Nachdenkliche Worte
Erstes Gedenken an Weltkriegsende vor 75 Jahren

An diesem Freitag jährt sich die Befreiung Deutschlands von der NS-Diktatur durch die Alliierten zum 75. Mal. Eigentlich war aus diesem Anlass ein Staatsakt vorgesehen. Coronabedingt fällt das Gedenken kleiner aus.

Donnerstag, 07.05.2020, 16:25 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 16:28 Uhr
Am Mahnmal auf dem Sowjetischen Garnisonsfriedhof in Dresden. Mit Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen wird am Freitag vielerorts an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren erinnert. Foto: Arno Burgi

Berlin (dpa) - Vor der offiziellen Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs haben Linke, Grüne und Gewerkschaften der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus gedacht.

«Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands war für unser Land der erste Schritt hin zu Freiheit und Menschenrechten, auch wenn es bis 1989 dauern sollte, bis diese auch im Osten Deutschlands endgültig erkämpft wurden», erklärten die Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter. Die Obfrau der Linken im Auswärtigen Ausschuss, Sevim Dagdelen, legte einen Kranz am Sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten nieder.

Dagdelen vermisste eine solche Geste von der Bundesregierung: «Eine Kranzniederlegung von Bundeskanzlerin Angela Merkel an einem sowjetischen Ehrenmal in Berlin wäre an diesem historischen Tag ein wichtiges Zeichen der Anerkennung und Würdigung gewesen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Russland den würdigen Dank für die Befreiung vom deutschen Faschismus aus klein kariertem tagespolitischen Kalkül zu verweigern, ist beschämend und geschichtsvergessen.»

Die Linke forderte im Bundestag die Regierung auf, den 8. Mai zu einem bundesweiten gesetzlichen Gedenktag zu machen. Der Antrag fand am Donnerstag aber keine Mehrheit. Ihm stimmten neben der Linken nur die Grünen zu.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte, die Deutschen würden nie vergessen, welches Leid und Elend sie mit dem Zweiten Weltkrieg über andere Völker gebracht hätten. «Wir kennen die Lehren aus unserer schwierigen Geschichte. Aus dem Hass entstand die Diktatur, und die Diktatur führte zum Krieg.»

Die Spitzen des deutschen Staates werden an diesem Freitag in Berlin der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 75 Jahren gedenken. Vorgesehen ist eine Kranzniederlegung an der Neuen Wache, der zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird eine Rede halten.

An der Gedenkveranstaltung teilnehmen werden auch Bundeskanzlerin Merkel sowie die Präsidenten des Bundestags, Bundesrats und Bundesverfassungsgerichts, Wolfgang Schäuble (CDU), Dietmar Woidke (SPD) und Andreas Voßkuhle. Ursprünglich hatte Steinmeier für den 8. Mai einen Staatsakt angeordnet, die höchste mögliche Form der Würdigung eines Ereignisses durch den Staat. Einen solchen Staatsakt am 8. Mai hatte es bislang nur einmal gegeben, 1995 unter Bundespräsident Roman Herzog. Die Veranstaltung an diesem Freitag vor dem Reichstagsgebäude mit 1600 Gästen wurde jedoch wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg nannte das nun geplante Gedenken einen «würdigen Ersatz» für den Staatsakt. «Es ist ein wichtiges Zeichen, dass es nach fast zwei Monaten des Lockdowns nun doch ein würdiges Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges gibt», sagte sie der dpa. «Es wäre unangemessen gewesen, darauf zu verzichten.»

Göring-Eckardt und Hofreiter nannten den 8. Mai einen Tag, «der uns mit Dankbarkeit gegenüber den Ländern erfüllt, die zahllose Menschenopfer erbrachten, um den deutschen Vernichtungskrieg zu beenden und Deutschland und die Welt von der nationalsozialistischen Diktatur zu befreien».

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann erklärte, nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus seien die zentrale Lehre aus den dunklen Jahren der faschistischen Schreckensherrschaft. «Die Erinnerung daran müssen wir lebendig halten - gerade in Zeiten, in denen wachsende Geschichtsvergessenheit den Nationalisten und Rassisten wieder in die Hände spielt.»

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