«Deutsch-Polnisches Barometer»
Fast jeder dritte Pole denkt bei Deutschland an «Krieg»

Warschau (dpa) - Eine wachsende Zahl von Polen verbindet mit Deutschland laut einer Studie vor allem das Thema Krieg. Knapp ein Drittel der polnischen Befragten (30 Prozent) hatten diese Assoziation, ist das Ergebnis des Deutsch-Polnischen Barometers 2020.

Mittwoch, 03.06.2020, 12:43 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 12:46 Uhr
Grenzpfähle an einem ehemaligen Grenzübergang zwischen Deutschland und Polen. Foto: Bernd Wüstneck

Vor zwei Jahren lag der Anteil der Polen, die vor allem an diesen Abschnitt der deutsch-polnischen Geschichte denken, demnach noch bei 25 Prozent, 2016 waren es 21 Prozent. Die gemeinsame Studie zur Wahrnehmung des jeweils anderen Landes, an der unter anderem das Warschauer Institut für Öffentliche Angelegenheiten und das Deutsche Polen-Institut beteiligt waren, wurde am Mittwoch vorgestellt.

Auf die Frage «Was verbinden Sie mit «Deutschland» und den «Deutschen»?» nannten die befragten Polen am häufigsten Stichwörter wie «Krieg», «Kriminelle», «Besatzer», «Konzentrationslager» und «Hitler». Das Stichwort «Entschädigung» fiel dagegen nur ein einziges Mal.

Gleichzeitig bewerteten 72 Prozent der befragten Polen und 55 Prozent der Deutschen die deutsch-polnischen Beziehungen als gut. Für viele Deutsche steht das Nachbarland vor allem für «schöne Landschaften» und «Ostsee». Fast ein Drittel (29 Prozent) aller Assoziationen der Deutschen zum Thema Polen bezogen sich auf den Tourismus. Nur 7 Prozent der Befragten in Deutschland nannten demnach Stichwörter wie «Krieg», »Ghetto» oder «Auschwitz».

Vor dem 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs im vergangenen Jahr hatte die nationalkonservative PiS-Regierung in Warschau den Druck in der Debatte um Entschädigungen durch Deutschland erhöht. Eine 2017 eingesetzte Parlamentskommission hat einen Bericht zu Kriegsschäden aber bislang nicht veröffentlicht.

«Die Rhetorik der polnischen Regierung, die das Geschehen im Zweiten Weltkrieg in den Vordergrund stellt, hat Auswirkungen auf die Diskussion in Polen», sagte Agnieszka Lada, Mitautorin der Studie und stellvertretende Direktorin des Polen-Instituts. Hinzu komme der Einfluss der 2019 begangenen Jahrestage.

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