Fachärzte warnen vor Panikmache wegen Zunahme der Infektionen
Noch genug Intensivbetten frei

Eschweiler (WB). Auf den Intensivstationen herrscht derzeit so etwas wie angespannte Wachsamkeit. Obwohl die Zahl der Corona-Neuinfektionen deutlich steigt, und damit auch die Zahl derjenigen Patienten, die stationär versorgt werden müssen, sei Panik nicht angebracht, sagte Professor Uwe Janssens, Chefarzt der Intensivmedizin im St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, bei einer Pressekonferenz der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Mittwoch, 21.10.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 06:58 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Von 5670 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit in Nordrhein-Westfalen sind nach aktuellen Zahlen mehr als 1430 frei. „Unser medizinisches System ist in der Lage, das zu schaffen.“

Größte Sorge bereiten Janssens und seinen Kollegen weder der Umgang mit Covid-19 noch die Bettenkapazität, sondern das nicht ausreichend vorhandene Intensivpersonal. Irgendjemand müsse die Maschinen auf den Stationen bedienen, so Janssens. Sollte sich die Lage verschärfen, könnten nicht notwendige Operationen auch kurzfristig verschoben und Personal umgeschichtet werden. „Wir schulen Schwestern und Pfleger bereits für den Einsatz auf der Intensivstation um“, sagte Professor Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie in der Klinik Schwabing in München.

Sechs Prozent der Infizierten müssen in Klinik

Trotz hoher Infektionszahlen in Deutschland sei die Situation nur bedingt mit der Lage im Frühjahr zu vergleichen, sagte Professor Reinhard Busse, Leiter des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin. Damals landeten rund 20 Prozent aller Infizierten im Krankenhaus, derzeit sind es etwa sechs Prozent, davon müssen rund zwei Prozent intensivmedizinisch versorgt werden. Zurückzuführen sei das auch auf den niedrigeren Altersschnitt der Erkrankten – im Frühjahr 52 Jahre, nun 32 Jahre.

Nachbarländer wie Frankreich oder Belgien sind uns bei den Infektionszahlen etwa fünf Wochen voraus. Übertrage man die belgischen Verhältnisse auf ganz Deutschland, müsste man in fünf Wochen mit etwa 16.000 durch Covid-19-Patienten belegten Krankenhausbetten rechnen und etwa 2700 Intensivpatienten, das entspräche etwa zehn Prozent der vorhandenen Kapazitäten. Das sei nicht wünschenswert, würde aber das Gesundheitssystem nicht überfordern.

20 mal gefährlicher als Influenza

Was die Gefährlichkeit angehe, liege Covid-19 um den Faktor 20 höher als die Influenza, also die Grippe, sagte Wendtner. Bei der Behandlung habe man viel gelernt, wenn sich auch Remdesivir und Dexamethason laut aktuellen Studien nicht als so wirksam wie erhofft erwiesen haben. Dennoch sei Remdesivir bei ihnen in der Klinik oft eingesetzt worden, erklärte Wendtner.

Mit Sorge blicken die Ärzte auf Langzeitschäden bei geheilten Covid-19-Patienten. Rund 30 Prozent aller Betroffenen leiden monatelang unter Erschöpfung oder Atemwegsproblemen. Bei denjenigen, die auf einer Intensivstation behandelt wurden, liegt die Quote bei 80 Prozent. Zudem sei die Rate an Depressionen bei genesenen Covid-19-Kranken um den Faktor drei höher. Janssens: „Viele Patienten müssen daher lange betreut werden.“ Auch deshalb gelte es frühzeitig, steigenden Infektionszahlen vorzubeugen.

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