Arcandor AG: Landgericht Essen will das Verfahren um Millionenboni einstellen Middelhoff bleibt straffrei

Essen/Bielefeld (WB/in). Thomas Middelhoff, ehedem Chef bei Bertelsmann und Arcandor, bleibt eine weitere Verurteilung erspart. Das Landgericht Essen will das Verfahren um Millionenboni einstellen, gab die Wirtschaftsstrafkammer am Montag bekannt.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Arcandor AG, Thomas Middelhoff (links), am 11. Mai 2017 beim Prozessauftakt gegen sechs Aufsichtsratsmitglieder und ein Vorstandsmitglied der insolventen Arcandor AG im Landgericht Essen.
Der frühere Vorstandsvorsitzende der Arcandor AG, Thomas Middelhoff (links), am 11. Mai 2017 beim Prozessauftakt gegen sechs Aufsichtsratsmitglieder und ein Vorstandsmitglied der insolventen Arcandor AG im Landgericht Essen. Foto: Marcel Kusch/dpa

Die Wende kommt nicht ganz überraschend. Nachdem schon zu Beginn des Verfahrens Zweifel laut geworden sind, ob es der Bochumer Staatsanwaltschaft gelingen wird, dem früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff Anstiftung zur Untreue nachzuweisen, wird das Verfahren nun wohl vorzeitig eingestellt.

Dies gab die Wirtschaftsstrafkammer in öffentlicher Sitzung bekannt. Ein Sprecher des Gerichts bestätigte diese Meldung gegenüber »Handelsblatt« und »Süddeutscher Zeitung«. Middelhoff bleibe in dieser Sache jedenfalls straffrei. Auch für die sechs mitangeklagten Aufsichtsräte des pleite gegangenen Warenhauskonzerns sollte der Fall damit glimpflich enden.

In dem neuen Verfahren geht es um Ende 2008 erfolgte Bonus-Zahlungen in Höhe von 3,8 Millionen Euro bei dem wenige Monate später pleite gegangenen Kaufhauskonzern Arcandor AG. Die Staatsanwaltschaft behauptet, die Beschlüsse seien ohne rechtliche Grundlage erfolgt. Middelhoff, der damals allein 2,3 Millionen Euro erhalten hat, habe sich schuldig gemacht, weil er die Aufsichtsräte angestiftet habe.

Auftakt für den Prozess beim Essener Landgericht war am 11. Mai. Nach dem ursprünglichen Terminplan sollte er bis mindestens Dezember dauern. Middelhoff ist im November 2014 ebenfalls in Essen wegen Veruntreuung von Firmengeldern zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Tagsüber arbeitet er heute als Freigänger in einer Behindertenwerkstatt der von Bodelschwinghschen Stiftungen in Bielefeld-Eckardtsheim.

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