Studie: Nur 48 Prozent sehen Digitalisierung positiv – Debatte um soziale Absicherung
Deutsche sind skeptisch

Bielefeld (WB). In kaum einem Land löst die Digitalisierung laut einer repräsentativen Studie so viel Skepsis aus wie in Deutschland. Wie das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag des Vodafone-Instituts herausfand, bezeichnet hierzulande nicht einmal jeder Zweite seine Einstellung zur Digitalisierung als positiv oder sehr positiv.

Mittwoch, 06.03.2019, 12:30 Uhr
9000 Menschen in neun Ländern in Asien, Nordamerika und ­Europa wurden für die Untersuchung befragt. Foto: dpa

Die Studie, die im Oktober 2018 veröffentlicht wurde, hat die Einstellung der Bevölkerung in neun Ländern in Asien, Nordamerika und Europa untersucht. 9000 Menschen wurden befragt. Hintergrund ist die Tatsache, dass in den aufstrebenden Ländern die technologische Entwicklung aktuell schneller vorangeht als in den führenden Industrienationen.

Fast die Hälfte sieht die Digitalisierung eher positiv

In Deutschland sehen demnach nur 48 Prozent der Befragten die Digitalisierung eher positiv , in Großbritannien nur 47 Prozent. In Indien sind es fast 90 Prozent, in China 83 Prozent. Offenbar sehen die aufstrebenden Nationen die Digitalisierung eher als Chance, wohl­habende Volkswirtschaften eher als Risiko. »Wir erleben durch die Digitalisierung eine grundlegende Veränderung«, sagt Christoph Igel vom Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz. »In Europa geht das einher mit Ängsten vor Automatisierung und Jobverlust, diese Grundangst haben sie in weiten Teilen Asiens nicht.«

Was die Zukunft bringt, kann niemand genau sagen. In jedem Fall ist die Digitalisierung eine der gewaltigsten Herausforderungen für die Gesellschaft. Wichtig wird sein, wie die Menschen, die ihren Job verlieren, vom Sozialstaat unterstützt werden. Viele Deutsche haben schon jetzt Abstiegsängste. Mehr als 80 Prozent der Bürger bereitet die Kluft zwischen Arm und Reich große Sorgen. Sollte die Zahl der Hartz-IV-Bezieher steigen, stellt sich die Frage, wie der Staat das finanzieren kann.

In der Diskussion ist auch das »bedingungslose Grundeinkommen«

Eine Debatte darüber, ob die Hartz-IV-Regelsätze zum Leben reichen, ist längst entbrannt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller brachte ein »solidarisches Grund­einkommen« von 1200 Euro für Hartz-IV-Empfänger ins Gespräch. Das Geld soll gezahlt werden, wenn eine gemeinnützige Tätigkeit ausgeübt werde. SPD-Chefin Andreas Nahles spricht sich für ein »Bürgergeld« aus. Die Zahlung des Arbeitslosengeldes I soll um bis zu neun Monate verlängert werden. Am Regelsatz für das Arbeitslosengeld II (Hartz-IV), derzeit 424 Euro für Alleinstehende plus Wohnkosten, soll aber nicht gerüttelt werden.

Die Ökonomen Stefan Bach und Jürgen Schupp vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlagen vor, dass »landeseigene und kommunale Unternehmen« Arbeitslose auf Vollzeitbasis einstellen und ihnen Mindestlohn zahlen. Mögliche Jobs könnten Hausmeister in kommunalen Einrichtungen oder Betreuer für Kleinkinder und Ältere sein.

In der Diskussion ist auch das »bedingungslose Grundeinkommen«. Es sieht vor, dass jeder Bürger monatlich einen bestimmten Betrag vom Staat erhält, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Ziel sei es, Armut zu bekämpfen, soziale Teilhabe zu ermöglichen und den Bürgern in ihrer Entscheidung, was sie mit ihrem Geld tun, mehr Freiheit zu ermöglichen. Unter anderem setzt sich Götz Werner, Gründer der Drogeriekette dm, dafür ein: »Die Wirtschaft hat die Aufgabe, die Menschen von der Arbeit zu befreien«, sagt er. Ein bedingungs­loses Grundeinkommen sichere das Leben auf einem niedrigen, aber tragfähigen Niveau.

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