Land veröffentlicht Zehn-Jahres-Zahlen zu Fällen von Animal Hoarding
Veterinäre befreiten in NRW fast 10.000 Tiere

Düsseldorf (WB). Es geht um das unkontrollierte Sammeln von Tieren: In Nordrhein-Westfalen sind den Behörden in den vergangenen zehn Jahren 354 Fälle des sogenannten Animal Hoardings gemeldet worden. Wie das Umweltministerium mitteilt, hätten die Veterinärämter in diesen Fällen mit einem Millionenaufwand 9776 Tiere in Sicherheit gebracht – vom Hamster bis zum Pferd.

Dienstag, 04.02.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 06:36 Uhr
Veterinäre stellen auf einem Hof in Lippe ein dort untergestelltes Pferd sicher: Insgesamt fielen den Veterinärämtern in NRW in den letzten zehn Jahren 354 Fälle des sogenannten Animal Hoardings auf, fast 10.000 Tiere wurde sichergestellt. Foto: Christian Althoff

Oft ist es nicht die bloße Zahl der Tiere, die die Behörden eingreifen lässt, sondern deren Haltung. Denn als Tierhorter oder Animal Hoarder werden Menschen bezeichnet, die viele Tieren auf engem Raum unterbringen, ohne auf Dauer die Mindestanforderungen an Futter, Hygiene oder tierärztlicher Versorgung gewährleisten zu können. Eine Dissertation an der Tierärztlichen Hochschule Hannover kam 2012 nach einer Umfrage bei allen deutschen Veterinärämtern zu dem Ergebnis, dass der Altersdurchschnitt der Halter 50 Jahre betrug, und es zu zwei Dritteln Frauen waren.

Gudrun Lumpp, die in Bad Lippspringe den „Tierhort Albert Schweitzer“ betreibt: „Animal Hoarder sind oft Menschen mit wenigen sozialen Kontakten. Sie sehen sich als Tierretter und nehmen immer mehr Tiere auf. Irgendwann verlieren sie den Überblick, aber sie sind weiter der festen Überzeugung, das Richtige zu tun.“ Erschwerend komme hinzu, dass diese Menschen ihre Tiere oft nicht kastrieren ließen. „Auch deshalb werden es immer mehr.“

Hohe Unterbringungskosten

Dr. Ivo Lücke, Vize-Leiter des Veterinäramts in Bielefeld: „Die große Herausforderung in diesen Fällen ist es, für die sichergestellten Tiere eine geeignete Unterbringung zu finden.“ Ein Tierheim allein könne meistens nicht so viele Tiere aufnehmen.

2017 nahm das Veterinäramt Bielefeld einer Frau 63 zum Teil kranke und von Parasiten befallene Katzen ab. Die Behörde verhängte ein Tierhaltungsverbot gegen die Frau und verteilte die Katzen auf mehrere Tierheime. Weil die Frau sich wehrte, konnten die Tiere lange nicht an neue Besitzer abgegeben werden, wodurch hohe Unterbringungskosten aufliefen: Für 2017 stellte das Tierheim Bielefeld 35.439 Euro in Rechnung. Das Tierheim Paderborn fordert 8853 Euro, der Tierschutzverein Bad Salzuflen 5125 Euro, das Tierheim Melle 1000 Euro und der Tierschutzverein Detmold 150 Euro – insgesamt fast 50.600 Euro.

Die frühere Katzenbesitzerin reichte gegen den entsprechenden Gebührenbescheid der Stadt Bielefeld vor dem Verwaltungsgericht Minden Klage ein. „Der Fall ist bis heute nicht entschieden“, sagt Amtstierarzt Dr. Lücke. „Es ist erfahrungsgemäß eher schwierig, das Geld zurückzubekommen – auch wenn wir vor Gericht Recht bekommen.“

Keine ärztliche Hilfe für Betroffene

Dem Deutschen Tierschutzbunds zufolge waren seit 2012 bundesweit mehr als 18.700 Tiere von Animal Hoarding betroffen – vor allem Katzen (50,8 Prozent) und Hunde (45,2 Prozent). 2018 sollen es deutschlandweit im Durchschnitt 67 Tiere pro Fall gewesen sein. Laut Deutschem Tierschutzbund mussten in 40 Prozent der Fälle einige Tiere eingeschläfert werden, in 30 Prozent wurden auch tote Tiere entdeckt.

Das Umweltministerium NRW hat versucht, die Kosten zu ermitteln, die den Veterinärämtern in den vergangenen zehn Jahren durch solche Fälle entstanden sind. Weil jedoch nicht alle Kreise darüber Buch führen, kann die gemeldete Summe von insgesamt 1,7 Millionen Euro nur ein grober Anhaltspunkt sein.

Weil Animal Hoarding nicht als psychische Störung gilt, gibt es für Betroffene keine ärztliche Hilfe.

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