Fünf Firmenchefs bloggen – und ernten bei Twitter einen Shitstorm
Reinfall zum Weltfrauentag

Hamburg (WB). Die Hamburger Maklerfirma Engel & Völkers hat sich im Netz einen kleinen Shitstorm eingehandelt. Am 4. März, vier Tage vor dem heutigen Weltfrauentag, bloggten fünf Vorstandsmitglieder, ausnahmslos Männer, welche Frauen sie für bewundernswert halten.

Freitag, 08.03.2019, 06:35 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 06:38 Uhr
Dieser Tweet der Firma Engel & Völkers versetzt die Netzgemeinde in Aufruhr. Foto: Jan Gruhn

Bei Twitter wurde nicht nur die Auswahl der fünf kritisiert, sondern auch der Umstand, dass auf dem zugehörigen Foto, das die fünf Vorständler im Anzug auf einer Palette in einer Pfütze auf dem Dach des Hamburger Unternehmens zeigt, keine Frauen zu sehen sind. »Mich beeindrucken Frauen, die ihre Ziele und Visionen in männlich dominierten Branchen durchsetzen«, bloggte Christian Völkers, Gründer und CEO von Engel & Völkers. Namentlich nannte er die ehemalige Yahoo-Chefin Marissa Mayer – und seine eigene Mutter.

Shitstorm wegen Sexismus

Im vergangenen Jahr bekam die Drogeriekette Rossmann Probleme im Netz, als sie sich zum Weltfrauentag in »Rossfrau« umbenannte. Das Unternehmen warb mit Klischeebegriffen wie »Beautyqueen«, »Naschkatze« und »Diva« als Synonyme für Frauen. Und das Unternehmen legte nach: Eine Coupon-Aktion bewarb Artikel, die das Klischee der Hausfrau bedienten, beispielsweise mit dem Rabattangebot »30 Prozent auf alle Strickstrümpfe«.

Nicht zum Weltfrauentag, aber allgemein als sexistisch wurde die »Loch ist Loch«- Kampagne bei Lidl (über Bagels und Donuts) bewertet. Auch Dickmann’s (im Hause Storck) musste sich für einen Schokokuss rechtfertigen, der Prinz Harrys Ehefrau Meghan Markle nachempfunden war.

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Der Vorstandsvorsitzende Sven Odia wiederum hält Angela Ahrendts (Apple, Burberry) für eine »absolute Powerfrau« und zieht den Hut vor Frauen, die den »Balanceakt zwischen Beruf und Familie meistern«. Schließlich würdigten die Vorstandsmitglieder Kai Enders, Thilo von Trotha und Christian Evers Frauen aus ihrem privaten Umfeld, aber auch Kanzlerin Angela Merkel (»hält besonnen Kurs«), die in der NS-Zeit hingerichtete Sophie Scholl von der »Weißen Rose« und die Youtube-Chefin Susan Wojcicki.

»Was ist eigentlich der Plural von ›Lauch‹?«

»Das Schlimme ist, die meinen es wirklich ernst und glauben, dass sie einen besonders relevanten Beitrag zum Frauentag halten, in dem sie über Frauen sprechen... Passt zu Mansplaining«, heiß es in einem Kommentar. Gemeint ist der her­ablassende Versuch eines Mannes, der glaubt mehr zu wissen als die Frau, ihr einen Sachverhalt zu erklären. »Das Problem ist nicht, dass ich überall Sexismus sehe, sondern dass ihr es nicht seht«, schrieb eine Twitter-Userin auf Englisch an die Adresse von Engel und Völkers. Auch die Auswahl der im Blog (in einem Tweet verlinkt) genannten Frauen missfiel: »Von allem was dabei: Widerstandskämpferin, Mama, Merkel, bissel Digitalisierung.«

Auch der aus Bielefeld stammende Cartoonist Ralph Ruthe schaltete sich ein: »Was ist eigentlich der Plural von ›Lauch‹?«, fragte er mit Blick auf die fünf Blog-Einträge. »Lauch« ist Jugendsprech für einen etwas ungelenken Menschen, dem »Weichei« nicht unähnlich.

»Unser Beitrag verfehlte sein Ziel, Frauen in den Vordergrund zu stellen«

Man möge nicht so »harsch« mit der Firma umgehen, twitterte ein User ironisch. »Stell Dir mal vor Du hättest Dir mit 3300 Grütze-Tweets ganze 21 Follower erarbeitet... da hättste auch Scheißlaune.« Bis gestern erhöhte sich die Anzahl der Follower von Engel & Völkers auf 84.

Das Unternehmen hat sich mittlerweile entschuldigt. »Unser Beitrag verfehlte sein Ziel, Frauen in den Vordergrund zu stellen«, twitterte die Firma einen Tag nach dem inkriminierten Post. »Dies und nichts anderes ist im Rahmen des Weltfrauentags angemessen. Das war ein Fehler unsererseits und tut uns außerordentlich leid.«

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