Prognose Zahl der Kirchenmitglieder halbiert sich bis 2060

Bei Mitgliedern und Finanzen gehen die beiden großen Konfessionen düsteren Zeiten entgegen. Das haben sich katholische und evangelische Kirche jetzt bescheinigen lassen. Einen Lichtblick sieht eine Untersuchung dennoch.

Von dpa
Gottesdienst im bayerischen Straubing.
Gottesdienst im bayerischen Straubing. Foto: Matthias Balk

Frankfurt/Main (dpa) - Die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland sinkt laut einer Studie drastisch - bis zum Jahr 2060 um 49 Prozent auf 22,7 Millionen.

Die Hauptgründe sind Austritte, weniger Taufen sowie die alternde Bevölkerung, wie eine Untersuchung der Universität Freiburg zeigt. Der Abwärtstrend könnte auch zu dramatischen Finanzierungslücken bei den Kirchen führen. Die Studie des Forschungszentrums Generationenverträge (FZG) wurde am Donnerstag gemeinsam von der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) veröffentlicht.

Nominell gesehen bleibt 2060 das Aufkommen der Kirchensteuer zwar mit zwölf Milliarden Euro auf dem aktuellen Niveau. Berechnet man aber steigende Gehälter und die Inflation ein, bräuchten die Kirchen der Studie zufolge zur Finanzierung von Personal und Gebäuden knapp 25 Milliarden Euro. Die Studie ermittelt daher einen Verlust von 51 Prozent bei der Kaufkraft der Kirchen.

Bei der Mitgliederzahl der beiden Kirchen geht Studie bereits für das Jahr 2035 von einem Rückgang um zehn Millionen auf 34,8 Millionen aus. Im Osten Deutschlands, wo schon jetzt weniger Christen leben, werden die beiden Kirchen 2060 nur noch 1,5 Millionen Mitglieder haben - 2017 waren es noch 3,2 Millionen. In absoluten Zahlen werden aber noch deutlich höhere Rückgänge für andere Teile Deutschlands beziffert.

Den demografischen Faktor - Überalterung und Bevölkerungsrückgang - macht die Studie lediglich zu einem Drittel für die prognostizierte Entwicklung verantwortlich. Stärker ins Gewicht fielen andere Faktoren wie Austritte oder das Tauf- und Aufnahmeverhalten.

Darüber zeigte sich der Leiter der Studie, der Finanzwissenschaftler Prof. Bernd Raffelhüschen, überrascht. Den Kirchen böte sich damit zugleich die Chance, Strategien etwa zur Verhinderung von Austritten zu entwickeln. Wichtig für deren Einnahmen sei gerade die steuerstarke obere Mittel- und Oberschicht.

In der Mitglieder-Prognose schneidet die katholische Kirche wegen der Altersstruktur und jüngsten Zuwanderungen aus dem katholischen Osten Europas etwas besser ab. Bei der evangelischen Kirche gibt es auch mehr Austritte - allerdings auch mehr Wiedereintritte. Generell sieht die Untersuchung bei den Austritten der vergangenen Jahre einen eindeutigen Zusammenhang zu aktuellen Ereignissen wie etwa den Enthüllungen über den Missbrauch von Kindern durch Geistliche.

Die FZG-Projektion beschreibe einen Trend, den die Sozialforschung bereits vor Jahren festgestellt habe, erklärte dazu der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. «Manches am Rückgang an Kirchenmitgliedern werden wir nicht ändern können. Anderes aber schon.» Der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte, man werde die Arbeit an den veränderten Bedingungen ausrichten. Die Studie werte er als einen «Aufruf zur Mission».

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Kirchen müssen bescheidener werden

Die Kirchen haben Angst davor, dass ihre Schäfchen verloren gehen. Ob es den beiden staatlich subventionierten Kirchen tatsächlich um das Seelenheil der Menschen geht, kann ruhig bezweifelt werden, denn Jesus hat mit Sicherheit keine quasi verbeamtete Priesterschaft gewollt, die auf Kosten der Allgemeinheit lebt, aber selbst keinen eigenen Beitrag zum Wohlstand leistet. Der Wahlspruch „Ora et labora“ (bete und arbeite), der auf den Bendiktiner-Orden zurückgehen soll, wird nur noch auf das „Ora“ verkürzt. Die Angst geht bei den Kirchenvertretern um, dass die üppigen Einnahmen aus der Kirchensteuer durch Kirchenaustritte und mangelnden Nachwuchs an neuen Kirchenmitgliedern versiegen und das komfortable Leben der evangelischen und katholischen Pfarrer an ein Ende kommen wird. Schon jetzt sind aber leere Kirchen Alltag und viele Kirchengebäude bleiben ungenutzt. Die Unterhaltung dieser Gebäude, für die auch die nicht-konfessionell gebundenen Steuerzahler aufkommen, verschlingen unnötig die Steuergelder der Bürger. Es genügten einfache Räume und riesige Kirchgebäude sind unnötigt, damit sich Gläubige versammeln können, um z. B. die Evangelien des Neuen Testamentes zu studieren. Die Kirchen sollten die Gelegenheit sinkender Einnahmen nutzen, um etwa bescheidener zu werden, damit sie sich wieder auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.

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