Waldbauern in Nordrhein-Westfalen sind beunruhigt: 15,6 Millionen Festmeter Fichte gingen im Jahr 2019 ein
Borkenkäfer greifen auch Kiefern an

Münster (WB). „In der Not frisst der Teufel Fliegen“, sagt Dr. Mathias Niesar, und „der Teufel“ ist für den Experten des Landesbetriebs Wald und Holz der Borkenkäfer. Oder besser: alle Borkenkäfer. Die Schädlinge geraten langsam in Not, weil sie weite Teile der Fichten­bestände bereits vernichtet haben und ihnen der Brutraum ausgeht.

Montag, 06.07.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 05:00 Uhr
Nebelschwaden ziehen im Königsforst von Overath an einem abgeholzten Waldstück vorbei, an dem vom Borkenkäfer befallene Fichten gefällt wurden. Inzwischen sind auch Fichten- und Douglasienbestände betroffen. Foto: dpa

Nun bemerken die Forst-Profis eine neue Entwicklung: Die gefräßigen Käfer greifen auch andere Baumarten an. Dabei ist die Plage schon so verheerend genug. Es sind Billiarden Borkenkäfer , meist die Art „Buchdrucker“, die alleine in Nordrhein-Westfalen wüten. „Und 200 Käfer können eine Fichte töten“, verdeutlichte Wald-und-Holz-Sprecher Michael Blaschke. Die heißen und trockenen Sommer haben dafür gesorgt, dass sich mitunter vier Generationen in einem Jahr bildeten.

Gefräßiger Geselle: der Borkenkäfer.

Gefräßiger Geselle: der Borkenkäfer. Foto: dpa

„Wir haben Ende 2018 eine Hochrechnung gemacht“, erklärte Niesar: „Aus einer einzelnen Fichte kann in 2019 eine Nachkommenschaft von 1,5 Milliarden Käfern erwachsen.“ Den milden Winter überlebten nach Untersuchungen des Landesbetriebs zwischen 78 und 93 Prozent der Tiere. Die Fichten wiederum überleben das nicht: 15,6 Millionen Festmeter gingen 2019 ein – fast nur durch den Borkenkäfer. Der Regen, der in den vergangenen Tagen gefallen ist, schaffe kaum Abhilfe. Es sind einfach zu viele Käfer.

Bislang haben die Borkenkäfer fast ausschließlich Fichten angegriffen. Doch jetzt kommt eine „Entwicklung, die so ungewöhnlich ist, dass selbst altgediente Forstleute so etwas noch nie erlebt haben“, wie Pressesprecher Blaschke es formulierte. Mathias Niesar: „Wir haben in diesem Jahr am Möhnesee einen toten Kiefernbestand untersucht. Dort fanden wir jede Menge Buchdrucker, die dort ihre Nachkommenschaft angelegt haben, und auch die Nachkommenschaft hat sich komplett entwickeln können. Das ist eine Situation, die in Nordrhein-Westfalen neu ist.“

Selbst Douglasien, bislang als Lösung vieler Probleme propagiert, wurden attackiert, doch hier setzten sich die Käfer nicht durch. Nun fürchten die Wald-Experten, dass sich gar Mutationen entwickeln könnten, die immer besser mit anderen Baumarten klarkommen. Wie groß das neuerliche Problem ist oder wird, ist noch nicht klar. „Wir stehen ganz am Anfang eines Phänomens.“

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