Atommülltransport
Castor-Transport ist Richtung Biblis abgefahren

Erstmals seit Jahren gibt es wieder einen größeren Rücktransport von Atommüll in Castoren nach Deutschland. Am Abend hat der Zug den Hafen Nordenham in Niedersachsen mit Ziel Biblis verlassen. Atomkraftgegner hatten Proteste angekündigt.

Dienstag, 03.11.2020, 23:21 Uhr
Der Castor-Zug fährt aus dem Bahnhof Nordenham. Sechs Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield sollen per Bahn ins hessische Zwischenlager Biblis gebracht werden. Foto: Sina Schuldt

Nordenham (dpa) - Der Castor-Zug mit Atommüll aus der britischen Atomanlage Sellafield hat am Dienstagabend den niedersächsischen Hafen Nordenham mit Ziel Biblis verlassen. Das teilte ein Sprecher der Transportfirma GNS mit.

Für Deutschland ist es der erste große Rücktransport von Atommüll in Castoren seit neun Jahren. Der 600 Meter lange Zug mit sechs Castoren soll in ein Zwischenlager an dem stillgelegten Kernkraftwerk in Hessen rollen. Die Ankunft dort wird für Mittwochmorgen erwartet. Atomkraftgegner waren in Nordenham vor Ort und haben Proteste entlang der möglichen Fahrtstrecken nach Süden angekündigt.

Der Transport nahm die Route über Hannover. Die Bundespolizei sicherte nach eigenen Angaben mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen und Hessen, aber auch in Bremen und Nordrhein-Westfalen. Mehrere tausend Bundespolizistinnen und -polizisten sind an der Sicherung der Strecke beteiligt, im Einsatz sind Diensthunde, Dienstpferde und Polizeihubschrauber. Zusätzlich sind in den Bundesländern auch Kräfte der jeweiligen Landespolizei mit im Einsatz.

Bis zum späten Dienstagabend sei alles ruhig und wie geplant verlaufen, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Die Castor-Transporte waren in Vergangenheit oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen.

An dem Transport des gefährlichen Materials gibt es viel Kritik. Umweltschützer sehen Mängel am Zwischenlager Biblis und Sicherheitsdefizite bei den Castor-Behältern. Die für die Lagerung des hoch radioaktiven Atommülls zuständige Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) weist diese Bedenken zurück.

Kritik an dem Transport hatte es auch angesichts der Corona-Epidemie und einer möglichen Gefährdung der eingesetzten Polizeibeamten gegeben. «Die Gesundheit aller Beteiligten genießt höchste Priorität», sagte der Gesamteinsatzleiter. Dies gelte sowohl für die Bürgerinnen und Bürger, die ihr Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ausübten, wie für die Polizeikräfte im Einsatz. Die Polizeidirektion Oldenburg habe auf Basis der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts ein umfassendes Hygienekonzept für den Einsatz erstellt, sagte Polizeivizepräsident Andres Sagehorn.

Nach Angaben der Bundesregierung muss Deutschland aufgrund internationaler Verpflichtungen seinen im Ausland aufbereiteten Atommüll zurücknehmen - aus Sellafield wie aus der französischen Anlage La Hague.

© dpa-infocom, dpa:201103-99-190879/7

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