Verbandspräsident: Nährwertkennzeichnung reicht nicht aus
Kinderärzte wollen Verbot von Dickmacher-Werbung

Berlin (WB). Immer mehr Kinder sind fettleibig oder gar zuckerkrank. Deutschlands oberster Kinderarzt fordert deshalb ein Werbeverbot für sogenannte Kinderlebensmittel.

Mittwoch, 30.10.2019, 05:45 Uhr aktualisiert: 30.10.2019, 06:01 Uhr
Piet schmeckt’s – aber gesund ist’s nicht. Foto: dpa

Im Einsatz für eine gesunde Ernährung habe die Politik bislang völlig versagt und müsse dringend handeln, sagte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), im Interview. »Wir brauchen ein Werbeverbot für sogenannte Kinderlebensmittel, die es ja tatsächlich gar nicht gibt«, sagte Fischbach. Nach dem ersten Lebensjahr könnten Kinder eigentlich alles essen, von besonders scharfen Gerichten mal abgesehen.

»Anstrich« für Milchschnitte und Kinderschokolade

»Trotzdem erwecken Lebensmittelkonzerne mit Dinosaurier-Bildern oder strahlenden Jungen und Mädchen auf der Verpackung den Eindruck, es gäbe Lebensmittel für Kinder«, kritisiert Fischbach. Milchschnitte und Kinderschokolade erhielten den Anstrich, ein sinnvoller Bestandteil des Nahrungsmittelkatalogs zu sein. »Das ist verantwortungslos und muss gestoppt werden!«, sagte Fischbach.

Die Folgen der grassierenden Fettsucht schon der Kleinen habe dramatische Folgen, vom Leid der Betroffenen bis zu den Kosten für das Gesundheitssystem. Die von Ernährungsministerin Julia Klöckner angekündigte Einführung einer verständlichen Nährwertkennzeichnung, dem Nutri-Score, sei zwar »ein kleiner Schritt« zu mehr Prävention. »Aber das reicht bei weitem nicht, Adipositas einzudämmen.«

Zu schwach: Kritik an der Strategie der Regierung

Zuckerbomben seien alles andere als kindgerecht. Ein Eingreifen sei umso wichtiger, als Geschmacksvorlieben im frühkindlichen Alter geprägt würden. Auch die Strategie der Bundesregierung für zucker- und fettreduzierte Rezepte in Fertigprodukten sei »viel zu schwach«, schimpft Fischbach. »Die Folge der politischen Verzagtheit sind immer mehr übergewichtige und kranke junge und ältere Menschen.«

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