Demografischer Wandel könnte Situation weiter verschärfen
In NRW fehlen 10.000 Pflegekräfte

Düsseldorf (WB). Der Pflegekräftemangel hat in Nordrhein-Westfalen noch einmal deutlich zugenommen. Im Jahr 2018 haben nach Expertenrechnung rund 10.000 pflegerische Vollzeitkräfte im Gesundheitswesen gefehlt.

Mittwoch, 08.05.2019, 05:00 Uhr
Pflegekräfte werden dringend gesucht. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP), über die NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) heute im Gesundheitsausschuss des Landtags berichten will. Die Lücke sei damit um 7700 Vollzeitkräfte größer geworden im Vergleich zu einer Analyse von 2015, der zufolge 2300 Vollzeitkräfte gefehlt hatten.

1000 offene Stellen in Ostwestfalen-Lippe

Allein für Ostwestfalen-Lippe wurden mehr als 1000 offene Stellen errechnet. Besonders in der Altenpflege ist die errechnete Fachkräftelücke mit 459 Stellen hoch. In der Gesundheits- und Krankenpflege liegt der errechnete Zusatzbedarf bei 386 Vollzeitstellen. Berücksichtigt werden muss bei diesen Zahlen, dass angesichts hoher Teilzeitquote die Anzahl der tatsächlich benötigten Mitarbeiter sogar noch höher ist.

Die Situation könnte sich zukünftig weiter verschärfen. »Als langfristige Einschätzung ist festzustellen, dass der Mangel an Fachkräften im Gesundheitssystem die Politik für die kommenden Jahre begleiten wird«, betont Laumann. In der Altenpflege seien die Ausbildungszahlen zuletzt zwar stark gestiegen, Grund für allgemeinen Optimismus ist das aber nicht. »In der Ausbildung der Gesundheits- und Krankenpflege und Kinderkrankenpflege wurde keine derartige Steigerung erreicht, die Ausbildungszahlen blieben trotz höherer Anforderungen eher konstant«, bemängelt der NRW-Gesundheitsminister.

Zahl der Pflegebedürftigen steigt

Die Nachfrage nach Pflegekräften dürfte weiter hoch bleiben. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen im Alter zwischen 80 und 100 Jahren hat sich im Regierungsbezirk Detmold in den vergangenen 16 Jahren fast verdoppelt. Wurden im Jahr 2001 noch 47.716 Pflegebedürftige gezählt, waren es 2017 schon 82.407.

Im Kreis Minden-Lübbecke soll sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um 4300 Menschen erhöhen, im Kreis Lippe um 5300. Nur ein geringer Anstieg deutet sich dagegen in Bielefeld an, wo lediglich mit zusätzlichen 2900 Personen gerechnet wird.

Dem Pflegekräftemangel in den Kliniken soll eine seit Jahresanfang geltende Personal-Mindestvorgabe des Bundesgesundheitsministeriums entgegenwirken. Ob die verpflichtende Pflegepersonal-Untergrenze – sie gilt für Intensivstationen sowie in den Abteilungen für Kardiologie, Geriatrie, Unfallchirurgie – in NRW eingehalten wird, sei fürs erste Quartal 2019 nicht bekannt.

Kommentare

Hermann  wrote: 08.05.2019 11:32
Trotz all der lauten Stimmen...
...während des vergangenen Bundestagswahlkampfes (ich erinnere mich an den jungen Mann, Gesundheitspfleger, der der Bundeskanzlerin "zugesetzt hatte" usw.) ist nichts passiert?! Nichts, das weiss ich nicht. Man hört ja hier und da von Bemühungen des Bundesgesundheitsministers. Da sollen neue Stellen geschaffen werden, doch woher sollen die Stellenbesetzungen generiert werden. Da kam dann Thailand ins Gespräch...Ok, es scheint nicht zu funktionieren, bislang. Wenn man nun liest, dass allein in NRW derzeit (!) bereits 10.000 Stellen fehlen...oh je!

Die großen Probleme werden, wie immer in der politischen Geschichte, ausgesessen. Hier und da mal eine reaktionäre Aussage und ein Gesetzesentwurf, das war's.

Und die Stimmen, die dann hier und da mal öffentlich (Fernsehsendungen, Leserbrief, sonstwas) aufbegehren und das Leid, die Missstände derer vortragen, die sich nicht mehr selbsttätig wehren können (Kranke, zu Pflegende, Betreute), verhallen.

Was passiert wohl, wenn erstmal weitere Berufe, die (bislang) den Gesellschaftskitt bilden (neben Altenpflegern, Gesundheitsplegerinnen auch Berufsbetreuer, Sozialarbeiter und nicht zu vergessen die vielen Ehrenamtlichen in Tafeln pp.) wegen Überlastung resignieren...aber vielleicht haben sie das ja auch bereits oder tun es gerade sukzessive...und keiner merkt es...bis das Fass überläuft!

Gleiches gilt für unser Klima!

Gleiches gilt für die armen Seelen, die aus Verzweifelung und Angst um ihr LEben, um ihre Zukunft aus Afrika zu uns übersiedeln und elendig ertrinken. Da stellt gestern Abend ein junger Mann in der "Wahlarena ARD" die (sehr konkrete) Frage an die beiden Spitzenkandidaten der Europawahl, wie sie zukünftig die Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer retten wollen und es kommen nur ausschweifende Antworten, die in eine ganz andere (wenn auch richtige) Richtung gehen...traurig.

Ende vom Lied, Fazit:
Geld regiert die Welt. Das ist das wichtige Thema, um das sich alles immer wieder dreht. Leid, Armut, Nöte, bevorstehende Klimawandlungen sind da nur störendes Beiwerkt...irgendwann wird es sich rächen!
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