Wirtschaft trommelt
Rufe nach noch mehr Lockerungen werden lauter

Einige Lockerungen der Corona-Maßnahmen gibt es schon, andere gelten ab Wochenbeginn. Doch längst nicht für alle Bereiche gibt es eine klare Perspektive - zum Verdruss der Betroffenen.

Samstag, 02.05.2020, 20:57 Uhr aktualisiert: 02.05.2020, 21:00 Uhr
Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder haben weitere Schritte für ihre nächste Beratung angekündigt. Foto: Kay Nietfeld

Berlin (dpa) - Stück für Stück kehrt etwas Normalität zurück: Von Montag an dürfen die Menschen in Deutschland trotz Corona-Pandemie wieder ein paar Freiheiten mehr genießen. Erstmals seit mehr als sechs Wochen öffnen etwa die Friseure in Deutschland an diesem Montag wieder.

Die ersten Lockerungen - etwa die teilweise Öffnung von Geschäften - hatte es am 20. April gegeben. Die Diskussion darüber, wie weit die Lockerungen gehen sollten, hält derweil an.

DER DRUCK AUF BUND UND LÄNDER WÄCHST

Wirtschaftsverbände pochen angesichts des Konjunktureinbruchs mit Nachdruck darauf, weite Teile des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens wieder hochzufahren. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder beraten am Mittwoch das nächste Mal. Der Industrieverband BDI dringt auf einen klaren Exit-Plan zu diesem Termin. «Jede Woche eines Shutdowns kostet die deutsche Volkswirtschaft einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag an Wertschöpfung», sagte BDI-Präsident Dieter Kempf den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) forderte, die Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch im Mai zu beenden. «Heben Sie den Lockdown auf, bevor es zu spät ist!», heißt es nach Verbandsangaben in einem Offenen Brief an Merkel.

MERKEL WILL MEHR TEMPO BEI IMPFSTOFF-ENTWICKLUNG

Merkel setzt für die Bewältigung der Corona-Krise auch auf mehr Tempo bei der Entwicklung eines Impfstoffes. In ihrer am Samstag veröffentlichten, wöchentlichen Videoansprache rief die CDU-Politikerin zu mehr internationaler Zusammenarbeit auf. «Wir wissen, dass sie überall schwere Schäden auch unserem wirtschaftlichen, sozialen, gesellschaftlichen Leben zufügt. Deshalb müssen wir mit Hochdruck und großer Konzentration daran arbeiten, dieses Virus einzudämmen und dann auch zu besiegen, indem wir einen Impfstoff entwickeln», sagte sie. Auf einer Geberkonferenz an diesem Montag, zu der die EU-Kommission eingeladen hat, werde sich Deutschland mit einem «deutlichen finanziellen Beitrag beteiligen». Es fehlten geschätzt acht Milliarden Euro für die Entwicklung eines Impfstoffes.

KNAPP 162.000 NACHGEWIESENE CORONA-FÄLLE IN DEUTSCHLAND

In Deutschland sind bis Samstagfrüh knapp 162.000 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Am Freitagabend waren es mehr als 161.900 Fälle. Mindestens 6603 mit dem Erreger Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben (Vortag Stand 20.15 Uhr: 6601). Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Die Reproduktionszahl lag nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Stand Freitag weiter bei 0,79. Das bedeutet, dass zehn Infizierte etwa sieben bis neun weitere Menschen anstecken.

Nach RKI-Schätzungen haben in Deutschland rund 129.000 Menschen die Infektion überstanden. Wie für andere Länder rechnen Experten aber auch in Deutschland mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

1. FC KÖLN VERZEICHNET DREI CORONA-INFEKTIONEN

Drei Corona-Fälle beim 1. FC Köln stellen das Neustart-Konzept der Deutschen Fußball-Liga auf den Prüfstand. Wenige Tage vor der wegweisenden Konferenz von Bund und Ländern wurden zwei Spieler und ein Physiotherapeut in Quarantäne geschickt. Die Kritiker des Profi-Fußballs fühlten sich deshalb zwar bestätigt - aus DFL-Kreisen war aber vor allem zu hören: Das Konzept funktioniert. Die Bundesligisten hatten in der Hoffnung, am Mittwoch nach der Konferenz Merkels mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten die Genehmigung für den Liga-Start noch im Mai zu bekommen, am Donnerstag mit Corona-Tests aller Spieler und Betreuer begonnen.

EXISTENZÄNGSTE BEIM BREITENSPORT

Die Landessportbünde machen sich mit Blick auf das langfristige ehrenamtliche Engagement und die Zukunft des Vereinswesens Sorgen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Die fehlenden sozialen Kontakte und die ausbleibende Bewegung in der Gesellschaft zählen zu den gravierenden kurzfristigen Folgen, langfristig könnten auch Strukturen in den zahlreichen Sportvereinen auf dem Prüfstand stehen. Wegen der Pandemie ruht der gesamte Breitensport. Vor allem für die Amateure in Kontaktsportarten wie Fußball, Basketball oder Handball könnte sich eine zeitnahe Rückkehr zur Normalität eher schwer gestalten - und noch sehr lange dauern.

BÜRGER HABEN BEDENKEN MIT BLICK AUF FRISEURBESUCH

Die Hälfte der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger macht sich einer Umfrage zufolge Gedanken wegen Hygiene und Ansteckungsrisiken beim Friseurbesuch. 25 Prozent haben zwar «geringe Bedenken», wollen aber trotzdem einen Salon aufsuchen. Dies ermittelten die Meinungsforscher von YouGov bei einer Umfrage unter 2034 Menschen zwischen dem 27. und 29. April im Auftrag der dpa. Weitere 13 Prozent der Befragten wollen trotz «großer» oder «sehr großer Bedenken» (8 bzw. 5 Prozent) zum Friseur. 11 Prozent dagegen haben die feste Absicht, auf Distanz zu bleiben.

JUNGE MENSCHEN HAMSTERN ARZNEIMITTEL

In der Corona-Krise haben laut einer Umfrage vor allem junge Leute Arzneien, Lebensmittel und Hygieneartikel gehamstert. Das zeigt eine Studie des Marktforschers Nielsen. Demnach gaben 43 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an, Arzneien über die in normalen Zeiten beschaffte Menge hinaus gekauft zu haben. Bei den 30- bis 39-Jährigen waren es 34 Prozent. Dagegen hamsterten nur 15 Prozent der 50- bis 59-Jährigen sowie 9 Prozent der über 60-Jährigen Medikamente.

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