Bedenken beim Thema Rückkehr
Schulen: Kritik wegen geplanter Aufhebung von Abstandsregel

Nach den Sommerferien könnte es in den Schulen wieder relativ normal und ohne Abstandsregel weitergehen, das wird zumindest angestrebt - Lehrergewerkschafter sehen das aber kritisch. Die GEW fordert nun einen «runden Tisch».

Mittwoch, 10.06.2020, 18:04 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 18:06 Uhr
Ein Hinweisschild mit der Aufschrift «Bitte Abstand halten - mind. 1,5m Meter» klebt im Kreisgymnasium in Bad Krozingen auf einem Tisch. Foto: Philipp von Ditfurth

Berlin (dpa) - Die geplante Rückkehr zum Schulbetrieb ohne Abstandsregeln stößt bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf Unverständnis.

In allen Branchen gelte weiter die Abstandspflicht von 1,5 Metern. Dazu komme die Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr und in Geschäften. In den Schulen sollten die Schutzmaßnahmen aber aufgegeben werden, kritisierte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann am Mittwoch. Die Bildungsgewerkschaft forderte einen «runden Tisch, an dem Politik, Gewerkschaften, Eltern- und Schülervertretungen sowie Mediziner zusammenkommen und über Lösungswege entscheiden».

Vertreter einzelner Bundesländer haben inzwischen mehrfach ihre Absicht geäußert, nach den Sommerferien an den Schulen wieder in den Normalbetrieb zurückzukehren. Auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, Stefanie Hubig (SPD) bekräftigte das am Mittwoch im ARD-«Morgenmagazin» erneut. Hubig plädiert in diesem Zusammenhang auch für ein Ende der Abstandsregel an den Schulen.

An Grundschulen ist diese in einigen Bundesländern bereits aufgehoben und es wird wieder im Klassenverband unterrichtet. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich am Mittwoch offen für weitgehende Öffnungen im Bildungsbereich nach dem Sommer. «Wenn sich das Infektionsgeschehen so fortsetzt über den Sommer, kann auch nach den Sommerferien der Regelbetrieb in Kitas und Schulen wieder starten», sagte er dem Nachrichtenportal «The Pioneer».

Die meisten Länder gehen bis spätestens Mitte Juli in die Sommerferien. «Die nächsten Wochen müssen wir uns noch durchhangeln, aber nach den Sommerferien brauchen wir möglichst verlässlichen Unterricht», sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek der Zeitschrift «Bild der Frau» (Erscheinungstermin 12.6.). Sie vermutet, dass es eine «Mischung aus Präsenzunterricht und digitalem Unterricht» geben wird.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte am Mittwoch konkrete Leitlinien für Kitas und Schulen nach dem Sommer. Sie müssten vorbereitet sein, falls es im Herbst zu erneuten lokalen oder regionalen Infektionsgeschehen komme, sagte sie nach einem Fachgespräch mit Experten aus dem Bildungsbereich, der Medizin und mit Gewerkschaftsvertretern. «Dafür müssen wir gerüstet sein, um nicht noch mal in eine Situation des völligen Chaos zu starten.»

Baerbock formulierte zudem «Mindestanforderungen für einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen»: Unterricht und Betreuung sollte in den gewohnten Gruppen und Klassen ohne Abstandsregeln stattfinden. Dafür müssten die Gruppen aber möglichst strikt voneinander getrennt werden. Für Eltern und Beschäftigte sollte gewährleistet werden, dass Abstandsregeln zwischen ihnen eingehalten werden könnten. Nötig sei auch eine bundesweit abgestimmte wissenschaftliche Begleitung der Komplettöffnung von Bildungseinrichtungen.

Neben der GEW äußern auch Lehrerverbände Bedenken beim Thema Rückkehr zum Normalbetrieb. Der Deutsche Lehrerverband plädiert in diesem Fall für eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Der Deutsche Philologenverband fordert zumindest zwei Mal wöchentlich Corona-Reihentests für Schüler und Lehrer.

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