Landungszentrum beschossen
Libyen: Migranten fliehen nach gescheiterter Überfahrt

Tripolis/Genf (dpa) - Nach ihrer gescheiterten Überfahrt nach Europa sind Dutzende Migranten aus dem Hafen der libyschen Hauptstadt Tripolis geflohen. Sie seien entkommen, als das Gelände am Freitag beschossen worden sei, sagte eine Sprecherin der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Genf.

Samstag, 11.04.2020, 14:19 Uhr
Vertriebene Kinder sitzen in einem Zimmer in Tripolis. Kritiker bemängeln in Libyen immer wieder massive Verstöße gegen die Menschenrechte der Migranten. Foto: Amru Salahuddien

Rund 200 Migranten, die ebenfalls fliehen wollten, seien gefasst worden. Die Menschen gehörten zu insgesamt 280 Menschen an Bord eines Schiffes, das in dieser Woche bei der Überfahrt nach Europa abgefangen worden war. Unter ihnen waren auch Frauen und Kinder.

Die libysche Küstenwache brachte sie zurück in den Hafen von Tripolis. Dort hingen sie zunächst auf dem Schiff der Küstenwache fest, weil es in Tripolis immer wieder zu Beschuss kommt. Am Donnerstagabend durften sie das Schiff dann verlassen, mussten aber nach IOM-Angaben in einem Landungszentrum im Hafen bleiben.

In Libyen tobt seit 2011 ein Bürgerkrieg. Truppen des einflussreichen Generals Chalifa Haftar sind bis vor Tripolis vorgerückt, wo die international anerkannte Regierung ihren Sitz hat.

IOM zeigte sich wegen des ungewissen Schicksals festgehaltener Migranten extrem besorgt. Die rund 200 gefassten Menschen seien in zwei Lager gebracht worden. Bei einem handele es sich nicht um eine offizielle Einrichtung. Kritiker bemängeln in Libyen immer wieder massive Verstöße gegen die Menschenrechte der Migranten. Diese werden zudem durch Kämpfe und Bombardierungen bedroht.

In Tripolis spitzt sich die Lage zudem zu, weil dort seit rund einer Woche die Wasserversorgung für mehr als zwei Millionen Menschen unterbrochen ist. Diese wurde nach UN-Angaben von einer bewaffneten Gruppe abgeschnitten, die inhaftierte Familienmitglieder freipressen will. Die Gruppe hatte libyschen Medienberichten zufolge eine Station zur Kontrolle der Wasserverteilung gestürmt. Eine derartige kollektive Bestrafung von Millionen Unschuldiger sei abscheulich, erklärte der UN-Nothilfekoordinator für Libyen, Yacoub El Hillo.

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