Münster: Jugendamt wusste von Vorstrafen des mutmaßlichen Täters
Mutter eines Opfers soll Missbrauch gedeckt haben

Münster (WB). Im Missbrauchsfall von Münster wusste die Mutter eines heute zehnjährigen Jungen offenbar schon seit zwei Jahren, dass ihr Freund das Kind regelmäßig missbraucht. Das haben Recherchen unserer Zeitung ergeben.

Dienstag, 09.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 05:02 Uhr
Ein Polizeibeamter der Spurensicherung steht in Münster vor der Laube des vermutlichen Haupttäters. Foto: dpa

Der mutmaßliche Haupttäter soll seiner Freundin bereits 2018 während eines Belgien-Urlaubs gestanden haben, dass er sich an ihrem Kind vergreift. Trotzdem hat die Mutter daraufhin nicht versucht, ihr Kind vor den Übergriffen des Mannes zu schützen. „Sie macht null. Sie macht null“, heißt es aus Kreisen der Polizei.

Sieben Verdächtige aus drei Bundesländern in U-Haft

In dem Fall sitzen sieben Verdächtige aus drei Bundesländern in U-Haft. Drei Opfer - Jungen im Alter von fünf, sieben und zwölf Jahren - hat die Polizei bisher identifiziert. Das Kind aus Münster ist nach Erkenntnissen der Ermittler das Opfer, das am häufigsten von dem Hauptverdächtigen Adrian V. (27) sowie vier anderen Beschuldigten missbraucht worden sein soll. Die Polizei vermutet, dass V. den zehnjährigen Jungen anderen Männern für schwere Missbrauchshandlungen überlassen hat.

Dass der 27-Jährige vor wenigen Jahren zu zwei Bewährungsstrafen wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischen Materials verurteilt worden war, war auch dem Jugendamt der Stadt Münster bekannt. Das Familiengericht habe damals erklärt, dass momentan keine familiengerichtlichen Maßnahmen notwendig seien, teilt die Stadt in einer Stellungnahme mit. Im Rahmen der damaligen Bewertung durch die beteiligten – auch externen – Experten und Fachkräfte seien keine ausreichenden Fakten auf mögliche Gefährdungsmomente beschrieben worden, die einen Eingriff in das elterliche Sorgerecht oder eine Herausnahme des Kindes aus der Familie gerechtfertigt hätten. Die Kindsmutter habe damals weitere Hilfen durch das Jugendamt abgelehnt, teilt die Stadt mit.

Der in Münster aufgedeckte Missbrauchsfall mache fassungslos, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Dass die Ermittler erneut einen umfassenden Tatkomplex aufgedeckt hätten, überrasche aber nicht: „Wir machen das zu einem Schwerpunkt und werden immer mehr und immer neue Fälle ans Tageslicht fördern“, sagte Reul. Als Minister begrüße er diese Erfolge: „Jeder Fall, den wir neu aufdecken, heißt: Wir erwischen einen von denen, die Kindern Übles antun. Und gleichzeitig können wir wieder ein Kind aus diesem Missbrauch befreien.“ Das bedeute aber auch, dass der aufgedeckte Komplex „nicht das Ende“ sei. „Wir erhellen damit das Dunkelfeld.“ Als Konsequenz aus dem Fall des massenhaften Missbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde habe die NRW-Polizei die Zahl der mit diesen Delikten befassten Mitarbeiter von 100 auf 400 erhöht. Alle 47 Kreispolizeibehörden seien mit dem Landeskriminalamt vernetzt.

CDU-Chefin: Kindesmissbrauch muss als Verbrechen geahndet werden

Derweil fordert die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer eine Verschärfung der Strafen. Kindesmissbrauch müsse als Verbrechen und nicht mehr nur als Vergehen geahndet werden, damit in jeden Fall eine Mindeststrafe von einem Jahr drohe. Zudem müsse der Strafrahmen für Besitz oder Beschaffung von Kinderpornografie erhöht werde.

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