Festgenommene wieder frei «Rock am Ring» geht nach Terroralarm weiter

Nürburg -

Die große Party am Nürburgring kann weitergehen. Nach der Unterbrechung wegen eines Terroralarms gibt die Polizei grünes Licht für «Rock am Ring». Fragen zu den Verdächtigen sind noch nicht geklärt, das Lob für die Disziplin der Besucher ist einhellig.

Von dpa / Björn Meyer
Festivalveranstalter Marek Lieberberg verkündet das Zwischenzeitliche Aus des Musikfestivals Rock am Ring. Die Polizei hat inzwischen Entwarnung gegeben. Die Veranstaltung wird fortgesetzt.
Festivalveranstalter Marek Lieberberg verkündet das Zwischenzeitliche Aus des Musikfestivals Rock am Ring. Die Polizei hat inzwischen Entwarnung gegeben. Die Veranstaltung wird fortgesetzt. Foto: Thomas Frey

Erneut hat ein Terroralarm Polizei und Besucher einer Großveranstaltung in Atem gehalten. Das Musikfestival «Rock am Ring» in der Eifel mit fast 90 000 Fans konnte nach einer Unterbrechung jedoch am Samstagmittag fortgesetzt werden.

Auf der Pressekonferenz am Samstagvormittag gab die Polizei Koblenz erste Informationen zu den Hintergründen der vorläufigen Absage. Am Freitagmittag habe es erste Erkenntnisse darüber gegeben, dass es sich um eine Gefahrenlage handeln könnte. Daraufhin sei es im Land Hessen zu mehreren Wohnungsdurchsuchungen mit anschließenden Verhaftungen gekommen.

Der Verdacht war nach Angaben der Polizei entstanden, weil Zugangskarten für das Personal nicht mit registrierten Namen übereinstimmten. Da die Festgenommenen Festivalbändchen besessen haben, konnte die Polizei eine Gefahrenlage nicht ausschließen und musste das Festival vorläufig abbrechen lassen.

Die  drei Verhafteten  seien nicht deutscher Herkunft gewesen und werden den Ermittlern zufolge der hessischen Salafistenszene zugeordnet. Bei einer Person habe es Hinweise auf Verbindungen zur islamistischen Terrorszene gegeben. Am Samstag wurden die Verdächtigen wieder aus der Untersuchungshaft entlassen.

Reaktionen aus der Politik

«In einer solchen Bewertungssituation dürfen wir keine Risiken einbauen», sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD). Er verwies auf ähnliche vorsorgliche Absagen, etwa beim Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande in Hannover im November 2015 kurz nach den Anschlägen von Paris und beim Radrennen «Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt» im April 2015. Im Februar 2015 war zudem der Karnevalsumzug in Braunschweig wegen Hinweisen auf mögliche Terroranschläge abgesagt worden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich in der Nacht hinter Lewentz' Entscheidung gestellt, das Musikfestival wegen Terrorgefahr zu unterbrechen. Der Mainzer Minister habe ihn vorab informiert, erklärte de Maizière in Berlin. «Für diese schwierige wie verantwortungsvolle Entscheidung hat er meine volle Unterstützung. So bitter es ist, die Sicherheit der Festivalbesucher muss an erster Stelle stehen.»

Die Entscheidung für eine Fortsetzung des Rockfestivals gab die Koblenzer Polizei am Samstagvormittag über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt:

Die Veranstalter schrieben auf Facebook:

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Die Hintergründe:

Das dreitägige Festival war am Freitagabend wenige Stunden nach dem Auftakt unterbrochen worden. Zehntausende Fans wurden per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Die Räumung des Geländes verlief problemlos und friedlich. Veranstalter Marek Lieberberg zeigte sich am Samstag beeindruckt, dass «86 000 Besucher in einer Viertelstunde das Festivalgelände verlassen hätten. «Wir haben hier auch ein Zeichen für unsere Kultur gesetzt.»

Ob einige Bands, die am Freitagabend nicht spielen konnten, noch auftreten können, werde geprüft. «Wir werden sehen, ob wir Möglichkeiten haben, Auftritte nachzuholen», sagte Lieberberg. Unter anderem der Auftritt von Rammstein, einer der Topacts des Festivals, war ausgefallen.

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Auch Lewentz hob hervor, dass keine Gefahr einer Panik bestanden habe, weil die Fans so ruhig geblieben seien. Dies sei nicht selbstverständlich. Die Polizei hatte noch am Abend begonnen, das Gelände rund um die Bühnen abzusuchen, und dies am Samstagmorgen fortgesetzt.

Für die Sicherheit des Festivals ist ein Großaufgebot der Polizei im Einsatz: 1240 Polizisten wurden an den Nürburgring geschickt. Das Sicherheitskonzept war nach dem Terroranschlag auf ein Konzert in Manchester vor anderthalb Wochen mit mehr als 20 Toten noch einmal überprüft worden. Beim parallel in Nürnberg stattfindenden Zwillingsfestival «Rock im Park» waren die Konzerte am Freitagabend ohne Probleme weitergegangen.

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