Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer im Interview AKK: »Wir sind für einen Wahlkampf gut aufgestellt«

Leipzig (WB). Nach dem Parteitag der Union in Leipzig fühlt sich die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gestärkt. Es sei alles so gelaufen, wie sie sich das erhofft habe, so Kramp-Karrenbauer im Gespräch mit Hagen Strauß. Sollte die SPD die Koalition im Dezember platzen lassen, sei die CDU vorbereitet.

Leipzig: Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU und Verteidigungsministerin, spricht die Schlussworte beim 32. CDU-Bundesparteitag.
Leipzig: Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU und Verteidigungsministerin, spricht die Schlussworte beim 32. CDU-Bundesparteitag. Foto: dpa

Frau Kramp-Karrenbauer, sind Sie nach dem Parteitag erleichtert?

Annegret Kramp-Karrenbauer: Ja. Ich bin zufrieden nach diesem Parteitag und fühle mich unterstützt. Ich konnte meine Ziele deutlich machen und den Weg, wie ich sie erreichen möchte. Es ist alles so gelaufen, wie ich mir das erhofft habe.

Sie haben die Vertrauensfrage gestellt. Wie oft kann man das als Parteivorsitzende machen?

Ich habe die CDU gefragt, ob sie den Weg hin zu einer starken Mitte gemeinsam mit mir gehen will. Die Partei hat darauf klar geantwortet. Für mich ist das eine gute Grundlage für die nächsten Monate.

Eine solche Frage kann man eigentlich nur einmal stellen.

Mir ging es darum, dass klar wird, wir als CDU sind die führende Kraft in Deutschland. Wir starten eine programmatische Erneuerung der Partei. Und wir verbreitern uns personell und verbessern uns organisatorisch. Das war mein Angebot an die Partei. Dieses Angebot hat sie in Leipzig angenommen. Für mich persönlich ist das eine gute Arbeitsgrundlage für das nächsten Jahr.

»Ich will, dass alle mitmachen«

Hat die Union nach wie vor mehrere Kanzlerkandidaten – oder jetzt nur noch Sie?

Wir haben viele starke Köpfe in der Union. Mehr als in anderen Parteien. Das zeigt unsere Qualität als Volkspartei. Ich habe immer gesagt, ich will Vorsitzende einer Partei sein mit starken Köpfen neben mir. Ich will, dass alle mitmachen. Denn wir werden jeden brauchen, um die bestimmende Kraft der Mitte bleiben zu können.

Friedrich Merz hat nicht den Eindruck hinterlassen, dass er in der K-Frage locker lassen will. Beunruhigt Sie das?

Ich bin mit Friedrich Merz in einem sehr konstruktiven Austausch. Er hat mich unterstützt bei der Suche nach einer Lösung für die Grundrente. Insofern habe ich ein sehr entspanntes Verhältnis zu Friedrich. Er zu mir auch.

Fühlen Sie sich nun sicherer nach dem Parteitag?

Es war ein Arbeitsparteitag. Das habe ich mir so gewünscht. Wir sind programmatisch gut vorangekommen. Der weitreichende Digitalantrag wird seine Wirkung jetzt entfalten. Wir haben es geschafft, im Bereich Landwirtschaft und Naturschutz einen vernünftigen Ausgleich zu finden. Und vieles mehr. Das ist ein gutes Gefühl.

»Ruhe habe ich sowieso nicht«

Wie lange werden Sie jetzt Ruhe haben vor ihren Kritikern?

Ruhe im Sinne von nichts zu arbeiten habe ich sowieso nicht. Wichtige Projekte müssen jetzt finalisiert werden. Da denke ich zum Beispiel an das Klimapaket und den Kohleausstieg. Wir müssen allerdings abwarten, was bei der SPD passiert.

Sie haben in ihrer Rede Koalitionstreue gezeigt. Erwarten Sie das auch von der SPD?

Es bleibt dabei: Wir wollen Verantwortung tragen in dieser Koalition. Es gibt für uns keinen Grund, den Koalitionsvertrag neu zu verhandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir weiterarbeiten. Ob die SPD das auch so will, muss sie entscheiden.

Stellen Sie sich insgeheim schon auf einen Wahlkampf nach dem Parteitag der SPD im Dezember ein?

Wenn es nach mir geht, dann nicht. Aber als Parteichefin muss ich mich auf alle möglichen Szenarien einstellen. Die CDU ist auch für einen Wahlkampf gut aufgestellt.

Im Vorfeld des Parteitages haben Sie eigene Fehler eingeräumt. Deswegen: Wird man Sie im Februar wieder als Putzfrau auf der Karnevalsbühne sehen?

2020 wird das wegen der Terminlage aller Wahrscheinlichkeit nicht gehen.

Wenn Sie mehr Zeit hätten, würden Sie wieder auftreten – trotz der Kritik daran?

Ich bin und bleibe vom Herzen her eine Karnevalistin.

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