Hitzewelle hat Mitteleuropa im Griff Hoch "Ulla" lässt alle schwitzen

Offenbach -

40 Grad oder knapp darunter? Egal, es ist heiß. Die Extremtemperaturen machen Mensch und Natur zu schaffen.

Von dpa
Bei Temperaturen um 38 Grad ist am bislang heißesten Tag in diesem Jahr jede Abkühlung willkommen.
Bei Temperaturen um 38 Grad ist am bislang heißesten Tag in diesem Jahr jede Abkühlung willkommen. Foto: Hendrik Schmidt

Deutschland schwitzt - und zwar gewaltig. Nach dem heißesten Tag aller Zeiten sah es heute zunächst nicht aus, aber es fühlte sich an vielen Orten schon früh genau so an. Schon mittags um 12 Uhr wurden in Genthin in Sachsen-Anhalt 35,9 Grad gemessen.

Eine Stunde später fiel in Sachsen der Juni-Rekord für das Bundesland: 36,9 Grad. Die höchsten Temperaturen des Tages sollten da erst noch kommen: Der DWD erwartete an Rhein, Main, Saar und Nahe und Unterelbe knapp unter 40 Grad.

Die Hitzewelle aus der Sahara erreichte damit ihren vorläufigen Höhepunkt. An Rhein, Main, Saar und Nahe sowie an der Unterelbe erwartete der Deutsche Wetterdienst bis zu 39 Grad. Damit werde der Allzeit-Temperaturrekord in Deutschland voraussichtlich nicht gefährdet, sagt Meteorologe Sebastian Schappert. Der liegt bei 40,3 Grad, aufgestellt in Kitzingen im August 2015. Aber "Ulla" lässt Deutschland trotzdem mächtig schwitzen.

"Schlapp gemacht hat bisher keiner"

Auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens beispielsweise strahlt die Hitze brutal vom Betonboden. "Da kann man noch mal zehn Grad zu den Thermometerwerten hinzurechnen", sagt Udo Schuh, Stellenleiter des Abfertigungsbereichs. Schlapp gemacht hat bisher keiner der Kollegen, die unter Extrembedingungen Schwerstarbeit leisten. "Aber man merkt schon, dass die Leute einfach langsamer machen müssen."

In Bad Doberan an der Ostsee verbog die Sommerhitze die Gleise einer Schmalspurbahn, die "Molli" stand stundenlang still. In Brandenburg stoppte die Polizei einen Mann, der nackt bis auf Helm und Sandalen mit dem Motorroller unterwegs war. Seine Reaktion, als er am Montag aus dem Verkehr gezogen wurde: «Et is halt warm, wa?» Der Mann musste seine Hose wieder anziehen, dann durfte er - bekleidet - den Fahrwind genießen.

Der hessische Landtag wiederum hatte ein Einsehen mit den Politikern und lockerte die Kleidungsvorschriften. Bedienstete und Abgeordnete durften statt Sakko oder Kostüm kurze Hose oder Sommerhemd tragen.

Bäume stehen unter Stress

Die Hitze erhöhte auch die Waldbrandgefahr. In Sachsen etwa gilt laut Staatsbetrieb Sachsenforst teilweise die höchste Warnstufe 5. In der Lieberoser Heide in Brandenburg brennt es bereits auf 100 Hektar. Auch die Bäume leiden. Sie brauchen ihre Wasserreserven jetzt schneller auf, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Bunds deutscher Baumschulen. Gerade Stadtbäume stünden bei dieser Hitze unter Stress.

Die extreme Hitze macht Obst- und Gemüsebauern ebenfalls das Leben schwer. Frisch gesetzte Pflanzen wie Salat müssten mehr gegossen werden, hieß es bei der der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, das bedeute Zusatzkosten. Zudem bestehe das Risiko einer "Überernte". Die Bauern in Sachsen-Anhalt fahren sogar bereits die ersten Feldfrüchte ein. Früher als gewöhnlich habe auf den Äckern die Ernte von Gerste, Raps, Weizen und Roggen begonnen, teilte der Landesbauernverband mit.

Das europäische Ausland schwitzt 

In anderen Ländern ist es nicht besser: In Frankreich warnen die Behörden in dieser Woche vor Temperaturen um die 40 Grad. Wegen hoher Ozonbelastung wurde der Autoverkehr im Großraum Paris eingeschränkt rund 60 Prozent aller Fahrzeuge sind von den Fahrverboten betroffen. In Spanien werden in einigen Landesteilen am Wochenende bis zu 44 Grad erwartet. Auch die Urlauber den Balearen müssen bei Werten von rund 35 Grad schwitzen. Etwas angenehmer ist es auf den Kanaren und in Katalonien.

Abkühlung in der Nacht zu Donnerstag

Schon in der Nacht zu Donnerstag kühlt es im Münsterland ab. Tiefstwerte bis zu 14 Grad werden erreicht. (Quelle: www.wetter.com)

In Deutschland wird es am Donnerstag zumindest im Norden kühler, sagt der DWD. In Hamburg kühlt es auf knapp 30 Grad runter. Der Süden muss aber weiter schwitzen: Am Oberrhein bleibt es heiß bei 37 oder 38 Grad. Am Freitag geht's noch mal weiter runter. Aber am Samstag kommt schon die nächste Welle heißer Sahara-Luft zu uns.

 

Darum macht Senioren die Hitze besonders zu schaffen

Der Hochsommer ist da und bringt Deutschland ins Schwitzen. Vor allem Senioren macht das zu schaffen - aber wieso eigentlich? "Das hat zunächst einen physiologischen Grund: Ältere Menschen haben deutlich weniger Wasser im Organismus, dafür etwas mehr Fett", sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Hans Jürgen Heppner.

Außerdem hätten ältere Menschen von Haus aus ein geringeres Durstgefühl - warum das so ist, sei noch nicht abschließend erforscht, sagt Heppner. "Sie müssen im höheren Alter eher nach einem Stundenplan trinken als nach Durst." Erschwerend hinzu komme, dass viele Senioren Medikamente nehmen, die zu einer erhöhten Ausscheidung von Flüssigkeit führen.

Der Wassermangel kann den Blutkreislauf und die Versorgung, etwa des Gehirns, mit wichtigen Mineralien stören. So erklärt sich auch, dass viele dehydrierte Menschen verwirrt oder geistesabwesend wirken. Mindestens eineinhalb Liter empfiehlt Heppner daher an Hitzetagen zu trinken - zusätzlich zu dem was man zum Essen trinkt. "Am besten Mineralwasser, eine Brausetablette oder ein isotonisches Getränk."

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