NRW will Überlastung einzelner Intensivstationen verhindern
Corona: Zentralstellen sollen die Kranken verteilen

Detmold (WB) -

NRW will coronabedingte Engpässe auf Intensivstationen verhindern und Patienten gleichmäßiger verteilen. Das Gesundheitsministerium hat deshalb die fünf Bezirksregierungen Detmold, Münster, Arnsberg, Köln und Düsseldorf angewiesen, jeweils eine Koordinierungsstelle für die Verlegung von Kranken einzurichten.

Montag, 07.12.2020, 22:16 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 22:29 Uhr
Behandlung eines Covid 19-Patienten – hier auf der Intensivstation der Uni-Klinik in Osnabrük. Foto: dpa/Fabian Strauch

Diese Stelle, vom Ministerium „Single Point Of Contact“ (SPOC) genannt, soll täglich die Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern ihres Regierungsbezirks beobachten. Zeichnen sich Engpässe ab, soll die Koordinierungsstelle bei der Vermittlung von Patienten an Krankenhäuser mit freien Intensivbetten helfen – auch bei der Verlegung in andere Regierungsbezirke oder Bundesländer.

Der Ablauf: Ist eine Verschiebung von Intensivpatienten innerhalb einer Kommune oder eines Kreises nicht möglich, wendet sich die dortige Rettungsleitstelle an den SPOC. Das soll aber nicht erst im letzten Moment geschehen, sondern vorausschauend. Im Ministerium spricht man von „strategischen Verlegungen“. Denn nach Möglichkeit will man keine akuten Notfälle transportieren müssen. Die Verantwortung für die medizinische Abstimmung bei den Verlegungen bleibt bei den abgebenden Krankenhäusern.

Für die Zuweisung von Patienten sollen vor allem Krankenhäuser genutzt werden, die wegen des Aufschubs nicht so dringender Operationen Freihaltepauschalen für nicht genutzte Betten erhalten. Diese Pauschalen bekommen aktuell nur besonders ausgestattete Krankenhäuser, etwa ein Drittel der Kliniken.

Um bei Verlegungen für alle Fälle gewappnet zu sein, setzt das Konzept des Ministeriums auch auf die Intensivtransporthubschrauber „Christoph Westfalen“ (stationiert in Greven) und „Christoph Rheinland“ (Köln). Sie können, im Gegensatz etwa zu „Christoph 13“ (Bielefeld), nicht nur bei Tageslicht fliegen, sondern rund um die Uhr.

Im Regierungsbezirk Detmold (Ostwestfalen-Lippe) sah die Lage am Montag folgendermaßen aus:

Kreis Minden-Lübbecke: 229 Intensivbetten, 202 belegt (27 mit Corona-Patienten)

Kreis Herford: 68 Intensivbetten, 57 belegt (neun mit Corona-Patienten)

Kreis Gütersloh: 50 Intensivbetten, 33 belegt (neun mit Corona-Patienten)

Bielefeld: 148 Intensivbetten, 120 belegt (41 mit Corona-Patienten)

Kreis Lippe:50 Intensivbetten, 46 belegt (13 mit Corona-Patienten)

Kreis Höxter: 37 Intensivbetten, 26 belegt (fünf mit Corona-Patienten)

Kreis Paderborn:104 Intensivbetten, 79 belegt (15 mit Corona-Patienten)

Etwa jeder vierte Corona-Intensivpatient überlebt die Krankheit nicht.

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