Corona-Lage an Schulen aktuell aber überschaubar
Mehr infizierte Schüler und Lehrer in NRW

Düsseldorf -

In NRW hat sich die Zahl der positiv getesteten Lehrer und Schüler innerhalb von drei Wochen mehr als verdoppelt. Aber: Negative Auswirkungen auf den Schulbetrieb hatte diese Zunahme bisher kaum. Nach Angaben des Schulministeriums sind deutlich weniger Klassen und Schulen geschlossen als noch vor den Herbstferien, obwohl da die Zahl der positiv Getesteten niedriger war.

Dienstag, 03.11.2020, 19:20 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 04:10 Uhr
Unterricht unter Corona-Bedingungen in der neunten Klasse der Erich-Klausen-Realschule in Münster. Foto: Karin Völker

 

In NRW gibt es etwa 205.000 Lehrer für 2,46 Millionen Schüler an 5436 Schulen. Seit einiger Zeit erfasst das Schulministerium einmal pro Woche jeweils zum Stichtag Mittwoch, wie viele Schülerinnen und Schüler und wie viele Lehrkräfte positiv getestet sind, wie viele in Quarantäne geschickt wurden, und wie viele Klassen geschlossen werden mussten. Für die vergangene Woche, die erste nach den Herbstferien, gab das Ministerium folgende Zahlen bekannt:

Unter den Lehrkräften waren 367 Corona-Fälle bekannt, in der Woche vor den Herbstferien waren es 166. Von den Schülern waren landesweit 1808 positiv getestet, 853 waren es in der Woche vor den Ferien.

Trotz dieser Verdoppelung der Positiv-Zahlen nahm die Zahl der Schüler und Lehrer, die in Quarantäne mussten, massiv ab. Sie sank bei den Schülern von 23.327 vor den Ferien auf aktuell 13.590. Bei den Lehrern nahm sie im selben Zeitraum von 2084 auf 1287 ab.

Für den drastischen Einbruch bei den Quarantänezahlen gibt es mehrere mögliche Gründe. Maike Finnern, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Man konnte schon länger beobachten, dass Gesundheitsämter in Sachen Quarantäne sehr unterschiedlich vorgingen. Manche haben nach einem Infektionsfall sofort ganz Klassen nach Hause geschickt, andere nur die unmittelbaren Sitznachbarn. Vielleicht hat es da jetzt eine Angleichung gegeben, und man schickt nicht mehr so viele Menschen in Quarantäne.“

Ein Grund könnten aber auch die Herbstferien sein: Wenn Schüler und Lehrer in dieser Zeit positiv getestet wurden, gab es nur vergleichsweise wenige Kontaktpersonen, die vorsichtshalber in Quarantäne mussten – anders als zu Schulzeiten. Nach den Ferien wurden diese Personen dann, sofern sie noch als infiziert galten, als Corona-Fälle in die Schulstatistiken aufgenommen.

Die geringere Zahl der Quarantäneanordnungen führt dazu, dass der Unterricht in Nordrhein-Westfalen aktuell kaum eingeschränkt ist. Nach Ministeriumsangaben meldeten zuletzt 68 der mehr als 5600 Schulen Schulen eine Teilschließung. Vor den Herbstferien waren es noch 360, und acht waren damals komplett geschlossen.

Die Zahlen könnten wieder steigen, wenn jetzt im Schulbetrieb weitere Lehrkräfte und Schüler positiv getestet werden.

Während die Corona-Lage an den Schulen im Moment beherrschbar scheint, sieht das Robert-Koch-Institut die Entwicklung bei Menschen ab 60 mit Sorge. „Seit Anfang September nimmt ihr Anteil unter den Corona-Fällen wieder zu.“ Die Sieben-Tages-Inzidenz dieser Altersgruppe sei auf 78,6 Fälle pro 100.000 Einwohner gestiegen, meldete das RKI am Dienstag. Der bundesweite Anstieg der Corona-Zahlen stehe zunehmend auch im Zusammenhang mit Alten- und Pflegeheimen, beruflichem Zusammentreffen und religiösen Veranstaltungen. »Weil Corona-Erkrankungen älterer Menschen häufiger einen schweren Verlauf haben, steigt die Zahl der Todesfälle“, schreibt das RKI. Viele Fälle können vermieden werden, wenn alle mit Infektionsschutzmaßnahmen die Ausbreitung verlangsamten.

In einem Altenheim in Löhne sind aktuell 28 Bewohner und elf Beschäftigte infiziert, in einem Heim in Enger 18 Bewohner und sechs Mitarbeiter. In Bad Lippspringe sind in einem Pflegeheim in den vergangenen Tagen nach Behördenangaben fünf alte Menschen im Zusammenhang mit Corona gestorben.

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