Komplette Einrichtung in Bad Oeynhausen zu Unrecht gegen Corona geimpft
FC-Bayern-Jugendspieler ging als „Praktikant“ zum Impfen

Bad Oeynhausen -

Die Impfaktion in der Berolina-GmbH in Bad Oeynhausen, bei der neben Dutzenden Patienten und Mitarbeitern auch Geschäftsführer Markus Wagner (56), seine Frau und sein 16 Jahre alter Sohn geimpft wurden, entsprach nicht den Impfvorgaben des Landes.

Donnerstag, 04.03.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 06:41 Uhr
Die Familie von Markus Wagner betreibt in Bad Oeynhausen eine Einrichtung der Eingliederungshilfe, die nicht impfberechtigt war.

Wie es dazu kommen konnte – das versuchen die beteiligten Behörden und Organisationen gerade zu klären. Die Bezirksregierung Detmold hat dazu beim Kreis Minden-Lübbecke ei­nen Bericht angefordert. Im Moment sieht es so aus, als habe es beim Impfzentrum der Kreisverwaltung eine Panne gegeben.

Markus Wagner, AfD-Fraktionsvorsitzender, spricht hier im Plenum des NRW-Landtages.

Markus Wagner, AfD-Fraktionsvorsitzender, spricht hier im Plenum des NRW-Landtages. Foto: Federico Gambarini

Markus Wagner ist Fraktionschef der AfD im NRW-Landtag. Er betreibt mit seiner Frau in Bad Oeynhausen die Firma Berolina – eine GmbH mit drei Häusern für chronisch psychisch Kranke, die nicht in eine Klinik gehören und das Ziel haben, irgendwann im betreuten Wohnen leben zu können. Die Bewohner der Häuser zählen wie die anderer Einrichtungen der Eingliederungshilfe nicht zum Kreis der Impfberechtigten, die in der Priorisierungsgruppe 1 sind und geimpft werden dürfen. Die Impfverordnung des Bundes vom 8. Februar stuft diese Personen in die Gruppe 2 ein, die laut NRW-Gesundheitsministerium noch nicht an der Reihe ist. Für sie beginnt das Impfen am 8. März.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat die Berolina GmbH Mitte Januar bei der KVWL angefragt, ob sie berechtigt sei, Impfstoff zu bestellen. Die Vereinigung beantwortete die Frage allerdings nicht, sondern leitete sie ans Impfzentrum des Kreises Minden-Lübbecke weiter.

Florian Hemann, Sprecher der Kreisverwaltung: „Im Impfzentrum hat dann jemand fälschlicherweise die Einrichtung für eine Klinik gehalten und die Impfung erlaubt.“

Nach Angaben des Kreises Minden-Lübbecke soll dem Impfteam der Kassenärztlichen Vereinigung beim Termin erklärt worden sein, der 16-Jährige Sohn des Geschäftsführers Markus Wagner arbeite als Praktikant in der Einrichtung. Hemann: „Das Impfteam hat sich auf diese Auskunft der Einrichtung verlassen.“ Ob die Auskunft stimmte, ist umstritten. Der 16-Jährige soll nach Angaben aus seinem Umfeld eine Karriere als Profifußballer anstreben, er spielt seit 2018 beim FC Bayern München. Dort soll er auf dem Bayern-Campus leben, soweit die Corona-Bestimmungen das zulassen

Jede Einrichtung trägt auch selbst Verantwortung, dass nur Berechtigte geimpft werden.

Florian Hemann, Kreisverwaltung Minden-Lübbecke

Möglicherweise ist der 16-Jährige nun der jüngste Biontech-Geimpfte Deutschlands. Unabhängig davon, ob er als Praktikant gelten durfte, gehörte er ebenso wenig wie seine Eltern in der Priorisierungsgruppe 1. Trotzdem bekamen alle ihre Biontech-Spritze – wohl nicht nut durch den Irrtum des Kreises. Hemann: „Jede Einrichtung trägt auch selbst Verantwortung dafür, dass nur Berechtigte geimpft werden.“

Zu Fällen wie diesen sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), es gehe nicht, dass Menschen mit Vorerkrankungen warten müssten, während sich andere impfen ließen. „Die gesellschaftliche Ächtung dieses Verhaltens steht außer Frage.“ Solche Fälle seien kein Massenproblem, aber sie hätten Auswirkungen auf das Vertrauen der Menschen und die Transparenz des Systems. „Die Bürger müssen wissen, wann wir wen impfen.“

Feuerwehrleute springen ein

Im Impfzentrum des Kreises Minden-Lübbecke in Hille sind am Montag 18 Feuerwehrleute außerhalb der offiziellen Reihenfolge geimpft worden. Wie der Kreis am Mittwoch mitteilte, seien die überzähligen Impfdosen des Biontech-Präparates kurzfristig aus Kliniken abgegeben worden und hätten rasch verimpft werden müssen. Deshalb sei Kontakt mit der Feuerwehr-Leitstelle aufgenommen worden, die bei Mitgliedern dreier umliegender Löschgruppen angefragt habe. So sei die Einsatzbereitschaft nicht gefährdet gewesen. Feuerwehrleute gehören zur Gruppe 3 der Impfreihenfolge. Derzeit wird in der Gruppe 1 geimpft.

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