Bertelsmann-Stiftung untersucht Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung
Ohne EU hätten die Bürger weniger Geld im Portemonnaie

Gütersloh (WB). Sollte der Auflösungsprozess der Europäischen Union nach dem Brexit weitergehen, hätte das auch für OWL konkrete Folgen. Die Wirtschaftsleistung würde spürbar zurückgehen – und damit auch das Durchschnittseinkommen der Bürger, erklärt die Bertelsmann-Stiftung.

Mittwoch, 06.03.2019, 05:45 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 13:08 Uhr
Die Wahlen zum Europaparlament sind ein »echter Stresstest für die Demokratie«, sagte gestern Aart de Geus (links). Neben ihm (von links): Brigitte und Liz Mohn sowie Jörg Dräger, alle Vorstände der Bertelsmann-Stiftung. Foto: Carsten Borgmeier, Montage: A.Günzel

Zwar wird die Studie, auf die sich der Stiftungsvorsitzende Aart de Geus gestern in Gütersloh berief, erst in etwa eineinhalb Monaten abgeschlossen sein. Trotzdem lasse sich der Rückgang schon jetzt in Zahlen bemessen – und zwar pro Kopf in Ostwestfalen-Lippe auf jährlich 1000 Euro. Zum Vergleich: Insgesamt erwirtschaftete jeder Einwohner der Region zuletzt ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 39.500 Euro.

OWL im oberen Drittel der 283 Regionen in der EU

Mit dem Verlust bewege sich OWL im oberen Drittel der 283 Regionen in der EU. Stärker sei er in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf. Dagegen seien Regionen wie die Lausitz und Süditalien weniger von einem reibungslosen europäischen Binnenmarkt abhängig. Trotzdem würden die Menschen auch hier etwaige neue Handelsschranken an ihrer Geldbörse spüren. Ein Teil der Studie, der die Folgen des Brexit betrifft, soll noch vorher veröffentlicht werden – »aber erst, wenn wir die Rahmenbedingungen besser kennen«, meinte gestern Projektleiter Dominic Ponattu.

Ein »echter Stresstest« für Freiheit und Demokratie sieht de Geus in den Wahlen zum Europäischen Parlament am 26. Mai. Europa werde daher Schwerpunktthema der Stiftungsarbeit im ersten Halbjahr sein. Man werde versuchen, die politische Diskussion mit Hilfe von Zahlen und Fakten zu versachlichen. Die Gefahr, dass national-populistische Parteien erstarken, sei nicht von der Hand zu weisen. Nach einer Erhebung der Stiftung sind die Standards für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit 2018 in 26 von 41 Ländern der OECD gesunken, darunter auch in Polen und Ungarn. Trotz alledem lägen die Zustimmungswerte für Europa in den größten EU-Ländern überall noch deutlich über 50 Prozent.

»Wir leben in einer Zeitenwende«

Auch nach Ansicht der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Stiftung und Sprecherin der Bertelsmann-Eigentümer, Liz Mohn, ist die Lage kritisch: »Wir leben in einer Zeitenwende, wie wir sie in der Form noch nicht erlebt haben.« Zu Beginn der Globalisierung habe man »die Größe der Probleme unterschätzt«.

Eine schwer zu überwindende Polarisierung der Gesellschaft sei jetzt die Folge. Dies ist Mohn zufolge umso schlimmer, als die EU von einem »Ring of fire« umgeben sei. Zu den bestehenden Kriegs- und Krisengebieten in der Ukraine, dem Nahen Osten und Nordafrika kämen noch Venezuela und die Türkei hinzu. Darum müsse die EU zusammenstehen: »Freiheit ist so etwas Unglaubliches. Aber ich habe das Gefühl, dass vielen auch in unserem Land das gar nicht mehr bewusst ist.«

Weitere Projekte plant die Stiftung vor allem zum interreligiösen Dialog, Bildung und Künstliche Intelligenz. Beim Umgang mit Algorithmen müsse der Staat die Rahmenbedingungen setzen und Grenzen definieren. Stiftungsvorstand Jörg Dräger kündigte die Veröffentlichung von »Algo Rules« an, also von Regeln, »wie wir die Künstliche Intelligenz in den Dienst der Gesellschaft stellen können«.

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