Vier Behörden in NRW statten ihre Streifenbeamte mit Tasern aus
Polizei testet Strom-Pistole

Düsseldorf (WB). Die Polizei testet ab Januar in NRW ein Jahr lang sogenannte Taser. Die pistolenähnlichen „Distanz-Elektroimpuls-Geräte“ verschießen zwei Drähte mit Haken am Ende, die sich in Menschen festsetzen und durch die bis zu 50.000 Volt fließen. So sollen Personen handlungsunfähig gemacht werden.

Donnerstag, 09.07.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 05:02 Uhr
Soldaten der US Air Force trainieren in Colorado das Schießen mit Tasern. Foto: USAF/Darren Scott

„Wir müssen Taser in einem Langzeittest prüfen. Erst danach können wir entscheiden, ob wir die Geräte flächendeckend für die Polizei einführen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch. Die Gewerkschaft der Polizei begrüßt den Versuch.

Die FDP hatten bereits 2016 - damals noch unter einer anderen Landesregierung - einen Test der Geräte gefordert. Marc Lürbke aus Paderborn, stellvertretender Vorsitzender der FDP Landtagstagfraktion NRW und innenpolitischer Sprecher: „Durch die Einführung des Tasers könnte der Schutz unserer Einsatzkräfte vermutlich deutlich erhöht werden. Das zeigen Erfahrungen anderer Bundesländer wie Rheinland-Pfalz, wo Angriffe auf Polizeibeamte alleine durch die präventive Wirkung des Tasers um 70 Prozent reduziert werden konnten.”

Der Test soll bei den Polizeibehörden in Dortmund, Düsseldorf, Gelsenkirchen und im Rhein-Erft-Kreis laufen. Reul: „Diese Pilotbehörden decken die ganze Bandbreite der Polizei im Land ab: Von großen Behörden mit großen Einsätzen über eine mittlere Behörde, die mit Fußball- und Claneinsätzen stark belastet ist, bis hin zum personalstärksten Landkreis ist alles dabei.“ Im September startet die Ausbildung der Beamten, die einen Test-Taser bekommen.

Aktuell in NRW nur von Spezialeinheiten verwendet

Aktuell werden Taser in NRW nur bei den Spezialeinheiten verwendet. Deren Erfahrungen und ein Test des Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei (LAFP) zeigen laut einem Bericht des NRW-Innenministeriums vom Mai dieses Jahres: Ein Taser eignet sich nur, wenn sich das Gegenüber nicht bewegt „und keine erkennbaren Angriffstendenzen” zeigt. „Wenn sich ein Angreifer bewegt, ist das Gerät ungeeignet, weil die Schüsse leicht danebengehen können.”

Taser sind umstritten. Amnesty International weist darauf hin, dass die Verwendung gegen Menschen mit Herzerkrankungen oder gegen Menschen, die Alkohol oder Drogen genommen haben, Folgen bis hin zum Tod haben kann. Verlässliche Todeszahlen gibt es aber nicht.

„Taser” ist ein Markenname

„Taser” ist ein Markenname des US-Herstellers Axon Enterprise. Die Bezeichnung ist ein Akronym aus den ersten Buchstaben der Wörter „Thomas A. Swift’s Electric Rifle” aus dem Jugendbuch Tom Swift and His Electric Rifle von 1911. Dort wird die Idee beschrieben, Menschen mit Kugeln aus Elektrizität zu betäuben. Jack Cover, ein NASA-Wissenschaftler, hatte das Buch gelesen und begann in den 60er Jahren mit der Entwicklung des Tasers - damals zur Abwehr von Flugzeugentführern.

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