Unterricht in der Pandemie
Juso-Chefin und Göring-Eckardt fordern kreative Ideen

Die Corona-Pandemie bringt auch den Schulalltag durcheinander. Beim Digitalunterricht hakt es noch. Politikerinnen haben noch ein paar andere Ideen.

Samstag, 09.01.2021, 08:52 Uhr aktualisiert: 09.01.2021, 08:54 Uhr
Die neue Juso-Bundesvorsitzende Jessica Rosenthal. Foto: Kay Nietfeld

Berlin (dpa) - Um Schulunterricht auch in der Corona-Pandemie zu gewährleisten, setzen Jusos und die Grünen auf kreative Lösungen. Die neue Juso-Chefin Jessica Rosenthal schlug vor, Lehramtsstudentinnen und -studenten in der Corona-Krise als zusätzliche Lehrer einzusetzen.

Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, regte an, auch geschlossene Museen und Theater zu nutzen. Nicht wie erhofft voran kommt die Digitalisierung des Unterrichts.

Zuletzt war kontrovers diskutiert worden, ob es in einigen Schulen oder zumindest ausgewählten Klassen trotz der hohen Infektionszahlen wieder Präsenzunterricht vor Ort geben soll. In mehreren Bundesländern soll dies trotz wachsender Proteste noch im Januar zumindest für Abschlussklassen gelten.

Die neue Juso-Chefin Rosenthal sagte der Deutschen Presse-Agentur, mit dem Einsatz von Studentinnen und Studenten als zusätzliche Lehrer könnten kleinere Lerngruppen gebildet und die Infektionsgefahr verringert werden. «Wir können die Studierenden einstellen, die ja sowieso oft gerade ihre Nebenjobs verloren haben», sagte die 28-Jährige, die selbst Lehrerin ist und seit dem vergangenen Jahr an einer Bonner Schule unterrichtet. Sie forderte Bund und Länder ferner auf, sie sollten Hotels und Messegelände anmieten und die Klassen aufteilen.

Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt fragte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe: «Warum sollen geschlossene Museen und leere Theatersäle nicht für den Unterricht genutzt werden? Warum holt man nicht das Technische Hilfswerk und Messebauer in die Schulen, um Luftfilter einzubauen?» Sie schlug auch vor, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre interaktiven Bildungsangebote ausbauen. Ganz normaler Unterricht werde an vielen Orten noch lange nicht möglich sein. «Daher müssen wir andere, kreative Lösungen finden», betonte die Fraktionschefin.

Göring-Eckardt bezeichnete es als «eine Vollkatastrophe, dass so viele Schulen immer noch keinen vernünftigen Digitalunterricht hinbekommen». Nach einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) unter den Bundesländern, läuft der Digitalpakt weiterhin schleppend. Bis Ende 2020 seien 916 Millionen Euro als Fördermittel bewilligt worden, also weniger als ein Fünftel der Gesamtsumme, die der Bund bereitstellt. Allerdings kam demnach im zweiten Halbjahr etwas mehr Schwung in die Sache. Während laut RND bis zum Sommer 2020 erst 242 Millionen Euro bewilligt worden waren, waren es Ende 2020 dann 674 Millionen Euro mehr.

Der Digitalpakt war am 17. Mai 2019 in Kraft getreten. Über das Förderprogramm stellt der Bund den Schulen fünf Milliarden Euro für Investitionen in digitale Tafeln (Smartboards), Schul-WLAN, Online-Lernplattformen und mobile Geräte zur Verfügung. Von den Ländern kommen insgesamt weitere 500 Millionen dazu.

Die «Welt» berichtete am Samstag allerdings unter Berufung auf Experten von aktuellen Lieferproblemen bei Tablets und Laptops. «Der Markt für Laptops und Tablets ist seit dem Herbst - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit - leergefegt», sagte Martin Mayr, Senior Vice President beim Münchner IT-Dienstleister Cancom, der Zeitung.

Rosenthal forderte eine wissenschaftlich fundierte Prüfung, welche Infektionsgefahr von den neuen Virusmutationen in den Schulen ausgeht - und zwar vor dem 25. Januar, wenn Bund und Länder über weitere Maßnahmen entscheiden wollen. Sie mahnte ferner, schon jetzt müsse man aus der Corona-Krise lernen und direkt mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen. «Wir brauchen doch sowieso mehr Personal im Bildungsbereich. Das können wir jetzt schon machen», betonte sie. Derzeit wird aus Sicht der Juso-Chefin für eine sichere Öffnung der Schulen zu wenig getan: «Wo sind denn die FFP2-Masken, wo sind denn die Schnelltests, wo sind die angemieteten Räume, wo ist das zusätzliche Personal?», fragte Rosenthal.

Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus mahnte klare Perspektiven für die Schulen für das restliche Schuljahr an. «Schulen, Eltern und Kinder brauchen Planungssicherheit. Müssen wir Maßnahmen verlängern? Welche Auswirkungen hat das auf Prüfungen? Verkürzen wir die Osterferien? Die Menschen wollen planen, das Familienleben regeln», mahnte der CDU-Politiker in der in Bielefeld erscheinenden «Neuen Westfälischen».

© dpa-infocom, dpa:210109-99-953183/2

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