Deutscher Helfer berichtet von seinem Kampf gegen Ebola im Kongo Angst vor der Katastrophe

Goma/Genf (WB). Der Kongo bekommt die Ebola-Seuche nicht in den Griff. 1600 Tote und 2500 Infizierte markieren den zweitschwersten Ausbruch seit der Entdeckung des Virus 1976. Jetzt hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Von Reinhard Brockmann
In einem Schutzanzug betritt ein Helfer eine Isolationskammer, um einen Ebola-Kranken zu behandeln. Ohne Medikamente sterben etwa 70 Prozent der Infizierten. Die WHO hat den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.
In einem Schutzanzug betritt ein Helfer eine Isolationskammer, um einen Ebola-Kranken zu behandeln. Ohne Medikamente sterben etwa 70 Prozent der Infizierten. Die WHO hat den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Foto: dpa

Markus Diemon, deutscher Nothelfer in Goma, warnt: »Seit dem Übergriff auf diese sehr weitläufige und chaotische Millionenstadt muss alles getan werden, dass es nicht zu einer kritischen Masse von Verdachtsfällen kommt.« Entscheidend werde sein, dass das Überwachungssystem möglichst kleinräumig funktioniert und weitere mögliche Infizierungen sofort weitergegeben werden. Diemon geht davon aus, dass es noch möglich ist, die Bevölkerung entsprechend zu informieren und einzubinden. Entscheidend werde sein, dass die Zahl denkbarer Infektionen gering gehalten wird.

Markus Diemon.

Am Wochenende war ein inzwischen an dem tödlichen Virus gestorbener Priester aus dem Epizentrum der Seuche bei Beni und Butembo mit dem Fernbus nach Goma gereist. 77 Kontaktpersonen wurden sofort geimpft. Bis zum Ablauf der Inkubationszeit von 21 Tagen gilt die höchste Alarmstufe.

Internationale Hilfsorganisationen wie die deutsche Welthungerhilfe, für die der 30-jährige aus Senden-Bösensell (Kreis Coesfeld) im Einsatz ist, fürchten, dass es zur Schließung der Grenzen nach Uganda und Ruanda kommt. Das würde die Versorgung der gesamten Region enorm erschweren. Seit 2017 gilt die politische und humanitäre Lage in der Demokratischen Republik Kongo nach Einschätzung der Vereinten Nationen als genauso kritisch wie in Syrien, im Jemen und im Irak.

Seit Monaten in der Ebola-Prävention

Diemon: »Wir erhoffen uns von der Ausrufung des Gesundheitsnotstands, dass die Finanzierung für alle Partner besser wird und dass inzwischen aufgekommene Lücken wieder geschlossen werden. Einschränkungen im Waren- und Personenverkehr wären für uns katastrophal.« Seit vielen Monaten arbeiten Teams der Bonner Hilfsorganisation und anderer Nichtregierungsorganisationen in der Ebola-Prävention. Dabei gehen eigens ausgebildete Trainer in Schulen und in Haushalte. Skepsis gegenüber Helfern und Unwissen über Ansteckungswege erschweren den Kampf gegen die Ausbreitung der Krankheit.

Hygiene-Pakete und Handwaschstationen in Schulen

»Bisher habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen bereit sind zu lernen und sich mit den bereitgestellten Informationen auseinanderzusetzen, wenn sie frühzeitig in positiver Weise miteinbezogen werden«, sagt die Trainerin Maya Jean-Jacques. Sie und ihre Mitstreiter verteilen Hygiene-Pakete und sprechen vor allem Frauen an, die die Erkrankten meist pflegen. Dabei achten sie auf mögliche noch nicht gemeldete Fälle. In Schulen werden Handwaschstationen mit chloriertem Wasser aufgestellt. Zusätzlich unterstützt die Welthungerhilfe Informationskampagnen im Radio. Diemon: »Wir vertrauen auf unsere gute Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und auf unsere Präsenz in der Region. Nur auf dieser Basis lassen sich Falschmeldungen und Gerüchte rasch widerlegen.«

WHO hofft, weitere Geldgeber zu gewinnen

Die Weltgesundheitsorganisation folgte mit der formalen Feststellung einer »gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite« der Empfehlung ihres Expertenrats in Genf. Sie hofft damit, weitere Geldgeber zu gewinnen. Das Budget für das erste Halbjahr 2019 konnte nur zur Hälfte gedeckt werden. Am Sitz der UN-Organisation in Genf stellte Robert Steffen, der Vorsitzende des WHO-Fachausschusses, aber auch klar: »Es bleibt bei einer regionalen Bedrohung. Es ist nicht erforderlich, Überwachungsstellen an Flughäfen oder anderen Häfen außerhalb der Region einzurichten.«

Schlimmste Ebola-Epidemie forderte 11.000 Todesopfer

2014/15 forderte die bislang schlimmste Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Todesopfer. Ohne Medikamente sterben 70 Prozent der Infizierten. Allein die Welthungerhilfe erreicht mit ihren vom Auswärtigen Amt unterstützten Projekten bis zu 600.000 Menschen. Dabei führt sie selbst keine Impfungen durch, zumal die medizinische Vorsorge allein kein Allheilmittel ist. Zum Alltag der Menschen in den Ebola-Gebieten gehören inzwischen erhebliche Veränderungen. Ständiges Fiebermessen beim Eintritt in Büros und öffentliche Gebäude gilt als ebenso wichtig, wie eine rigorose »No Touch Policy« – keine Umarmung, kein Körperkontakt, kein Händeschütteln. Diemon: »Wir begrüßen uns im Büro und auf der Straße nur noch per Ellenbogen-Check.«

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