Bayer soll sich mit 85.000 Klägern mündlich verständigt haben
Glyphosat: Einigung rückt näher

Leverkusen/New York (dpa/WB). Bayer ist bei den Vergleichsverhandlungen im US-Schadenersatzstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat vorangekommen. „Wir haben in den Mediationsgesprächen zu Roundup unter der Aufsicht von Ken Feinberg Fortschritte erzielt“, teilte ein Sprecher des Pharma- und Agrarchemiekonzerns am Montag in Leverkusen mit.

Dienstag, 26.05.2020, 03:31 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 05:02 Uhr
Behälter mit Roundup, einem Unkrautvernichter von Monsanto, stehen in einem Regal in einem Baumarkt. Seit 2018 gehört Monsanto zum Leverkusener Bayer-Konzern. Foto: dpa

Der Prozess bleibe aber weiter vertraulich. Daher werde Bayer „nicht über Ergebnisse oder den Zeitpunkt eines Vergleichs spekulieren“. An der Börse stieg der Kurs der Bayer-Aktie dennoch am Vormittag um fast fünf Prozent.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, Bayer habe in bis zu 85.000 von geschätzt 125.000 Klagen zumindest eine mündliche Einigung erzielt. Die Corona-Krise hatte die Suche nach einer Einigung verzögert. Die Leverkusener hatten zuletzt mitgeteilt, dass im US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken von Glyphosat bis zum 14. April etwa 52.500 Klagen zugestellt worden seien. Hinter den Kulissen laufen seit Monaten Vergleichsgespräche unter der Aufsicht des Staranwalts Ken Feinberg, der als Vermittler zwischen Bayer und Klägern verpflichtet wurde. Angesichts intensiver Werbung von Anwälten und den Spekulationen über einen Vergleich „gehen wir davon aus, dass die Anzahl der Klagen weiter steigen wird“, sagte der Bayer-Sprecher. Die von Bloomberg genannte Klagezahl umfasse eine beträchtliche Anzahl potenzieller Kläger, deren Klagen noch nicht eingereicht oder zugestellt worden seien.

Zahlreiche von Anwälten geltend gemachte Ansprüche „werden im Rahmen eines Vergleichsprogramms aus verschiedenen Gründen nicht für Vergleichszahlungen zu berücksichtigen sein“, teilte der Sprecher weiter mit. Bayer werde eine Lösung nur dann in Betracht ziehen, „wenn diese wirtschaftlich sinnvoll und so strukturiert ist, dass zukünftige Rechtsstreitigkeiten zu einem Abschluss gebracht werden“.

Investoren setzen darauf, dass Bayer den Rechtsstreit um die Produkte des 2018 übernommenen US-Saatgutherstellers Monsanto zeitnah mit einem groß angelegten Vergleich beilegt. Schätzungen zufolge könnte Bayer das um die 10 Milliarden US-Dollar (9,22 Milliarden Euro) kosten. Entscheidend sei, dass ein nicht zu schmerzhafter Vergleich kommt, nicht wann er kommt, erklärte kürzlich Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Seit Bayer am 7. Juni 2018 Monsanto für 63 Milliarden US-Dollar übernahm, brach der Aktienkurs trotz der jüngsten Erholung um 40 Prozent ein. Aktuell kommt Bayer wieder auf einen Börsenwert von gut 60 Milliarden Euro. Zuvor war er zeitweise bis auf 44 Milliarden Euro abgesackt.

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Eine Unterbehörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte es als „wahrscheinlich krebserregend“ ein, andere Behörden und Studien betrachten es bei sachgemäßer Handhabung als sicher. Naturschützer beklagen vor allem die negativen Folgen des Herbizids für die Artenvielfalt.

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