Markus Wagner aus Bad Oeynhausen weist Vordrängler-Vorwürfe zurück
AfD-Fraktionschef lässt seine Familie impfen

Bad Oeynhausen (WB/dpa) -

Markus Wagner (56), der Chef der AfD-Fraktion im nordrein-westfälischen Landtag, hat nicht nur sich und seine Frau, sondern auch seinen 16 Jahre alten Adoptivsohn gegen Corona impfen lassen. Der Jugendliche spielt bei Bayern München in der Mannschaft U 16.

Sonntag, 28.02.2021, 17:48 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 06:40 Uhr
Markus Wagner, AfD-Fraktionsvorsitzender, bei einer Rede im Plenum des NRW-Landtages. Foto: dpa/Federico Gambarini

Der AfD-Politiker betreibt mit seiner Frau in Bad Oeynhausen Häuser der Eingliederungshilfe, in denen chronisch psychisch kranke Menschen leben und behandelt werden. Etwa fünf Prozent der Bewohner können nach Wagners Angaben jedes Jahr in betreutes Wohnen entlassen werden.

Bereits vor einiger Zeit fand in dem Unternehmen der Familie Wagner ein Corona-Impftermin statt – warum, dazu war am Sonntag von der Kassenärztlichen Vereinigung keine Stellungnahme zu bekommen. Denn nach der Impfverordnung des Bundes gehören psychisch kranke Menschen zur Priorisierungsgruppe 2 und sind deshalb noch gar nicht an der Reihe. Markus Wagner sagte dazu am Sonntag lediglich, die Impfungen seien „genehmigt und terminiert“ gewesen.

„Mehr als ausreichend Impfdosen“

Der AfD-Fraktionschef erklärte, am Tag der Impfung seien „mehr als ausreichend Impfdosen“ dagewesen. „Alle Bewohner und Mitarbeiter, die das wollten, wurden geimpft.“ So auch er, seine Frau und seine Schwiegermutter (81). Die Menge der Impfdosen sei anschließend „noch lange nicht ausgeschöpft“ gewesen. Es seien deshalb Mitglieder der Feuerwehr geimpft worden – und sein Sohn. Warum der 16-Jährige, der keinerlei Priorität genießt und deshalb in Gruppe 4 ist, eine Corona-Impfung bekam, versucht Wagner so zu erklären: „Er hat im Betrieb Kontakt mit den Bewohnern. Er spielt und bastelt mit ihnen und bereitet ihre Taschengeldausgabe vor.“ Der 16-Jährige arbeite immer mal wieder mit und solle „in den Betrieb hineinwachsen“. Er habe etwa mit Bewohnern gebastelt, sie „mit dem Therapiehund begleitet“. oder den Hausmeister unterstützt.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums können die Bezirksregierungen Fälle mutmaßlicher Impfdrängler prüfen und bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstatten.

Am Donnerstag hatte der FDP-Abgeordnete Ralph Bombis mitgeteilt, er lege alle politischen Ämter mit sofortiger Wirkung nieder und werde bei der nächsten Landtagswahl nicht mehr kandidieren. Er und seine Frau waren wegen ihrer Arbeit bereits geimpft worden. Bombis führt drei Senioren- und Pflegeheime.

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