DFB-Pokalfinale Hoeneß' Treueschwur für Kovac - Note «1 minus» für Double

Eine Premierensaison, die schon in Trümmern zu liegen schien, bringt Niko Kovac zum doppelten Happy End. Nach dem Pokalsieg gegen Leipzig bekennen sich auch die Bosse zum urlaubsreifen Meister-Trainer. Beim unterlegenen Finalisten gibt's den ersten Auftrag an Nagelsmann.

Von dpa
Bayern-Trainer Niko Kovac erhält von Präsident Hoeneß nach dem Double eine Jobgarantie.
Bayern-Trainer Niko Kovac erhält von Präsident Hoeneß nach dem Double eine Jobgarantie. Foto: Sina Schuldt

Berlin/München (dpa) - Nach einer langen, feuchtfröhlichen Partynacht gab es von Uli Hoeneß den Treueschwur für Double-Trainer Niko Kovac.

Der Präsident stimmte nach der Rückkehr aus Berlin in das Votum des Fanvolkes («Mia san Kovac») ein und beantwortete beim Empfang des deutschen Fußball-Meisters und DFB-Pokalsiegers auf dem Münchner Marienplatz die Frage, ob der 47 Jahre alte Kroate auch in der kommenden Saison Trainer bleibe, unmissverständlich: «Hundertprozentig ja!» Dazu gab es vom Vereinspatron als Saisonnote eine «1 minus».

Kovac verdiente sich die Jobgarantie mit einem starken Saisonfinish und den zwei nationalen Titeln. Der Pokal-Experte und erste Münchner Double-Gewinner als Spieler (2003) und Trainer hatte sich nach dem 3:0 (1:0) in einem rasanten Finale gegen den abgewehrten Herausforderer RB Leipzig im Olympiastadion ein Megafon gegriffen und nach einer tiefen Verbeugung vor der Fankurve eine spezielle Dankes-Botschaft an die Anhänger gerichtet, die ihn im Saisonendspurt massiv unterstützt hatten und lautstark feierten. «Ohne Euch wäre es nicht möglich gewesen. Ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich auf Euch bin», rief Kovac seinen größten Befürwortern zu.

Die Gefolgschaft nimmt er mit in einen Bayern-Sommer, der spannend bleibt. «Die Fans haben mir auch die Unterstützung in der doch nicht leichten Zeit gegeben», sagte Kovac, als er über seine Gefühle sprach. Von einer «Symbiose» zwischen Fans und Mannschaft sprach er. Sie habe zum «Happy End» einer Saison beigetragen, die im Herbst schon in Trümmern zu liegen schien. Die Symbiose zwischen Trainer und Spielern sowie Trainer und Bossen muss allerdings noch wachsen.

Hoeneß ist da optimistisch. Alle seien zusammengerückt, Verein, Mannschaft, Trainer, Vorstand. «Das hat produktiv funktioniert», sagte der Präsident im Bayerischen Fernsehen. «Die Mannschaft hat sich weiterentwickelt mit dem Trainer.» Auf Englisch sage man: «It's more to come!» In Kovacs zweitem Jahr wird auch international wieder mehr erwartet. «In der Champions League haben wir das Ziel nicht erreicht, dass wir richtig Widerstand gegen Liverpool gegeben haben im Heimspiel. Alles andere hat sich gut entwickelt», sagte Hoeneß.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte auf der Partybühne in der Hauptstadtrepräsentanz des Hauptsponsors in der Nacht zuvor keine Ruhmesrede auf den «lieben Niko» angestimmt. Aber eine Trennung von dem Trainer sei «nie ein Thema» gewesen, erklärte auch er. «Es ist alles in bester Ordnung.» Die Taktik war: Spannung und Druck immer hochhalten. «Das Selbstverständnis von Bayern München ist, solche Finalspiele zu gewinnen», sagte der Vorstandschef nach dem letzten Saisonspiel. Auf den 29. Liga-Titel folgte der 19. Pokalsieg und damit das 12. Double der Vereinsgeschichte.

