Stadtverwaltung Ahlen gerät immer mehr in die Kritik
Mops durfte nicht gepfändet werden

Ahlen (WB/epd). Die Stadt Ahlen (Kreis Warendorf) gerät nach der Pfändung und dem Verkauf der Mopsdame »Edda« bei Ebay zunehmend in die Kritik. Nach Einschätzung des NRW-Innenministeriums hätte der Hund gar nicht gepfändet werden dürfen.

Montag, 04.03.2019, 04:18 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 06:18 Uhr
Mopsdame »Edda« wurde illegal gepfändet. Foto: dpa

»Um Geld einzutreiben, können zwar auch Tiere gepfändet werden, Haustiere jedoch grundsätzlich nicht«, sagte eine Ministeriumssprecherin der »Rheinischen Post«. Nur in Ausnahmefällen könnte ein Vollstreckungsgericht auf Antrag des Vollstreckungsgläubigers eine Pfändung des Haustieres zulassen. Die frühere Besitzerin von »Edda« sagte, ihr falle der Verlust sehr schwer, ebenso ihren Kindern, die fünf, sieben und neun Jahre alt seien.

Rollstuhl sollte erst gepfändet werden

Die Stadt wollte ursprünglich den Rollstuhl des gelähmten Familienvaters pfänden, der Schulden bei der Stadt hatte. Weil der Rollstuhl aber der Berufsgenossenschaft gehörte, nahm der Mitarbeiter Mopsdame »Edda« mit und verkaufte sie über seinen privaten Ebay-Account als gesund und »mit Stammbaum« für 750 Euro. Die Käuferin aus Wülfrath bei Wuppertal will die Stadt nun allerdings Medienberichten zufolge verklagen, weil sie sich getäuscht sieht. Der Hund habe wegen einer Augenverletzung mehrere teure Operationen benötigt.

Der Hund hätte nach Einschätzung des Innenministeriums auch gar nicht online angeboten werden dürfen. »Gepfändete Sachen sind auf schriftliche Anordnung der kommunalen Vollstreckungsbehörde öffentlich zu versteigern«, erläuterte die Sprecherin. Dafür gebe es bestimmte Formalien wie Fristen, öffentliche Bekanntmachung und Mindestgebote. »Das Anbieten eines gepfändeten Tieres auf einem privaten Ebay-Account erfüllt diese Voraussetzungen nicht.« Eine Sprecherin des NRW-Heimatministeriums mahnte von den Behörden mehr »Fingerspitzengefühl« bei der Pfändung von Tieren an. »Unabhängig von dem Fall des Verkaufs des Mopses in Ahlen gilt grundsätzlich: Nicht alles, was rechtlich möglich erscheint, ist tatsächlich in der Praxis geboten.« Das gelte vor allem für den erforderlichen behutsamen Umgang mit Lebewesen.

Auch der Deutsche Tierschutzbund rügte das Vorgehen der Stadt. »Das Tier, seine Bedürfnisse und sein Wohlergehen wurden vollkommen außen vor gelassen«, sagte Tierschutzbund-Sprecherin Lea Schmitz. Der Verkauf über Ebay-Kleinanzeigen setze »dem Ganzen die Krone auf«. Die Stadt überlegt nun, alles zurückabzuwickeln,

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