Wegen Affäre
Corona-Regeln ignoriert: Regierungsberater quittiert Job

Techtelmechtel statt Distanz: Der renommierte Forscher Neil Ferguson hat für die Sicherheit der Briten während der Pandemie gekämpft - und dann selbst gegen die Regeln verstoßen. Das hat Folgen.

Mittwoch, 06.05.2020, 18:06 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 18:08 Uhr
Professor Neil Ferguson, Epidemiologe vom Imperial College London, hat seinen Job quittiert. Foto: House Of Commons

London (dpa) - Wegen einer Affäre mitten in der Corona-Krise hat der britische Top-Wissenschaftler Neil Ferguson seinen Posten als Regierungsberater aufgegeben.

Er habe Regeln zur sozialen Distanz durchbrochen, bestätigte Ferguson in einer Stellungnahme, die der Deutschen Presse-Agentur in London vorliegt. Nach Angaben des «Telegraph» hatte der Professor trotz der strengen Ausgangsbeschränkungen, zu denen er als Experte wesentlich beitrug, eine Affäre mit einer verheirateten Frau. Die zweifache Mutter soll ihn mehrfach besucht haben, was gegen die Maßnahmen verstieß.

Bei der Frau soll es sich laut «Daily Mail» um eine gebürtige Deutsche aus dem Allgäu handeln. Die 38-Jährige soll in Berlin studiert haben und 2003 nach Großbritannien gezogen sein.

Ferguson habe mit seinem Rücktritt die richtige Entscheidung getroffen, sagte der Staatssekretär für Sicherheit, James Brokenshire, am Mittwoch dem Sender BBC. Gesundheitsminister Matt Hancock sagte im Interview mit Sky News, er sei «sprachlos». Scotland Yard will nicht gegen den Forscher ermitteln: Sein Verhalten sei zwar enttäuschend, aber er habe schon selbst die Konsequenzen gezogen.

«Ich habe in dem Glauben gehandelt, dass ich immun bin», teilte «Professor Lockdown» (Ausgangssperre) - so Fergusons Spitzname - mit. Er sei positiv auf das Virus getestet worden und habe sich zwei Wochen isoliert. Er habe die Lage falsch eingeschätzt.

«Ich bedauere zutiefst, die klaren Botschaften über die anhaltende Notwendigkeit der sozialen Distanz untergraben zu haben», erklärte der Epidemiologe vom Imperial College London. Die renommierte Universität teilte kurz und knapp mit: «Professor Ferguson wird sich weiter auf seine wichtige Forschung konzentrieren.»

Ferguson hatte in Modellen errechnet, wie rasant sich der Erreger in Großbritannien ausbreiten könnte und - für den schlimmsten Fall - Hunderttausende Tote vorausgesagt. Seine Forschungen trugen wesentlich dazu bei, dass die Regierung letztlich doch noch einen konsequenteren Kurs bei der Bekämpfung der Pandemie einschlug. Experten zufolge hätte der chronisch unterfinanzierte Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) dem Ansturm Schwerkranker ansonsten auch nicht standhalten können.

Großbritannien ist Statistiken zufolge mit Blick auf die Zahl der Opfer das am schlimmsten vom Coronavirus betroffene Land Europas. Grund ist laut Experten vor allem, dass Premierminister Boris Johnson so spät auf die Corona-Krise reagierte. Inzwischen lässt er sich ausführlicher von der aus etwa 50 Experten bestehenden Gruppe Sage beraten. Auch Johnson selbst steckte sich mit dem Coronavirus an. Zeitweise lag er auf der Intensivstation.

Ferguson ist nicht der erste Experte, der Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten während der Corona-Krise zog. Auch die oberste Gesundheitsexpertin der schottischen Regierung, Catherine Calderwood, gab nach Verstößen ihren Posten auf. Die Medizinerin war an zwei Wochenenden zu einem Landhaus ihrer Familie gefahren. «Ich habe den Ratschlag nicht befolgt, den ich anderen gegeben habe», sagte Calderwood bei einer Pressekonferenz. «Es tut mir sehr leid.» Zuvor hatte sie immer wieder zur Einhaltung der Auflagen aufgerufen.

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