Abiturnote zählt zu 30 Prozent – Anwärter müssen Test absolvieren
Bewerbungsphase für Landarzt-Studienplätze läuft

Düsseldorf (WB). Nicht der Notenschnitt, sondern die Mission zählt: Seit Sonntag können sich Bewerber unabhängig vom normalen Vergabeverfahren um einen der 145 für angehende Landärzte reservierten Studienplätze im kommenden Wintersemester bewerben.

Dienstag, 02.04.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 13:08 Uhr
Landarzt Michael Beringhoff aus Neuenrade nimmt beim Hausbesuch einer Patientin Blut ab. Foto: dpa

Sie müssen sich in diesem Verfahren dazu verpflichten, nach ihrer Facharztprüfung als Allgemeinmediziner für zehn Jahre eine Praxis in einer unterversorgten Gemeinde auf dem Land zu übernehmen. Bewerber können ihre Unterlagen online bis zum 30. April abgeben.

»Hausärzte sind die Basis und das Herz jeder medizinischen Versorgung«, betonte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) gestern zum Start des Landärzte-Programms . »Wir zwingen niemand aufs Land«, ergänzte er. Aber wer sich vorstellen könne, in einer unterversorgten Region zu arbeiten, solle abseits des Numerus clausus eine Chance auf einen Medizinstudienplatz bekommen.

Zahl der nachrückenden Mediziner reicht nicht aus

Laumann unterstrich die Notwendigkeit dieser bundesweit bislang einmaligen Maßnahme, die jetzt auch von der baden-württembergischen Landesregierung aufgegriffen wird. »Die Zeit drängt«, meinte Laumann. »Bereits heute sind mehr als die Hälfte der Hausärztinnen und Hausärzte älter als 55 Jahre.«

Demgegenüber reiche aber die Zahl der nachrückenden Allgemeinmediziner nicht aus. Nur zehn Prozent der jährlich etwa 2000 an den NRW-Universitäten abgehenden Ärzte entscheiden sich für diesen Bereich. Mindestens 400 – also doppelt so viele – Hausärzte gehen Jahr für Jahr in den Ruhestand, berichtete Laumann. 2018 zogen sich sogar 508 Allgemeinmediziner zurück, 255 erhielten im gleichen Jahr ihre Facharztanerkennung.

Abiturnote fließt mit 30 Prozent in die Bewertung ein

Das Zulassungsverfahren für die Landarztquote läuft vor dem normalen Verfahren. Die Abitur-Note fließt mit 30 Prozent in die Bewertung ein, dazu müssen Bewerber einen Test für Medizinische Studiengänge absolvieren (30 Prozent). Eine einschlägige Ausbildung und berufliche Erfahrung in medizinischen oder therapeutischen Berufung wird mit 40 Prozent besonders gewichtet.

Angeboten werden die Studienplätze an allen acht Universitäten mit einer medizinischen Fakultät – also in Aachen, Bochum, Bonn, Siegen (Kooperation mit Bonn), Düsseldorf, Duisburg-Essen, Köln und Münster. Ab 2022 soll die medizinische Fakultät für Ostwestfalen-Lippe an der Universität Bielefeld mit weiteren 300 Studienplätzen und dem Schwerpunkt Allgemeinmedizin an den Start gehen. Für die Landarztquote stehen dort dann voraussichtlich 22 Plätze zur Verfügung.

Landarztquote ist kein »Allheilmittel«

Studierenden, die über die Landarztquote einen Platz in Medizin erhalten haben, sich daran aber später nicht halten wollen, droht eine Vertragsstrafe von 250.000 Euro. »Das sind die Studienkosten für einen Medizinstudienplatz«, begründete Laumann die Summe.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe befürwortet die Einführung des neuen Vergabeverfahrens. Allerdings könne es nur »eine von vielen Maßnahmen« gegen den Ärztemangel sein. Ähnlich sieht das die Ärztekammer Westfalen-Lippe: Die Landarzt-Quote sei sicher kein »Allheilmittel«, erklärte ein Sprecher, könne aber ein »Mosaikstein« sein.

Kammerpräsident Theodor Windhorst warnt derweil vor einer Stigmatisierung. »›Landarzt‹ darf keine zweitklassige Benennung für Kolleginnen und Kollegen sein, die die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen«, wird Windhorst in einem Beitrag des »Westfälischen Ärzteblattes« zitiert, das Ende der Woche veröffentlicht wird.

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