NRW-Gesundheitsminister Laumann: kein Verständnis für Hysterie „Isolierbetten sind nicht für Corona“

Düsseldorf (WB). NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kennt nur noch ein Thema: das Coronavirus. Kein Bundesland hat mehr infizierte Bewohner als Nordrhein-Westfalen. Offensichtlich liegt das zum einen an der Bevölkerungsdichte und zum anderen an der Karnevalssaison. An­dreas Schnadwinkel hat mit Karl-Josef Laumann gesprochen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Wie groß ist Ihre Sorge wegen des Coronavirus?

Karl-Josef Laumann : Natürlich bin ich besorgt, weil das Virus mitten in Nordrhein-Westfalen angekommen ist. Wir haben etwas mehr als 70 infizierte Personen. Diese positiven Fälle gehen zumeist auf den Karneval im Kreis Heinsberg zurück, wie auch die jüngsten Fälle in Bonn.

Lässt sich das Virus derzeit noch regional eingrenzen?

Laumann : Noch können wir die Fälle einigermaßen regionalisieren. Aber das wird nicht ewig so bleiben, das sehen wir auch in anderen Ländern.

Wie beurteilen Sie die Hamsterkäufe?

Laumann : Die Menschen in Nordrhein-Westfalen und in ganz Deutschland haben keinen Grund, hektisch oder hysterisch zu werden. Wir wissen jetzt aus Heinsberg, dass die meisten Fälle einen flachen Verlauf haben. Das heißt, die Menschen sind nicht sehr krank. Deswegen haben wir uns entschieden, bei den leichten Fällen auf häusliche Quarantäne zu setzen. Von den etwa 70 infizierten Menschen sind 85 Prozent zuhause und werden von ihren Hausärzten versorgt.

Wie werden die Corona-Patienten behandelt?

Laumann : Man muss sich das wie eine leichte Grippe vorstellen. Einen Impfstoff gibt es noch nicht. Die Behandlung ist wie bei einer Grippe: fiebersenkende Medikamente, viel trinken, viel schlafen. Die schweren Verläufe müssen klinisch behandelt werden, wie die beiden Personen in der Uniklinik Düsseldorf.

Womit können Sie die Menschen in NRW beruhigen?

Laumann : Unser Gesundheitssystem ist schon gewaltig. Wir haben für 18 Millionen Einwohner in NRW 80.000 Ärztinnen und Ärzte und 118.000 reguläre Krankenhausbetten. Die Menschen können sich darauf verlassen, dass sie auf ein gut aufgestelltes Gesundheitswesen treffen, wenn sich das Coronavirus weiter ausbreiten sollte.

Sind Sie als Gesundheitsminister im Moment Krisenmanager?

Laumann : Ich beschäftige mich jeden Tag den ganzen Tag mit dem Coronavirus. Ich muss dafür sorgen, dass das Gesundheitssystem funktioniert. Es muss genug Personal und Material da sein. Und wir wollen so lange wie möglich versuchen, die Fälle örtlich einzugrenzen. Deswegen ist es auch gerechtfertigt, Menschen mit Kontakt zu Infizierten zu bitten, zuHause zu bleiben und sich testen zu lassen. Ob die örtliche Eingrenzung in vier oder acht Wochen noch funktionieren wird, kann ich nicht sagen.

Wie sollten sich Leute verhalten, die Symptome an sich zu erkennen glauben?

Laumann : Zuerst, und das ist wichtig, den Hausarzt anrufen – nicht sofort in die Praxis gehen. Der Hausarzt kann in einem Telefongespräch einschätzen, ob das Risiko einer Infektion besteht. Denn Tausende in NRW haben derzeit eine Grippe. Wachsamkeit ist richtig, Vertrauen ist wichtig.

Haben Sie Vertrauen in die kommunalen Gesundheitsämter?

Laumann : Im Kreis Heinsberg mit seinen 200.000 Einwohnern sehen wir, dass die Kreisverwaltung und das Gesundheitsamt sehr gute Arbeit machen. Daran erkenne ich, dass es funktioniert. Und Kompetenzgerangel lasse ich gar nicht zu. Ich telefoniere jeden Tag mit dem Landrat und mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Für die Bürger sind wir – der Landrat, Jens Spahn und ich – der Staat. Da interessiert es keinen, wer für was genau zuständig ist. Die Bürger wollen, dass die Strukturen ineinander greifen. Und ich finde die Strukturen gar nicht schlecht, denn die Ortskenntnis der Gesundheitsämter in den Kreisen und Kommunen und die Verbindungen zu den Ärzten und Krankenhäusern sind in einer solchen Situation mit Geld nicht zu bezahlen.

Manche fordern drastische Maßnahmen, wie ein Landeverbot für Flugzeuge aus China in Deutschland. Was halten Sie davon?

Laumann : In einer globalisierten Welt muss die Verhältnismäßigkeit stimmen. Das öffentliche und wirtschaftliche Leben muss irgendwie weitergehen. Ich bin ja schon ein bisschen länger in der Politik und habe Vogelgrippe und Schweinegrippe erlebt. Da gab es genau die Sondersendungen und Berichte wie heute. Damals war ich genau so bei „Hart, aber Fair“ wie an diesem Montag auch.

Und was war damals noch so?

Laumann : Irgendwann gab es einen Impfstoff, und wir haben als Land sehr viel Geld in Kapazitäten investiert. Und als ich den Impfstoff hatte, ließ sich nur ein Drittel der Bevölkerung impfen. Auch in Jahren mit starker Grippewelle gehen nur etwa 20 Prozent der Leute zur Impfung, 80 Prozent ignorieren es. Deswegen habe ich nicht so viel Verständnis für die Hysterie. Das Robert-Koch-Institut hat Corona wie die Influenza eingestuft, wobei Corona ansteckender ist.

Was halten Sie denn für Hysterie?

Laumann : Wenn manche Medien Panik machen, weil NRW „nur“ 60 Isolierbetten hat. Diese Betten braucht man für höchstansteckende Erreger wie Ebola. Jetzt, da wir die schweren Coronafälle isolieren, reicht dafür ein Einzelzimmer im Krankenhaus völlig aus.

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