Folgen der Corona-Krise
Teile der Schülerschaft drohen abgehängt zu werden

Einzelne Schüler drohen in der Corona-Krise abgehängt zu werden - unter anderem, weil nicht alle Schulen im gleichen Maße auf die enormen Herausforderungen reagieren können. Wann wieder regulärer Unterricht stattfindet, bleibt weiter unklar.

Freitag, 10.04.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 17:40 Uhr
Im leeren Klassenzimmer einer Realschule steht ein Stuhl auf dem Tisch. Foto: Marijan Murat

Berlin (dpa) - Eine neue Studie zeigt: Die Coronakrise bringt auch in Deutschland die Bildungsgerechtigkeit in Gefahr. Eine flächendeckende Wiederöffnung der Bildungseinrichtungen nach Ostern halten Experten unterdessen für unwahrscheinlich und wenig sinnvoll.

Im «Schul-Barometer», das am Freitag vom Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie der Pädagogischen Hochschule Zug in der Schweiz veröffentlicht wurde, zeigt sich, dass sich die unterschiedliche Qualität von Schulen in Krisensituationen deutlicher auswirkt. «Bereits vorhandene Unterschiede vergrößern sich. Bessere Schulen kommen mit der Krise besser zurecht», sagte Instituts- und Studienleiter Stephan Huber. Neben Deutschland wurden auch Österreich und die Schweiz in den Blick genommen.

Insgesamt werde die Belastung als «sehr hoch» empfunden, betonte Huber. «Allerdings gehen die einzelnen Gruppen sehr unterschiedlich mit der Situation um. Die Schere geht weit auseinander.» Im Rahmen der Studie wurden mehr als 7000 Menschen aus dem Schulbetrieb - darunter 655 Schulleiter - befragt. Wo es nicht gut laufe, müsse es nach der Wiedereröffnung der Schulen intensive Kompensationsbemühungen geben, forderte Huber. «Sonst drohen Teile der Schülerschaft abgehängt zu werden.»

Die Untersuchung ergab, dass die Kinder und Jugendlichen nach der Schließung der Schulen deutlich weniger Zeit mit schulischen Belangen verbringen als unter normalen Umständen. Nur knapp ein Drittel arbeitet demnach 25 Stunden und länger pro Woche für die Schule. Ein Drittel beschäftige sich dagegen nur 15 Stunden und weniger mit den Schulthemen. «Diese Gruppe macht uns Sorgen, insbesondere die 18 Prozent mit weniger als neun Stunden Lern- und Arbeitszeit in der Woche», sagte Huber. Viele Schulleiter räumten in dem Schul-Barometer eine schlechte technische Ausstattung für den Fernunterricht über das Internet ein.

Wann die Schulen in Deutschland wieder öffnen, hängt auch davon ab, ob die Eltern wieder zur Arbeit gehen können. Doch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte der dpa: «Ich bin mir sicher, dass es nach den Osterferien keinen Unterrichts-Vollstart an den Schulen geben wird.»

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält eine schrittweise Wiederöffnung für sinnvoll. «Einen Kaltstart von null auf hundert nach den Osterferien darf es nicht geben», erklärte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Die Einrichtungen könnten außerdem nur dann wieder in Gang kommen, wenn die Gesundheit von Lehrern und Schülern ausreichend geschützt werde. Gewährleistet werden müssten unter anderem der besondere Schutz von Risikogruppen sowie mancherorts eine Sanierung der Sanitäranlagen.

Ein Experte der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sagte dem «Spiegel», in den nächsten Wochen könnten voraussichtlich die ersten Schüler wieder den Unterricht besuchen. Die Öffnung solle sich zunächst auf die Älteren beschränken, weil man ihnen zutraue, vernünftig mit Schutzmasken umzugehen und den nötigen Abstand zu halten. «Kindergartenkinder können das nicht», wurde der Forscher zitiert. Die Kleinsten sollten erst mal weiterhin zu Hause bleiben.

Die Kultusminister der Länder hatten Ende März vereinbart, dass die Schulabschlussprüfungen trotz Corona-Krise stattfinden sollen. In Hessen und Rheinland-Pfalz gab es unter strengen Hygienevorschriften auch während der Zeit der Schulschließungen Abiturprüfungen.

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