Taiwans Repräsentant hält Umgang mit Coronavirus für riskant – Besuch in Herford
„China gefährdet globale Gesundheit“

Herford (WB). Der Repräsentant Taiwans in Deutschland, Prof. Dr. Jhy-Wey Shieh (65), sieht in Chinas Umgang mit dem Coronavirus eine Gefahr für die globale Gesundheit . „Es ist bekannt, dass der Ausbruch schon im Dezember war und China versuchte, das zu verheimlichen. In einem nicht-autoritären Staat hätte man davon einen Monat eher gewusst und entsprechend schneller reagieren können“, sagte der diplomatische Vertreter vor seinem Besuch bei einer Veranstaltung der Bezirks-FDP in Herford dem WESTFALEN-BLATT.

Samstag, 08.02.2020, 16:30 Uhr aktualisiert: 08.02.2020, 16:50 Uhr
Auch Taiwan ist vom Coronavirus betroffen. Taiwans Repräsentant Jhy-Wey Shieh (rechts) kritisiert China. Foto: dpa/Schnadwinkel

Shieh: Dunkelziffer vermutlich wesentlich höher

Shieh vermutet, dass die Dunkelziffer wesentlich höher sei als die offiziell bestätigten Fälle. „Sonst wäre es nicht nötig, Millionenstädte abzuriegeln.“ Sein Land, das von der Volksrepublik China als Teil ihres Territoriums betrachtet und als „Republik China“ bezeichnet wird, hält er für besonders gefährdet. Der Grund: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verweigere Taiwan auf Druck Chinas die Mitgliedschaft und damit Informationen zur Eindämmung des Virus’.

Kritik gegen WHO-Generaldirektor

„Schon bei der Sars-Pandemie 2003 verhinderte China, dass Taiwan direkt mit der WHO in Kontakt treten konnte und dass WHO-Experten nach Taiwan einreisen konnten. Dadurch verloren wir zehn Tage bei der Bekämpfung von Sars und hatten 20 Tote, die sonst überlebt hätten“, sagt Shieh. Seine Kritik richtet er vor allem gegen WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dem Äthiopier wirft er vor, die WHO zum politischen Handlanger Chinas degradiert zu haben. „Die WHO kooperiert eng mit China. Die Chinesen sagen, dass sie sich medizinisch um Taiwan kümmern würden. Und die WHO lehnt uns als Mitglied ab, weil wir Teil Chinas seien. Dabei hat China keinen einzigen Tag Taiwan regiert. Sonst wäre Taiwan kaum in der Lage, wegen des Coronavirus alle chinesischen Flüge nach Taiwan zu verbieten“, sagt Shieh.

„Viren kennen keine Grenzen“

Seinen Vorwurf, dass die chinesische Isolationspolitik gegenüber Taiwan die globale Gesundheit gefährde, findet er nicht übertrieben. „Unser Flughafen ist ein Knotenpunkt mit mehr als 45 Millionen Fluggästen pro Jahr. Und in Taiwan leben viele zigtausende Menschen aus aller Welt, die sich als Unternehmer oder Studenten international bewegen. So nimmt die WHO in Kauf, dass nicht nur Taiwan darunter leidet. Denn Viren kennen keine Grenzen.“

Von befreundeten Ländern informiert

Von befreundeten Ländern wie den USA, Kanada, Japan, Australien, Deutschland und Frankreich wird Taiwan über die Maßnahmen der WHO gegen das Virus informiert. Auch wegen Erfahrungen mit Sars von 2003 sei das Coronavirus derzeit unter Kontrolle. Generell sei Taiwan seit der japanischen Kolonialherrschaft medizinisch „traditionell gut aufgestellt“.

Und wie fühlt er sich im Moment als Asiate in Europa? Wird er schief angeguckt? Shieh: „Das hält sich in engen Grenzen. Deutschland geht gelassen damit um, ich habe in den vergangenen zwei Wochen keine einzige Person mit Atemschutz gesehen.“

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