Missbrauchsskandal in Köln
Bericht: Kardinal Woelki schließt Rücktritt nicht aus

Kardinal Rainer Maria Woelki steht heftig in der Kritik im Zusammenhang mit der Aufklärung von Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche. In einem Medienbericht spricht er nun davon, Verantwortung übernehmen zu wollen.

Samstag, 06.02.2021, 15:04 Uhr aktualisiert: 06.02.2021, 15:06 Uhr
Kardinal Rainer Maria Woelki hält einen Gottesdienst im Kölner Dom ab. Foto: Oliver Berg

Köln (dpa/lnw) - Der wegen eines zurückgehaltenen Missbrauchs-Gutachtens heftig unter Beschuss geratene Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki schließt einem Medienbericht zufolge einen Rücktritt nicht aus.

Der «Rheinischen Post» sagte der Erzbischof: «Die Übernahme von Verantwortung, die ich von allen anderen verlange, werde ich auch mir abverlangen.» Die Zeitung hatte ihn gefragt, ob er möglicherweise zurücktrete, wenn ihm das neu in Auftrag gegebene Gutachten des Juristen Björn Gercke ein pflichtwidriges Verhalten attestiere. «Das Gutachten von Professor Gercke wird auch meine Rolle in diesem Fall beurteilen», zitierte die RP den Kardinal. Er habe «schmerzliche» Fehler gemacht. «Ich hoffe sehr, dass der Vertrauensverlust wiedergutzumachen ist.»

Religionsexperten der Parteien im Düsseldorfer Landtag haben sich kritisch zu den jüngsten Äußerungen des Kölner Erzbischofs geäußert. Jochen Ott, SPD-Fraktionsvize im Landtag, nannte die Entwicklungen im Erzbistum gegenüber der «Rheinischen Post» besorgniserregend. «Bei aller gebotenen Trennung von Kirche und Staat - hier geht es nicht um seelsorgerische oder kirchenrechtliche Fragestellungen, sondern schlichtweg um Verbrechen. Und die müssen ohne Ansehen der Person oder Institution lückenlos aufgeklärt werden.»

Der Beauftragte der CDU-Landtagsfraktion für die katholische Kirche, Raphael Tigges, kritisierte, dass der Eindruck entstehe, man sei an einer ehrlichen Aufarbeitung der Vorgänge nicht interessiert und verfolge eigene Interessen. «So enttäuscht man nicht nur die Missbrauchsopfer, sondern verliert weiter viel Vertrauen an der katholischen Basis», warnte der CDU-Politiker.

Kritik kam zudem von der Kirchenbewegung Maria 2.0: «Die Macht, die die Kirche hat, wird nach Auffassung vieler Katholiken deutlich missbraucht», kommentierte Angelika Erkelenz von Maria 2.0 die Aussagen. Sie könne nicht verstehen, «wie eine Organisation, der schwerwiegende Fehler nachgewiesen werden können, ihr eigener Richter sein kann. Es braucht dringend eine Aufarbeitung von außen, die nicht von der Kirche selbst in Auftrag gegeben wird.»

Auch der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, bezeichnete Woelkis Verhalten am Samstag im Deutschlandfunk als «katastrophal». Zwar habe der Kölner Kardinal nun endlich über Verantwortung gesprochen. Dies hätte er aber bereits zu Weihnachten tun sollen.

Woelki hatte zunächst die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl damit beauftragt, zu untersuchen, wie Bistumsverantwortliche in der Vergangenheit mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester umgingen. Dieses schon seit Monaten vorliegende Gutachten hält Woelki jedoch unter Verschluss hält. Er führt dafür rechtliche Bedenken an und verweist stets auf die Veröffentlichung des neuen Gercke-Gutachtens am 18. März. Der von ihm beauftragte Strafrechtler Björn Gercke habe 236 Fälle aus dem Erzbistum Köln untersucht.

Das Erzbistum war zu dem RP-Bericht - einem Interview mit Woelki im Wortlaut - zunächst nicht erreichbar.

© dpa-infocom, dpa:210206-99-325268/4

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