Feiern, genießen «und dann mal zwei, drei Wochen runterkommen» - so lautet der nächste Plan von Kovac: «Ich freue mich jetzt auf den Urlaub. Es war eine anstrengende Saison. Ich denke jetzt nicht darüber nach, wann es wieder losgeht.» Eine Saisonanalyse wird es aber noch geben, weitere mögliche Transfers für den teuren Umbruch des Teams (Leroy Sané? Timo Werner?) müssen besprochen werden. Über die scheidenden Triple-Gewinner Franck Ribéry, Arjen Robben und Rafinha hinaus zeichnen sich weitere Abgänge ab. Hoeneß empfahl Jêrôme Boateng unmissverständlich einen Vereinswechsel: «Ich glaube, er braucht eine neue Herausforderung, im Moment wirkt er wie ein Fremdkörper.» Das Fußballgeschäft kann unerbittlich sein.

«Du stehst beim FC Bayern immer unter Druck und musst liefern. Wir haben geliefert», sagte Kapitän Manuel Neuer. Das galt im Endspiel gerade auch für ihn. Der Torwart hielt bei seinem Comeback nach sechs Wochen Verletzungspause wie ein «Gigant» (Rummenigge). Der andere Matchwinner war Doppel-Torschütze Robert Lewandowski. «Das war ein sehr geiler Abend, ein sehr geiles Spiel», sagte der Pole. Das 2:0 erzielte Kingsley Coman. «Ich habe drei Tore gesehen, denen ich das Prädikat Weltklasse erteilen darf», schwärmte der frühere Torjäger Rummenigge. «Unbedingter Wille und Qualität waren entscheidend dafür, dass wir jetzt als Double-Sieger dastehen», meinte Neuer.

Den anfangs dominanten Finalneulingen aus Leipzig fehlt noch das Münchner Champions-Gen. Ralf Rangnick, der RB-Baumeister, tat sich schwer, die Niederlage in seinem letzten Spiel auf der Trainerbank zu akzeptieren. «Es ist so enttäuschend, weil wir das Spiel nicht verlieren mussten», haderte der 60-Jährige. Die ersten 30 Minuten nannte er «annähernd perfekt», mit Ausnahme der Chancenverwertung.

0:1, 0:0, 0:3 - in allen drei Saisonspielen gegen die Bayern schossen die Sachsen kein Tor. «Wir sind kampfbereit auch für die nächste Saison», verkündete Vorstandschef Oliver Mintzlaff. Rangnick will als Sportdirektor weiter «gute und schlaue Transfers machen» und die Spieler «mit Trainerarbeit» weiter verbessern. Es war ein erster Auftrag des Vorgesetzten an seinen Nachfolger Julian Nagelsmann.

Kovac rechnet mit weiteren Attacken aus dem Osten Deutschlands. Der Bayern-Coach stellt sich künftig auf zwei Titelkonkurrenten ein. «Mit dem BVB und auch RB müssen wir in der Zukunft stark rechnen», sagte er zum Dreikampf der Zukunft mit Dortmund und Leipzig.

«Hier sitzt ein Niko Kovac mit einem Jahr mehr Erfahrung, in allen Belangen», sagte der Kroate nach dem nächsten Titelgewinn in seiner Heimatstadt, ein Jahr nach dem sensationellen Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt. «Aber hier sitzt trotzdem auch Niko Kovac, der gleich geblieben ist. Ich bin wie ich bin, so möchte ich bleiben, mein Leben lang.» Kovac hat Haltung bewiesen, als Coach muss er weiter reifen.

Er sei ein Mann, der niemals aufgibt. «Das ist die Stärke dieser Mannschaft, dieses Clubs, aber auch meine Stärke», sagte er. Es war ihm gelungen, sein Team auf ein gemeinsames Ziel zu fokussieren. Es glückte ihm zudem, den noch einmal eingewechselten Triple-Helden Franck Ribéry und Arjen Robben einen würdigen Abschied zu ermöglichen. «Es war eine tolle Zeit. Wir haben alles zusammen gewonnen. Dankeschön für alles. I love you. Merci», rief der 36 Jahre alte Ribéry den rund 15 000 Fans am Sonntag vom Münchner Rathausbalkon aus zu. «Es waren zehn wunderschöne Jahre. Wir waren sehr erfolgreich», erklärte Robben auf dem Balkon. Der Holländer rief den Fans zu: «Mia san mia - und ich bleibe immer einer von Euch!»

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