Im Missbrauchsfall Münster kommen erste Verdächtige vor Gericht
Tatort Gartenlaube: vier Männer und eine Frau angeklagt

Münster (WB/dpa). Im Missbrauchsfall Münster hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen fünf Beschuldigte erhoben – vier Männer und eine Frau.

Samstag, 05.09.2020, 02:00 Uhr
Der mutmaßliche Tatort: Mitte Juni wird die Gartenlaube des Verdächtigen im Missbrauchsfall von Münster abgerissen. In der Laube des Kleingartenvereins sollen mehrere Männer zwei Jungen schwer missbraucht haben. Foto: dpa

Im Mittelpunkt steht Adrian V., ein 27-jähriger Mann aus Münster. Er soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft über Jahre den Sohn seiner Lebensgefährtin vergewaltigt haben. Tatort war die Gartenlaube auf Parzelle 30 im Kleingartenverein „Im Bergbusch“ in Münster, die inzwischen abgerissen wurde. In einer Zwischendecke hatten Polizisten Videotechnik entdeckt. Der Kleingartenverein möchte hier eine Streuobstwiese anlegen.

In dem Kleingarten sollen sich vier der Angeschuldigten vom 24. bis 26. April getroffen haben. Zwei von ihnen hatten in dieser Zeit Geburtstag. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft war Ziel des Treffens, zwei Kinder über mehrere Tage schwer sexuell zu missbrauchen. Ein weiterer bekannter Ort ist ein Wald bei Köln. Hier soll bei einem Treffen ein Kind in einem Auto vergewaltigt worden sein. Die Opfer sollen nach bisherigen Erkenntnissen zum Teil betäubt worden sein.

Die Opfer waren fünf und zehn Jahre alt

Angeklagt sind neben dem 27-Jährigen seine 45 Jahre alte Mutter, ein 30 Jahre alter Mann aus Staufenberg in Hessen, ein 42-Jähriger aus Schorfheide in Brandenburg und ein 35-Jähriger aus Hannover.

Laut Anklage sollen die Männer zu unterschiedlichen Zeitpunkten mehrere Kinder zum Teil gemeinsam vergewaltigt haben. Opfer sollen laut Anklage der fünfjährige Sohn des Mannes aus Staufenberg und der zehn Jahre alte Sohn der Lebensgefährtin des Münsteraners gewesen sein. Der 27-Jährige soll den Zehnjährigen über das Internet über spezielle Plattformen angeboten haben.

Die Anklageschrift umfasst Tatvorwürfe aus den Jahren 2018 bis 2020. Die in U-Haft sitzenden Männer und die Frau schweigen bislang.

Adrian V. ist IT-Fachmann. Seine Computer und Datenspeicher waren hochgradig verschlüsselt. Bislang ist es den Experten nur zu einem Teil gelungen, das Material zu entschlüsseln. Auf das dabei entdeckte Foto- und Videomaterial stützt sich jetzt die Anklage. Allein zum Tatort Gartenlaube liegen den Ermittlern 30 Stunden Videomaterial vor.

Der Mutter des Hauptangeschuldigten gehörte die Gartenlaube im Norden von Münster. Sie soll sie ihrem Sohn in dem Wissen überlassen haben, dass dort Kinder missbraucht werden.

Bei dem Angeschuldigten aus Staufenberg besteht der Verdacht, dass er neben seinem Sohn auch die zwei Jahre jüngere Tochter missbraucht hat. Hier liegen entsprechende Fotos mit einem jungen Mädchen vor. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die damals Fünfjährige auf dem Bild zu sehen ist.

Haben sich auch die Mütter strafbar gemacht?

Die künftigen Ermittlungen der Polizei gelten der Auswertung weiterer Speichermedien. Auch ist noch die Frage offen, ob die Mütter der zwei betroffenen Kinder sich strafbar gemacht haben. Über die Zulassung der Anklage muss jetzt das Landgericht Münster entscheiden.

Nach Lügde und Bergisch Gladbach ist Münster der dritte große Missbrauchsfall in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren.

Durch die Ermittlungen im Missbrauchsfall Münster gab es Festnahmen in weiteren Bundesländern, zuletzt in Dresden und Pirna . Anfang August war ein Franzose (62) in Saarbrücken festgenommen worden. Er soll einen Jungen in Pulheim bei Köln missbraucht haben. Der 27-Jährige aus Münster soll ihm das Kind im Dezember 2018 zugeführt haben.

Verdacht - was tun?

Wer den Verdacht hat, ein Kind in der Nachbarschaft werde missbraucht, wer beruflich Kinder kennt, bei denen er Missbrauch befürchtet, aber auch Missbrauchsopfer selbst können sich anonym an die kostenlose Nummer 0800 3050750 wenden. Es melden sich psychologisch und pädagogisch geschulte Berater

 

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