Wegen fehlender Masken lehnen viele Praxen Blutentnahmen ab
Hausärzte für Antikörpertest nicht ausgestattet

Vlotho (WB). Fehlende Schutzausrüstung macht es vielen Hausärzten im Moment unmöglich, Patienten Blut für einen Corona-Antikörpertest abzunehmen.

Freitag, 03.04.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 05:01 Uhr
Für Antikörpertests wird Blut benötigt, aber vielen Ärzten fehlt die Schutzausrüstung, um Proben zu nehmen.

Der bisherige Corona-Abstrichtest kann nur eine aktuelle Infektion erkennen. Seit Montag bieten die ersten Labore nun auch einen Antikörpertest an. Er zeigt an, ob jemand (möglicherweise sogar ohne Symptome) die Corona-Infektion durchgemacht hat und damit immun gegen den Erreger ist – zumindest für einen gewissen Zeitraum, den Experten im Moment wegen fehlender Daten auf drei bis sechs Monate schätzen.

Der Test ist keine Kassenleistung, Patienten müssen die Laborkosten (etwa 15 Euro) und das Arzthonorar selber tragen. Doch der Versuch mancher Menschen, sich für den Test zwei Milliliter Blut abnehmen zu lassen, scheiterte in den vergangenen Tagen. Eine Frau aus Stemwede: „Ich hatte vor ein paar Wochen trockenen Husten und wollte den Test machen lassen. Wenn ich immun wäre, könnte ich mich in den Osterferien um mein Enkelkind kümmern und meine Tochter wäre entlastet. Aber meine Hausärztin wollte mir kein Blut abnehmen.”

„Publikumsverkehr möglicht gering halten“

„15 Euro für den Test – das ist ein Preis, der sicher für reichlich Nachfrage bei uns Hausärzten führen wird”, sagt Dr. Wolfgang Windhorst aus Vlotho. Es sei aber im Moment unverantwortlich, medizinische Fachangestellte und Ärzte einem erhöhten Infektionsrisiko auszusetzen, das zwangsläufig durch solche zusätzlichen Patientenkontakte entstehe. „Wir versuchen gerade, den Publikumsverkehr möglichst gering zu halten, um uns das Virus nicht in die Praxis zu holen und für unsere Patienten dazusein.” Solange es keine Schutzausrüstung gebe, könne er aber nur dringende Fälle versorgen, sagt der Arzt. „Die Lieferung von Atemschutzmasken und Kitteln wurde uns von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe schon vor zwei Wochen angekündigt, aber bisher ist bei uns nichts angekommen. Auch der Kreis und die Stadt haben uns nicht geholfen.”

Das treibt auch Windhorsts Kollege Dr. Ulli Polenz aus Paderborn um: „Wir sind inzwischen soweit, dass uns Patienten Atemschutzmasken nähen, die wir bei 60 Grad waschen und wiederverwenden. Die sind natürlich nicht so zuverlässig wie professionelle Masken.” Der Antikörpertest sei zwar wichtig, um zum Beispiel Klarheit zu haben, welches Pflegepersonal man unbesorgt in einem Altenheim einsetzen könne, sagt Dr. Polenz. „Aber eine Blutentnahme für den Test durch den Hausarzt ist wegen des engen Kontakts im Moment einfach nicht möglich.”

Noch keine Empfehlung vom RKI

Heike Achtermann, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe mit Sitz in Dortmund, sagt, man habe sich mit dem Antikörpertest noch nicht näher befasst, weil das Robert-Koch-Institut noch keine Empfehlung für den Test gegeben habe. „Sollte eine Empfehlung kommen, könnten die Blutentnahmen an den 35 Abstrichzentren in Westfalen-Lippe vorgenommen werden, wo die Mitarbeiter ja ohnehin in Schutzkleidung arbeiten.”

Unterdessen nutzen Einrichtungen, die ihren Mitarbeitern das Blut selbst abnehmen können (Krankenhäuser, Arztpraxen, zum Teil auch Pflegeeinrichtungen) den Antikörpertest nach Angaben des Labors Krone in Bad Salzuflen seit Wochenanfang intensiv. Prof. Carsten Tiemann: „Wir bekommen jeden Tag mehrere hundert Blutproben.” Der Antikörpertest sei geeignet, sobald eine Infektion oder Erkrankung mehrere Wochen zurückliege. Tiemann: „Wir empfehlen eine Blutanalyse auf Antikörper frühestens vier bis sechs Wochen nach einer möglichen Infektion bzw. frühestens zwei Wochen nach Ende der Krankheitssymptome.” Nur dann sei das Testergebnis ausreichend aussagekräftig.

Experten halten großflächige Antikörpertests für wichtig, um zu erkennen, welcher Bevölkerungsanteil bereits das Coronavirus hatte. Damit ließe sich nicht nur die Sterblichkeitsrate seriöser berechnen. Es würde auch die Entscheidung vereinfachen, wann Deutschland die Einschränkungen des Alltagslebens zurückfährt.

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