Landwirte protestieren gegen Agrarpläne der Bundesregierung Bauernproteste: mit Verspätung nach Bielefeld

Bielefeld/Bonn (WB/dpa/fw). Bauern aus ganz Nordrhein-Westfalen sind am Montag mit ihren Traktoren aus Protest gegen die Agrarpolitik in Kolonnen durch den Straßenverkehr gefahren. Gegen Mittag zählte die Polizei landesweit rund 1200 Fahrzeuge, die auf verschiedenen Routen unterwegs waren.

Protestierende Landwirte stehen mit einem Traktor für Kinder in Düsseldorf. Mit Traktoren-Konvois durch Nordrhein-Westfalen wollen Bauern erneut gegen die Agrarpläne der Bundesregierung demonstrieren. In einem Konvoi wollen Landwirte bis Bielefeld fahren.
Protestierende Landwirte stehen mit einem Traktor für Kinder in Düsseldorf. Mit Traktoren-Konvois durch Nordrhein-Westfalen wollen Bauern erneut gegen die Agrarpläne der Bundesregierung demonstrieren. In einem Konvoi wollen Landwirte bis Bielefeld fahren. Foto: David Young/dpa

»Wir stehen derzeit mit 80 Schleppern in Oelde«, berichtet Landwirt Mirko Schmale am Montag gegen 18.30 Uhr. Der Bauer aus Rahden im Kreis Minden-Lübbecke ist einer der Organisatoren der Protestfahrt. Wenn der Konvoi aus Hamm, der aus etwa 400 Traktoren bestehen soll, in Oelde eintrifft, geht die gemeinsame Fahrt nach Bielefeld weiter. »Wir rechnen jetzt damit, dass wir gegen 20.30 Uhr da sind«, prognostiziert Schmale.

Protest richtet sich gegen die »Auflagenflut«

Der Bauer ist seit dem Montagmorgen unterwegs – und sitzt derzeit auf einem Traktor mit dem Ziel Bielefeld. »Die aktuelle Politik, die in Sachen Landwirtschaft und Umweltschutz betrieben wird, ist ein Griff ins Klo«, kritisiert der 31-Jährige die Bundesregierung scharf. Dabei legt Schmale aber großen Wert auf die Feststellung, dass die Landwirte nicht gegen Umweltschutz demonstrieren. »Wir protestieren gegen die Auflagenflut«, sagt er.

Obwohl die Proteste oft zu Verkehrsbehinderungen und Wartezeiten führen, seien viele Bürger auf der Seite der Landwirte, sagt Rita Rehring, Sprecherin des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands im Kreis Herford. »Seit Beginn spüren wir die Unterstützung der Bevölkerung«, sagt sie im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT-

Protestzüge starteten am Morgen im Ruhrgebiet

Besonders viele Fahrzeuge bewegten sich am Nachmittag durch das Ruhrgebiet. Die Dortmunder Polizei zählte etwa 730 Fahrzeuge, die einen 12 Kilometer langen Konvoi bildeten. Die Polizei kündigte an, Auffahrten auf die A40 zu sperren.

Zuvor waren Hunderte Traktoren bereits in Essen und Bochum durch die Innenstädte gefahren. Die Bochumer Polizei berichtete von erheblichen Verkehrsstörung. »Halten Sie durch!«, munterte sie über Twitter die Autofahrer auf.

Darum gehen die Bauern auf die Straße

Viele Bauern sehen unter anderem durch Vorgaben beim Einsatz von Düngemitteln, beim Pflanzenschutz und bei der Tierhaltung ihre Betriebe in Gefahr - und sich in ein schlechtes Licht gerückt. »Wir sind keine Tierschänder und Umweltverschmutzer«, heißt es auf der Homepage der Organisatoren der Proteste. Am Dienstag ist eine Kundgebung der Bauern in Berlin geplant.

In Düsseldorf forderte Nordrhein-Westfalens Agrarministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) Verbraucher und Handel auf, ihrer Verantwortung für eine nachhaltige und auskömmliche Landwirtschaft gerecht zu werden. »Wir schaffen nur dann mehr Tierwohl, wenn tatsächlich die Preise stimmen«, sagte Heinen-Esser vor Bauern.

»Wer mehr will, der muss dafür bezahlen«

Die Verbraucher seien gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und forderten mehr Tierwohl. »Aber sie rennen gleichzeitig zu den Discountern und wollen möglichst wenig für Fleisch und sonstige Produkte bezahlen«, kritisierte die Ministerin. Das könne nicht funktionieren. »Wer mehr will, der muss dafür bezahlen«, betonte die Ministerin.

Heinen-Esser kündigte eine Initiative gegen den Verkauf von Agrarprodukten unter dem Einstandspreis an. »Das wird ein harter Ritt werden - aber das müssen wir durchziehen.« Ohne faire Preise könne das System nicht funktionieren, betonte die Ministerin.

Bauern fuhren in Köln auf die Domplatte

Die Organisatoren vom Netzwerk »Land schafft Verbindung« rechnen für den ganzen Tag mit einigen Tausend Teilnehmern, die mit ihren Traktoren bei je einer der Etappen dabei sein wollten.

In Köln fuhren Bauern auf die Domplatte, wo die Landmaschinen gesegnet wurden. »Ohne Landwirtschaft wärst Du hungrig, nackt und nüchtern«, stand dort auf einem Transparent auf einem Traktor.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7088378?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198335%2F