Nordrhein-Westfalen: Hauptschulen extrem betroffen, Gymnasien kaum
Fachfremde Lehrer geben 240.000 Unterrichtsstunden

Düsseldorf/Bielefeld  (WB). Die Lehrer an weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen unterrichten pro Jahr 236.896 Unterrichtsstunden in Fächern, die sie nicht studiert haben, für die sie also keine Lehrbefähigung besitzen.

Freitag, 03.01.2020, 14:28 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 14:14 Uhr

Entsprechende Zahlen hat das Landesschulministerium in Düsseldorf veröffentlicht. Demnach wird jede sechste Stunde an einer weiterführenden Schule von einem fachfremden Lehrer gegeben. „Nur in Chemie ist das nicht erlaubt, weil es da zu gefährlich wäre“, sagt Maike Finnern aus Bielefeld, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Jeder zehnte neu eingestellte Lehrer ein Seiteneinsteiger

Enthalten in diesen Zahlen sind nach Ministeriumsangaben auch die Unterrichtsstunden, die Seiteneinsteiger fachfremd geben. Zuletzt war etwa jeder zehnte in Nordrhein-Westfalen neu eingestellte Lehrer ein Seiteneinsteiger, also keine klassische Lehrkraft mit Pädagogikstudium,

Es trifft vor allem die Hauptschüler in Nordrhein-Westfalen: Im Landesdurchschnitt bekommen sie 42 Prozent der Unterrichtsstunden von fachfremden Lehrern. Am anderen Ende der Skala stehen die Gymnasien: Hier unterrichten im Landesdurchschnitt Lehrer nur in sieben Prozent der Stunden Fächer, die sie nicht studiert haben.

„Haben in NRW zu wenig Lehrer“

„Das Grundproblem ist, dass wir in NRW zu wenig Lehrer haben“, sagt die Gewerkschaftsvorsitzende Maike Finnern. „Und weil Lehrer ungleich bezahlt werden und an Gymnasien am meisten verdienen, trifft die Personalnot die anderen Schulformen überdurchschnittlich. Gymnasien haben in der Regel große Lehrerkollegien und können deshalb mehr Fächer mit entsprechend ausgebildeten Lehrern abdecken.“

Das Problem sei nicht neu, sagt die GEW-Vorsitzende: „Ich habe Deutsch studiert, aber zusätzlich Geschichte und Politik unterrichtet, weil dafür die Lehrer an unserer Schule fehlten.“ Das Wissen für die Fächer, die man nicht studiert habe, müsse man sich selbst vermitteln, sagt Maike Finnern. „Das bedeutet dann für solche Kollegen zusätzliche Arbeit.“ Die mache man aber freiwillig: „Oft sind es die Klassenlehrer, die dann einspringen.“

„Hauptschulen benachteiligt“

Dass an Hauptschulen so viel fachfremder Unterricht erteilt wird, liegt nach Angaben des Schulministeriums auch daran, dass dort das Prinzip gelte, dass Klassenlehrer möglichst viele Fächer unterrichten. „Trotzdem bleiben die Hauptschulen benachteiligt“, sagt Maike Finnern. „Dort müssen Lehrer 28 Stunden unterrichten, an Gymnasien nur 25,5. Hauptschulen engagieren sich im Gegensatz zu vielen Gymnasien auch bei der Inklusion, und sie haben ein schwierigeres Klientel. Von daher müsste die Politik sie Arbeitsbedingungen an den Hauptschulen verbessern.“

Im Regierungsbezirk Detmold (Ostwestfalen-Lippe) stellte sich die Lage an den weiterführenden Schulen 2019 so dar: In Hauptschulen wurde 36 Prozent des Unterrichts von fachfremden Lehrern erteilt, in Realschulen waren es 16 Prozent. In Sekundarschulen (Ganztagsschulen für die Klassen 5 bis 10) waren es 24 Prozent. in Gemeinschaftsschulen (gemeinsamer Unterricht in den Klassen 5 und 6, danach Differenzierung) 17 Prozent, in den Gesamtschulen 16 Prozent und in Gymnasien sechs Prozent.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7168293?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198335%2F
Touristen müssen bis 2. November raus aus Schleswig-Holstein
Hinweis auf die Maskenpflicht in Timmendorfer in Schleswig-Holstein Strand.
Nachrichten-Ticker