als er im Herbst 2013 den Grundstein für das fast 25 Millionen Euro teure Rohheparin-Werk im Gewerbegebiet »Aurea« in Rheda-Wiedenbrück legte. Es war das Herzstück des Pharma-Engagements.

Im Mai 2012 hatte der Konzern 51 Prozent an der auf die Erzeugung und den Vertrieb des Blutgerinnungshemmers Heparin spezialisierten Berliner Firma »Pharma Action« erworben. Später übernahm Tönnies das Unternehmen komplett.

2017 nahe am Umsatzziel von 60 bis 70 Millionen Euro

In dem Werk in Rheda – eigenen Angaben zufolge das modernste weltweit – wird mit 20 Mitarbeitern der Heparin-Grundstoff aus dem Darmschlein von Schweinen gewonnen. Tönnies wollte damit das Wertschöpfungspotential aus Schlachtresten erschließen, die in Deutschlands größten Fleischkonzern in großen Mengen anfallen.

Zunächst sollte jährlich der Darmschleim von bis zu 30 Millionen Schlachtschweinen, im Endausbau sogar von bis zu 60 Millionen Tieren verarbeitet werden. Das entspricht rechnerisch dem Rohheparin-Bedarf in Europa zu 30 beziehungsweise 60 Prozent.

Dem Umsatzziel von 60 bis 70 Millionen Euro soll »Pharma Action« im laufenden Jahr relativ nahe kommen. Bei der weltweiten Vermarktung des Heparins aber sollen sich die Erwartungen nicht erfüllt haben, heißt es im Konzernumfeld.

»Pharma Action« soll nicht ausreichend mit Pharmakonzernen als Abnehmer für große Mengen des hochwertigen, komplett rückverfolgbaren und damit besonders wertvollen Heparins vernetzt gewesen sein.

Bioberica produziert 20 Prozent der weltweiten Heparinmenge

Bioiberica gilt indes als absoluter Heparin-Spezialist. Das Unternehmen, das zur deutschen Rethmann-Gruppe (»Remondis«) gehört, produziert nach eigenen Angaben 20 Prozent der weltweiten Heparinmenge.

Tönnies wird das Werk auch unter Bioiberica-Führung mit Darmschleim beliefern. Auch weitere Heparin-Produzenten werden vom Rheda-Wiedenbrücker Konzern mit dem Rohstoff versorgt.

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