Kampf gegen die Pandemie
Merkel sieht «Anlass zu vorsichtiger Hoffnung»

Schönes Wetter, freie Tage - trotzdem sollen die Menschen an Ostern die harten Regeln im Kampf gegen das Coronavirus beachten. Tun sie dies, soll es erste Schritte zurück in den Alltag geben. Die Kanzlerin warnt aber vor Leichtsinn.

Donnerstag, 09.04.2020, 17:12 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 18:09 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz zum Kampf gegen das Coronavirus. Foto: Markus Schreiber

Berlin (dpa) - Kurz vor den Ostertagen sieht Kanzlerin Angela Merkel in der Corona-Krise zwar Grund zur Zuversicht, hält eine schnelle Rückkehr zur Normalität aber nicht für möglich.

Die Zahlen zur Ausbreitung des Virus gäben «Anlass zu vorsichtiger Hoffnung», sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag. Beim Lockern der strengen Regeln für Menschen und Wirtschaft müsse man aber in kleinen Schritten vorgehen und die Folgen beobachten. Nach Ostern wollen Bund und Länder über die Beschränkungen beraten. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte das Fest eine «Weggabelung», die darüber entscheide, ob Regeln gelockert werden könnten.

Merkel sagte, es sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig, die Vorgaben weiter zu verschärfen, darüber könne man «sehr froh» sein. «Wir dürfen jetzt nicht leichtsinnig sein, wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen», mahnte die Kanzlerin. Ihr Maßstab bleibe, das Gesundheitssystem nicht zu überfordern, damit jeder Patient behandelt werden könne. Der Anstieg der Neuinfektionen habe sich verlangsamt, aber man wisse nicht, wie Lockerungen sich auswirkten. Man werde noch «auf längere Zeit in und mit dieser Pandemie leben müssen». Was das für die Sommerferien und -urlaube bedeuten könnte, sagte Merkel nicht, sondern erklärte: «Ich denke jetzt mal tageweise.»

Gesundheitsminister Spahn mahnte, dass das Verhalten der Bundesbürger über Ostern entscheidend sei: «Bleiben wir auch übers Wochenende konsequent, wird die schrittweise Rückkehr zur Normalität wahrscheinlicher. Werden wir jetzt nachlässig, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Verlängerung der Auflagen nötig wird», sagte er. Die Einschnitte in den Alltag zeigten Wirkung. So gebe es bei fast 110 000 Infizierten mehr als 50 000 Gesundete. Die Zahl neu gemeldeter Infektionen flache ab.

Es gelte nun aber, diese ersten Erfolge nicht zu gefährden, sagte Spahn. Es müsse noch über Wochen und Monate etwa auf Festivals, Clubbesuche oder Volksfeste verzichtet werden. Auch Merkel sagte, solange es keinen Impfstoff und keine Medikamente gegen das Virus gebe, müssten Regeln wie niemandem die Hand zu geben, Handhygiene und Abstand halten das tägliche Leben kennzeichnen. Sie sei froh über die «Grundstimmung» in Deutschland, mitzumachen und anderen zu helfen.

Für ein vorsichtiges Vorgehen beim Weg aus der Krise warb auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU): «Es ist auch für die Wirtschaft besser, wenn wir einige Tage länger diszipliniert durchhalten, als wenn wir zu früh beginnen und dann Lockerungsmaßnahmen wieder zurücknehmen müssen», sagte er und sprach von einem «ersten Silberstreif», aus dem aber noch ein verlässlicher Trend werden müsse.

Der Bedarf an Schutzmasken bleibt nach Einschätzung der Regierung über Monate hoch - es werden demnach Milliarden benötigt, von einfachen Alltagsmasken bis zu Spezialmasken für medizinisches Personal. Der Bund ist daher in eine Beschaffung eingestiegen und will über Anreize eine einheimische Masken-Produktion aufbauen. So soll die Abhängigkeit etwa vom asiatischen Markt reduziert werden.

Ob die Bundesländer einheitlich vorgehen sollten beim Lockern der Corona-Regeln, ließ Merkel offen - die Infektionslage sei sehr unterschiedlich, sagte sie. In verschiedenen Bereichen werde es «schrittweise, kleine Öffnungen» geben. Sie halte «überhaupt nichts», davon, Jüngeren mehr Freiheiten zu gewähren und älteren Menschen, die besonders gefährdet sind, Kontakte weiter zu untersagen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder plädierte dafür, regionale Besonderheiten zu berücksichtigen. Allerdings sollte «so viel gemeinsam geschehen wie möglich», sagte der CSU-Chef der Deutschen Presse-Agentur. «Leider scheren jetzt schon einzelne Länder aus. Wir sollten aber in Deutschland eine Linie behalten.» Söder warnte erneut davor, dass zu frühe Lockerungen sich später rächen könnten: «Wer aus Ungeduld zu früh und zu viel lockert, riskiert Leben.»

Für ein möglichst einheitliches Vorgehen plädierte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Zwar habe man in den Ländern sehr unterschiedliche Situationen - zum Beispiel hinsichtlich der Zahl der Infektionen, sagte der SPD-Politiker im ZDF-«Morgenmagazin». Dennoch wäre es sehr hilfreich, wenn die Länder «im gleichen Schritt in die gleiche Richtung gehen, dass da keine Verwirrung entsteht».

Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (CDU) sprach sich dafür aus, das öffentliche Leben nach Ostern behutsam in eine «verantwortbare Normalität» zurückzuführen. «Es wird nichts mehr sein wie vorher», sagte Laschet. «Aber es wird so viel wie möglich von unseren Freiheiten wieder entstehen - in neuer Rücksichtnahme, neuer Verantwortung und in Distanz.» Die Lockerung der Corona-Auflagen werde «behutsam» und «nicht mit einem Schlag» gehen. «Aber dass wir nach Ostern diesen Versuch wagen sollten, davon bin ich überzeugt.»

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