NRW-Innenministerium bestätigt: Beim SEK sind Patronen verschwunden Polizeimunition in falschen Händen

Düsseldorf (WB). Besonders durchschlagskräftige Munition der nordrhein-westfälischen Polizei ist in falsche Hände gelangt. Das bestätigte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums dem WESTFALEN-BLATT.

Von Christian Althoff
Ein Spezial-Einsatz-Kommando aus NRW beim Training: Munition dieser Einheiten ist bei einem „Prepper“ aufgetaucht.
Ein Spezial-Einsatz-Kommando aus NRW beim Training: Munition dieser Einheiten ist bei einem „Prepper“ aufgetaucht. Foto: Jochen Tack/obs

Die Munition, die eigens für die nordrhein-westfälischen Spezial-Einsatz-Kommandos (SEK) hergestellt worden war, wurde vor geraumer Zeit bei einer Razzia in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Oberstaatsanwältin Claudia Lange von der Staatsanwaltschaft Schwerin sagte, man habe sie bei Marko G. entdeckt. Der 49-Jährige war zentrales Mitglied einer „Prepper”-Gruppe namens „Nordkreuz”. Als „Prepper” (englisch: to prepare, vorbereiten) werden Menschen bezeichnet die innere Unruhen, Umstürze oder Naturkatastrophen erwarten. Zwei Mitglieder der Gruppe „Nordkreuz”, der Privatleute, Polizisten und Soldaten angehörten, sollen sich auf die Tötung politischer Gegner vorbereitet haben. Gegen sie ermittelt die Generalbundesanwaltschaft. Marko G. gilt als Zeuge.

Ministeriumssprecherin Leoni Möllmann: „Unter welchen Umständen die Munition in fremde Hände gelangt ist, wissen wir noch nicht. Das ermitteln die Staatsanwaltschaft Schwerin und das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern.” Mögliche dienstrechtliche Konsequenzen könnten erst nach Abschluss der Ermittlungen gezogen werden.

Marko G. war Soldat, bevor er Polizist wurde und zum SEK Mecklenburg-Vorpommern ging. Nachdem er ins Fadenkreuz von Ermittlungen geriet, wurde bei ihm durchsucht. Polizisten fanden eine Maschinenpistole mit Schalldämpfer, Gewehre, Pistolen und 55.000 Schuss Munition – darunter auch solche aus NRW. Oberstaatsanwältin Claudia Lange: „Über die Chargennummer auf den Packungen konnten wir feststellen, dass sie für die Polizei in Nordrhein-Westfalen hergestellt worden war.” Eine weitere Eingrenzung, etwa von welchem SEK sie stamme, sei nicht möglich. Außerdem wurde auf dem Handy von Marko G. ein Bild Adolf Hitlers mit „Happy Birthday” gefunden, das Marko G. am 20. April 2017, dem Geburtstag Hitlers, verschickt hatte.

Staatsanwaltschaft in Revision gegangen

Die Verbindung zwischen Polizisten aus NRW und Marko G. könnte der private Schießplatz „Großer Bockhorst“ in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) sein, wo sowohl Spezialeinheiten aus NRW als auch der SEK-Beamte Marko G. trainierten. Ob er die Munition direkt von seinen Kollegen bekam, oder ob das über den Schießtrainer Frank T. von der Firma „Baltic Shooters” lief, die dort Trainings anbot – dazu gibt es von den Ermittlern keine Auskünfte. Ein Bielefelder Beamter sagte dem WESTFALEN-BLATT, man habe seinerzeit bei Frank T. Munition gegen solche getauscht, die sich besser für das Training geeignet habe. Ob das stimmt, ist unklar.

Marko G., der inzwischen suspendiert ist, wurde im Dezember vom Landgericht Schwerin wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu 21 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil die Staatsanwaltschaft in Revision gegangen ist. Sie nimmt G. nicht ab, dass er die Munition nur „privat” gesammelt habe. Der Staatsanwalt hatte im Plädoyer erklärt, Marko G. habe Waffen und Munition beschafft, um sich mit „Nordkreuz”-Mitgliedern auf den “Tag X” vorzubereiten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7305235?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198335%2F