Rüdiger Lucassen löst den Mindener Thomas Röckemann ab
Ex-Soldat übernimmt NRW-AfD

Kalkar (WB). Bei der Wahl des AfD-Landeschefs in Nordrhein-Westfalen hat sich das gemäßigte Lager gegen den rechtsnationalen Flügel durchgesetzt. Zum neuen Vorsitzenden bestimmten die Delegierten eines außerordentlichen Landesparteitags am Samstag in Kalkar den Bundestagsabgeordneten Rüdiger Lucassen.

Montag, 07.10.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 06:38 Uhr
In Kalkar gewählt: Rüdiger Lucassen. Foto: dpa

Der Schrecken von Warburg begleitet wohl die meisten der etwa 580 Delegierten, als sie am Samstag zum AfD-Landesparteitag nach Kalkar kommen. Wo einst der Schnelle Brüter zur Bauruine wurde, die nun einen Freizeitpark und ein kleines Messegelände beherbergt, werden sie von einigen hundert Gegendemonstranten empfangen.

Aber die einst zum Schutz eines Atomkraftwerks errichteten Mauern schirmen nun die AfD-Delegierten ab, die hier in Kalkar möglichst das Bild einer heillos zerstrittenen Landespartei abräumen wollen. Drei Monate zuvor war der Versuch, die Vertreter des völkischen Flügels um den bisherigen Co-Sprecher Thomas Röckemann zurückzudrängen, gründlich schief gegangen, sie blieben als einzige an der Parteispitze.

Am Samstag traten sie dann zurück und machten den Weg für einen Neustart frei. Genau den müsse die AfD in Nordrhein-Westfalen – mit etwa 5400 Mitgliedern größter Landesverband - schaffen, mahnte Alice Weidel, die Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion. »Der Landesverband ist mächtig und trägt große Verantwortung.« In NRW werde über Erfolge bei Bundestagswahlen entschieden, sagt Weidel.

Die Delegierten halbierten die bisherige Doppelspitze auf einen Sprecher mit drei Stellvertretern. Und dann wählten sie: Mit 341 Stimmen (59,6 Prozent) setzte sich der 68-jährige Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundeswehroberst Rüdiger Lucassen als Landessprecher gegen den aus Minden stammenden Röckemann durch, der 215 Stimmen (39,9) erhielt. Zu Stellvertretern wurden Matthias Helferich (56,8 Prozent) aus Dortmund, der dem nationalkonservativen Lager zugerechnet wird, sowie Martin Schiller aus Münster (51,2) und Andreas Schild aus Unna (57,7) gewählt. Damit ließen die Delegierten die Vertreter des vom thüringischen AfD-Rechtsaußen Björn Höcke geprägten völkischen »Flügels«, als dessen Sympathisant Thomas Röckemann gilt, abblitzen. Röckemann selbst sieht sich nicht als »Flügel«-Anhänger. »Ich sehe mich als Parteifreund, der graswurzelbewegt ist«, sagte er am Rande des Parteitags. Er vertrete jedes Parteimitglied. »Wir haben keine Ex­tremisten in unserer Partei«, ergänzte er.

Unterstützung für Höcke

Lucassen vermied eine klare Distanzierung zum »Flügel«. Der sei »nicht das Problem«, die Auseinandersetzung mit ihm sei notwendig und sinnvoll. »Ich bin keinem Lager zuzurechnen«, sagte Lucassen später vor Journalisten und kündigte an, er werde Höcke kommende Woche im Landtagswahlkampf in Thüringen unterstützen. Zugleich verwahrte er sich aber dagegen, den Kurs der AfD in Ostdeutschland auf den Westen zu übertragen. Solche Denkweisen zeugten »von grenzenloser Naivität«.

Dagegen hatte Röckemann vor einer zunehmenden Islamisierung und einem neuen Rassismus gewarnt, bei dem »wir Deutschen diesmal die Opfer« seien. Sein Widersacher und früherer Co-Sprecher Helmut Seifen sagte: »Ich glaube, dass heute diejenigen, die glaubten, sie könnten innerhalb der AfD eine eigene AfD gründen, verloren haben.«

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