Viele Verletzte
Hauptstadt von Berg-Karabach mit Raketen angegriffen

Zwischen den verfeindeten Nachbarn Armenien und Aserbaidschan gehen die Kämpfe unvermindert weiter. Es ist die schwerste Gewalteskalation in der Region seit Jahrzehnten.

Freitag, 02.10.2020, 17:06 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 17:08 Uhr
Die aserbaidschanischen Streitkräfte greifen während der Kämpfe die Artillerie der armenischen Armee an. Foto: Uncredited

Baku/Eriwan (dpa) - Bei den Kämpfen im Südkaukasus ist die Hauptstadt von Berg-Karabach nach armenischer Darstellung mit Raketen angegriffen worden. Viele Bewohner von Stepanakert wurden verletzt und zahlreiche Häuser zerstört, wie Arzrun Owanissjan vom armenischen Verteidigungsministerium mitteilte.

Im Zentrum habe es Schüsse und Explosionen gegeben, hieß es. Die Behörden in Berg-Karabach kündigten entsprechende Gegenmaßnahmen an. Die aserbaidschanische Armee sprach wiederum von schwerem Artilleriefeuer auf Dörfer und Städte auf seinem Staatsgebiet. Die Gefechte der verfeindeten Nachbarländer dauern seit fast einer Woche an. Die Zahl der Toten stieg nach offiziellen Angaben auf mehr als 150.

Bei Gefechten gegen die aserbaidschanische Armee seien zuletzt 54 Soldaten aus den eigenen Reihen gestorben, teilten die Behörden in Berg-Karabach der armenischen Agentur Armenpress zufolge mit. Zudem sollen viele Menschen verletzt worden sein. Zuvor hatte das Militär in Berg-Karabach bereits rund 100 Toten gesprochen. Es ist die schwerste Gewalteskalation in der Region seit Jahrzehnten.

Das Militär in Aserbaidschan sprach von schwerem Artilleriefeuer in einigen Dörfern auf seinem Staatsgebiet. Dabei sollen Zivilisten getötet und verletzt worden sein. Genaue Angaben dazu gab es zunächst nicht.

Zuvor hatten die armenischen Behörden von 120 Toten gesprochen, die meisten davon Soldaten. Aserbaidschan zählte zuletzt nach eigenen Angaben 19 tote Zivilisten und 55 Verletzte.

Seit Sonntag liefern sich die beiden verfeindeten Staaten schwere Gefechte entlang der Demarkationslinie. Diese gehen weit über die Scharmützel hinaus, die es immer wieder in der Region gab.

Der Konflikt zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken läuft bereits seit Jahrzehnten. Berg-Karabach, wo rund 145 000 Menschen leben, wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eigentlich eine Waffenruhe, die jedoch brüchig ist. Russland, Frankreich und die USA vermitteln mit der sogenannten OSZE-Minsk-Gruppe in dem Konflikt. Die OSZE ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

© dpa-infocom, dpa:201002-99-795991/3

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