Neue Lungenkrankheit
Mehr als 300 Virus-Tote in China - Deutsche unter Quarantäne

Das Coronavirus greift weiter um sich. Aus China werden täglich immer höhere Patientenzahlen und Todesfälle gemeldet. Die Deutschen, die von dort ausgeflogen wurden, müssen nun in Rheinland-Pfalz in einer Kaserne ausharren - und das wohl mindestens zwei Wochen lang.

Sonntag, 02.02.2020, 08:15 Uhr aktualisiert: 02.02.2020, 08:20 Uhr
Medizinisches Personal in Schutzanzügen verlegt einen Coronavirus-Patienten in eine Isolierstation des Zweiten Volkskrankenhauses in der zentralchinesischen Provinz Anhui. Foto: Uncredited

Peking/Germersheim (dpa) - Während sich der neuartige Coronavirus in China weiter rasant verbreitet, haben über 100 von dort ausgeflogene Passagiere ihre Quarantänestation in Deutschland erreicht.

Die deutschen Staatsbürger und Familienangehörige wurden in der Nacht zum Sonntag mit Bussen in eine Kaserne in Rheinland-Pfalz gebracht. Sie waren am Samstag aus der Stadt Wuhan in der Provinz Hubei ausgeflogen worden, die besonders stark von der Lungenkrankheit betroffen ist und als Ursprungsort der Epidemie gilt. Allein von dort wurden nun binnen eines Tages 45 weitere Todesfälle gemeldet.

Die aus China ausgeflogenen Deutschen sollen mindestens 14 Tage in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim bleiben - so lange dauert die maximale Inkubationszeit, also die Frist von der befürchteten Ansteckung bis zum möglichen Krankheitsausbruch. An dem Standort eines Luftwaffenausbildungsbataillons stehen für sie 128 Zimmer in einem 2018 fertiggestellten Gebäude bereit.

Die Passagiere waren gegen 16.30 Uhr an Bord einer Bundeswehrmaschine in Frankfurt angekommen. Nach der Landung wurden sie untersucht. Elf von ihnen seien in die Frankfurter Uniklinik gebracht worden, sagte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne). Bei einem von ihnen müsse geklärt werden, ob er mit dem Coronavirus infiziert sei. Die übrigen zehn seien aus anderen medizinischen Gründe ins Krankenhaus gebracht worden, erläuterte Klose. Insgesamt seien 124 Passagiere in Frankfurt gelandet: 100 Deutsche, 22 Chinesen, ein US-Bürger und ein Rumäne.

Die chinesische Gesundheitskommission teilte am Sonntag in Peking mit, dass die Lungenkrankheit mit den neuen Todesfällen in Hubei nun insgesamt 304 Menschen in China das Leben gekostet habe. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen kletterte demnach so schnell wie noch nie innerhalb eines Tages - um 2580 auf 14 380 Fälle.

Etwa 150 Infektionen sind bislang außerhalb Chinas bekannt, davon acht in Deutschland. Am Sonntag meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den ersten bestätigten Todesfall außerhalb der Volksrepublik: Ein am 21. Januar auf die Philippinen gereister Chinese aus Wuhan sei am Samstag gestorben, seine Begleiterin erkrankt. Bei ihnen handelt es sich laut WHO um die einzigen nachgewiesenen Infektionsfälle auf den Philippinen. Mögliche Kontaktpersonen würden untersucht.

Alle in Deutschland bestätigten Fälle stehen im Zusammenhang mit der Firma Webasto in Bayern. Darunter sind sieben Angestellte des Autozulieferers, außerdem hat einer von ihnen sein Kind angesteckt. Am Samstag hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesagt, die zu dem Zeitpunkt sieben registrierten Infizierten seien alle «in sehr gutem gesundheitlichem Zustand.»

Mit Blick auf die Angehörigen der Infizierten in Bayern, die nun teilweise von ihrer Umgebung gemieden würden, betonte Spahn, die Bevölkerung solle «zwar mit Wachsamkeit, aber auch mit der nötigen Gelassenheit» mit dem Thema Coronavirus umgehen. «Was mir am meisten Sorgen macht, sind die Verschwörungstheorien aller Art, die zurzeit in sozialen Medien verbreitet werden und die nur ein Ziel haben: Unsicherheit zu verbreiten.»

Ein weiterer mit dem Virus infizierter Deutscher wurde auf der Kanareninsel La Gomera registriert. Es ist der erste bekannte Fall in Spanien. Der Mann sei mit einem der in Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen, teilte die spanische Regierung mit.

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