Vorfall bei Pokalspiel Hertha: Torunarigha auf Schalke rassistisch beleidigt

Gelsenkirchen -

Beim DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen dem Berliner Haupstadtclub und Schalke 04 kommt es zum Eklat. Hertha-Profi Jordan Torunarigha soll von Zuschauern rassistisch beleidigt worden sein. Schalke reagierte mit deutlichen Worten.

Von Jürgen Beckgerd
Herthas Jordan Torunarigha (r.) soll beim Pokalspiel in Gelsenkirchen mit Affenlauten und rassistischen Beleidigungen bedacht worden sein. Bei dem jungen Spieler flossen auf dem Platz Tränen.
Herthas Jordan Torunarigha (r.) soll beim Pokalspiel in Gelsenkirchen mit Affenlauten und rassistischen Beleidigungen bedacht worden sein. Bei dem jungen Spieler flossen auf dem Platz Tränen. Foto: Bernd Thissen/dpa

Klar überwog die Freude im Schalker Lager über den Einzug ins Pokal-Viertelfinale, natürlich schwappte die Endorphin-Welle über den Siegtorschützen Benito Raman, der in der 115. Spielminute, also in der Verlängerung, das 3:2 erzielte und den Schalker Sieg nach 0:2-Rückstand gegen Hertha BSC perfekt gemacht hatte. Aber schon Minuten, nachdem der Kraftakt gebührend gefeiert worden war, senkte sich in den Katakomben der Arena das bleischwere Stigma eines unerhörten Vorgangs: Hertha-Abwehrspieler Jordan Torunarigha soll rassistisch beleidigt worden sein, Hertha-Kapitän Niklas Stark sprach von „Affenlauten“ von der Tribüne gegen den Deutsch-Nigerianer. Später bestätigte auch Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann diese Ungeheuerlichkeit.

„Unmenschlich und in jeglicher Form abstoßend”

Ausgerechnet auf Schalke: Hier, wo die Fans in bemerkenswerter Einigkeit für eine pluralistische, antirassistische Weltanschauung einstehen, ihrem eigenen Aufsichtsratsvorsitzenden wegen dessen berüchtigter Afrika-Rede die Rote Karte zeigten, war eine Grenze zum Unanständigen überschritten worden – mehr als ein Tabubruch. Aktuell läuft die Schalker „#stehtauf-Aktionswoche“ gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.

Die Reaktionen waren deutlich. Jochen Schneider redete Klartext: „Da gibt es null Toleranz“, sagte der Schalker Sportvorstand und nannte die derart auftretenden Rassisten im Publikum „Vollidioten“. Wie die von ihm angedrohten Maßnahme aussehen werden?

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Von Seiten des Vereins gibt es null Toleranz für ein solches Verhalten. Wir werden alles dafür tun, dass wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig machen und mit Konsequenzen belegen. Ein solches Verhalten verstößt nicht nur gegen Stadionordnung, Leitbild und Satzung des FC Schalke 04, sondern widerspricht auch all unseren Werten. Wir werden mit Sanktionen reagieren und die Vorfälle auch entsprechend zur Anzeige bringen.

Statement des Schalke-Vorstands

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Schalkes ehemaliger Spieler Hans Sarpei meldete sich bei Facebook zu Wort: „Schalke hat kein Rassismus-Problem. Schalke hat unter unzähligen herausragenden Fans ein Problem mit einzelnen Idioten, die die Menschenrechte mit solchen Äußerungen mit den Füßen treten.“ 

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Tränen und Platzverweis

Vielleicht schrammte Schalke, vielleicht sogar der deutsche Profifußball, an einer höchst gravierenden Konsequenz vorbei. Nationalspieler Stark, den auf dem Platz weinenden Torunarigha im Sinn, ließ an seiner Entschlossenheit jedenfalls nicht zweifeln. „Wenn er gegangen wäre, wäre ich mitgegangen. Sicher“, sagte Herthas Abwehrmann. „Sicher ist es sehr gewagt, geschlossen vom Platz zu gehen, wenn so etwas vorfällt. Aber es ist menschlich zutiefst abstoßend. Der erste Schritt nun ist, dass wir als Mannschaft hinter ihm stehen.“

Torunarigha war anscheinend fest entschlossen, das Feld noch während des Spiels zu räumen. Dass ausgerechnet Schiedsrichter Harm Osmers das mit dem Zeigen der Gelb-Roten Karte (100.) nach einem höchst emotionalen Ausraster des Spielers nach einer Grätsche von Omar Mascarell besorgte, stieß bei Klinsmann auf völliges Unverständnis: „Wir haben die Schiedsrichter darauf (auf die Beleidigungen) hingewiesen. Da muss ich den Jungen doch auch schützen und als Schiedsrichter Fingerspitzengefühl beweisen.“

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Und wenn wir dann sagen, wir kicken nicht weiter, dann kicken wir nicht weiter. Da hätte ich überhaupt kein Problem damit.

Schalke-Trainer David Wagner

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Schalke-Trainer David Wagner, der Torunarigha nach eigener Aussage in der Szene aufhelfen wollte, sah von Osmers ebenfalls Rot. „Wenn der Beleidigungsvorwurf im Raum steht, ist da meistens was dran. Wir müssen uns bei dem Jungen und bei Hertha BSC entschuldigen“, sagte Wagner. „Am Ende müssten beide Mannschaften, beide Offizielle und der Schiedsrichter das mitbekommen. Und wenn wir dann sagen, wir kicken nicht weiter, dann kicken wir nicht weiter. Da hätte ich überhaupt kein Problem damit,“ betonte der Coach.

Schalkes Amine Harit nahm Torunarigha noch auf dem Platz in den Arm, streichelte ihm über den Kopf, spendete Trost. Benito Raman schilderte, der Herthaner habe „auf dem Platz geweint und wollte aufhören. Ich habe ihm Mut zugesprochen und gesagt, dass er weitermachen soll.“ 

Tore fielen übrigens auch .

Kommentare

Hertha: Torunarigha auf Schalke rassistisch beleidigt

Erst einen rassistischen Aufsichtsrat dann ein vom Schiedsrichter gestütztes rassistisches Publikum, wann zieht auf Schalke endlich wieder ein toleranter evtl. multikultureller Geist in ddie Arena ein?

1 Kommentare

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