Wirtschaftsminister stellt Pläne vor
NRW will Wasserstoffnetz massiv ausbauen

Düsseldorf -

Der Weg in die klimaneutrale Zukunft verläuft unterirdisch. 240 Kilometer Wasserstoff-Pipelines verlaufen heute schon unter Nordrhein-Westfalen, vor allem an Rhein und Ruhr. Das sei jetzt schon das vielleicht dichteste Netz in ganz Europa, sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Montag in Düsseldorf.

Montag, 09.11.2020, 19:00 Uhr
Hier wird Wasserstoff ins Rohrleitungssystem eines Hochofens Foto: Thyssen

Der Weg in die klimaneutrale Zukunft verläuft unterirdisch. 240 Kilometer Wasserstoff-Pipelines verlaufen heute schon unter Nordrhein-Westfalen, vor allem an Rhein und Ruhr. Das sei jetzt schon das vielleicht dichteste Netz in ganz Europa, sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Montag in Düsseldorf. NRW habe die besten Voraussetzungen, um sich in der jetzt anbrechenden Wasserstoff-Epoche eine führende Position zu sichern. Welchen Kurs das Land dafür einschlagen muss, steht in einer vom Minister vorgestellten „Roadmap“, die gleich in drei Sprachen veröffentlicht wurde.

Ein zentrales Element dabei ist der Bau einer landesweiten Infrastruktur. Dazu gehören neue und größere Pipelines, durch die klimaneutral produzierter Wasserstoff verteilt werden soll. Bis 2050 würden allein in NRW rund 1500 Kilometer Netz benötigt, sagte Pinkwart, bundesweit seien es 6000. Die ersten 120 Kilometer Pipelinenetz sollen in fünf Jahren fertig sein, weitere 240 bis 2030. „Das Ziel, die industriellen Prozesse in Nordrhein-Westfalen bis 2050 annähernd klimaneutral zu gestalten, kann nur durch den Einsatz von Wasserstoff erreicht werden“, betonte Pinkwart. Etwa 90 Prozent der absehbar benötigten Menge müsse importiert werden.

Zunächst aber sollen zwei große Anlagen zur Elektrolyse in Köln und Lingen entstehen. Mit 100 Megawatt soll der in Lingen geplante Elektrolysateur Wasserstoff für die Chemiestandorte Gelsenkirchen und Marl produzieren. Das seien nur zwei von 13 geplanten, vier Milliarden Euro schweren Investitionen der Industrie, betonte der Minister. Auch aus den Niederlanden soll Wasserstoff, der mit Windkraft von der Nordsee erzeugt wird, nach NRW fließen.

Bis zu 130.000 zusätzliche Arbeitsplätze könnten so entstehen, etwa im Anlagen- oder Pipelinebau, erklärte Pinkwart. Dabei rechne er auch Jobs ein, die erhalten blieben. „Die Industrie wird global umgekrempelt, wenn man auf Basis von Wasserstoff arbeiten will.“

Nicht nur die großen Meilensteine seien entscheidend, sondern die Initiativen in vielen Regionen. Als Beispiel nannte Pinkwart den Kreis Steinfurt, der sich zwar nicht als Modellregion für Wasserstoffmobilität durchsetzen konnte, aber die Initiative fortsetze.

Bis 2025 sollen entsprechend der Landesvorgabe 20 Wasserstofftankstellen für Lastwagen und 60 für Pkw entstehen. 400 Lkw und 500 Busse, dazu erste Binnenschiffe sollen von Brennstoffzellen angetrieben werden. Fünf Jahre später sollen es 11.000 Lkw und 3800 Busse sein, die ein Netz von 200 Tankstellen ansteuern können sollen.

Mit den industriellen Wertschöpfungsketten verfüge NRW über ein Alleinstellungsmerkmal für den Ausbau der Wasserstoff-Technologie, lobte der Präsident von Unternehmer NRW, Arndt Kirchhoff, die Kursvorgabe. Das sei im Wettbewerb eine gute Ausgangsposition. Dagegen monierte der Vorsitzende des Landesverbands Erneuerbare Energien, Reiner Priggen, das Land lasse Potenzial ungenutzt, weil es die eigene Wasserstoffproduktion mit Ökostrom vernachlässige.

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